Nach Raketenangriff aus dem Jemen : Saudi-Arabien wirft dem Iran „militärische Aggression“ vor

Erst 32 Jahre alt: Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman.
Erst 32 Jahre alt: Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman.

Riads Konflikt mit dem Iran heizt sich auf. Ärger gibt es im Jemen und im Libanon. In Saudi-Arabien gibt es Festnahmen.

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07. November 2017, 11:07 Uhr

Riad | Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat dem Erzrivalen Iran eine „direkte militärische Aggression“ gegen sein Land vorgeworfen. Das „iranische Regime“ beliefere die Huthi-Rebellen im Jemen mit Raketen, sagte Kronprinz Mohammed in einem Telefongespräch mit dem britischen Außenminister Boris Johnson, wie die saudische Nachrichtenagentur SPA am Dienstag meldete. „Das könnte einem Kriegsakt gegen das Königreich gleichkommen.“ Auch den Libanon sieht Riad nach dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Saad Hariri als gefährlichen Gegner.

Das sunnitische Saudi-Arabien wirft dem schiitischen Iran vor, die Huthis zu unterstützen. Im Libanon wird die Hisbollah als verlängerter Arm von Teheran gesehen. Die beiden Regionalmächte konkurrieren um die Vormachtstellung in der Region.

Die saudische Luftwaffe hatte am Wochenende nach eigenen Angaben eine Rakete nahe der Hauptstadt Riad abgefangen. Das Geschoss soll aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Jemen abgefeuert worden sein. Die Huthi-Rebellen, die weite Teile im Norden des Jemen kontrollieren, bestätigten den Abschuss einer ballistischen Rakete auf den internationalen Flughafen Riads.

Erstarken der Hisbollah: Saudi-Arabien sieht sich in Krieg mit dem Libanon

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri ist aus Furcht vor einem Anschlag auf ihn zurück getreten.
Hassan Ammar
Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri ist aus Furcht vor einem Anschlag auf ihn zurück getreten.
 

Der Konflikt zwischen Riad und Teheran wird auch durch den Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri angefeuert. Der Regierungschef hatte am Wochenende von Saudi-Arabien aus seinen Rücktritt angekündigt – angeblich weil er um sein Leben fürchte. Der sunnitische Politiker pflegt enge Beziehungen zu Riad und gilt als Verbündeter. Er besitzt neben der libanesischen auch die saudische Staatsbürgerschaft.

Bei seiner Rücktrittserklärung hatte Hariri der im Libanon einflussreichen Schiitenmiliz Hisbollah sowie deren Schutzmacht Iran vorgeworfen, in der Region Unruhe zu schüren. Hisbollahchef Hassan Nasrallah wiederum machte für Hariris Rücktritt einen Machtkampf in Saudi-Arabien verantwortlich. Riad wies den Vorwurf zurück.

„Der Libanon ist von der Hisbollah gekidnappt worden. Und dahinter steht der Iran.“

Thamer al-Sabhan, saudi-arabischer Golfminister

Saudi-Arabien fürchtet offenbar ein Erstarken der Hisbollah-Miliz – und setzt sie bereits mit der Regierung des Libanon gleich. „Wir werden die Regierung des Libanon wegen der Hisbollah-Miliz als eine Regierung betrachten, die Saudi-Arabien den Krieg erklärt“, sagte der saudi-arabische Golfminister Thamer al-Sabhan im TV-Sender Al-Arabiya.

Die Führung in Riad wirft der Hisbollah direkte Angriffe auf das eigene Territorium vor. Al-Sabhan sagte weiter, die Miliz schmuggle Drogen ins Land und bilde junge saudi-arabische Staatsbürger zu Terroristen aus. Demnach seien die Hisbollah-Kämpfer „in jeden Terrorakt“ verwickelt, der Saudi-Arabien bedrohe.

Nach seiner Rücktrittserklärung hat Hariri Saudi-Arabien am Montag verlassen und ist in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gereist. Dort wolle er Kronprinz Mohammed bin Said treffen, teilte Hariris Büro in Beirut am Dienstag mit. Zunächst gab es Gerüchte, wonach Hariri in Saudi-Arabien unter Hausarrest stehe.

Beispiellose Verhaftungswelle in Saudi-Arabien

Zeitgleich hat es am Wochenende eine große Verhaftungswelle in Saudi-Arabien gegeben. Schon am Montag haben die Nachfolger von zwei abgesetzten einflussreichen Ministern ihre Ämter übernommen. Als neuer Chef der Nationalgarde wurde Prinz Chalid bin Ajaf vereidigt, wie die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete. Er ersetzt Prinz Mutaib bin Abdullah, der als Rivale von Kronprinz Mohammed bin Salman galt. Die Nationalgarde ist neben Armee und Polizei das wichtigste Sicherheitsorgan in dem islamisch-konservativen Königreich. Neuer Wirtschaftsminister ist Mohammed al-Tuwaidschri, der den Posten von Adil al-Fakih übernimmt.

Die Festnahme dutzender Prinzen und einflussreicher Personen wurde offiziell als Teil einer Kampagne gegen Korruption dargestellt. Kronprinz Mohammed bin Salman war zuvor von seinem Vater, König Salman, zum Leiter eines Anti-Korruptions-Ausschusses ernannt worden. Erklärtes Ziel des mächtigen Kronprinzen ist es, mit seiner „Vision 2030“ die Abhängigkeit vom Ölgeschäft zu reduzieren.

Mohammed bin Salman hat seine Macht in den vergangenen Monaten ausgebaut. So löste er im Juni Mohammed bin Najif als Thronfolger ab, wodurch ein wichtiger Zweig der Königsfamilie entmachtet wurde. Als Verteidigungsminister ist Mohammed zugleich für die Armee zuständig.

US-Präsident Donald Trump begrüßte die Festnahmen. „Ich habe großes Vertrauen in König Salman und den Kronprinzen Saudi-Arabiens, sie wissen genau, was sie tun...“, schrieb Trump am Dienstag aus Tokio (Ortszeit) auf Twitter. Trump ist derzeit auf Asienreise. In einem zweiten Tweet schrieb Trump: „Einige von denen, die sie so hart anfassen, haben ihr Land für Jahre gemolken!“ Zu König Salman pflegt Trump ein enges Verhältnis.

 

Bundesregierung äußert sich kritisch zu Raketenangriff

Die Bundesregierung äußerte sich vorerst nicht. „Zu den konkreten Vorwürfen jetzt gegen die Verhafteten haben wir mangels eigener Erkenntnisse keinen Kommentar“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Er verwies auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformprogramm „Saudi Vision 2030“ und erklärte: „Wenn das Ziel ist, Korruption zu bekämpfen, dann begrüßen wir das.“

Kritisch sieht die Bundesregierung den Krieg im Jemen, an dem Saudi-Arabien beteiligt ist. Als Verteidigungsminister trägt der Kronprinz auch dafür mit Verantwortung. Das Auswärtige Amt verurteilte am Montag einen Raketenangriff der jemenitischen Huthi-Rebellen in Riad. Die Bundesregierung betonte gleichzeitig, ein Ausweg aus dem Jemen-Konflikt sei nur „auf diplomatischem Wege zu finden“. Bei dem Angriff am Samstag war nur Sachschaden entstanden.

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