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Nach Brandanschlag auf Flüchtlingsheim : Salzhemmendorf: Feuerwehr-Funktionär tritt zurück

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Eine Frau mit ihren drei Kindern waren im Nebenraum, als der Brandsatz durch das Fenster geworfen wurde. Ein Jugendwart ist jetzt zurückgetreten. Er sympathisierte mit der NPD.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 13:15 Uhr

Salzhemmendorf | Nach dem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim im niedersächsischen Salzhemmendorf, in den ein rechtsgerichteter Feuerwehrmann verwickelt sein soll, ist der Jugendwart der Wehr zurückgetreten. Der Mann habe die rechtsextreme NPD bei Facebook mit „gefällt mir“ markiert, sagte Bürgermeister Clemens Pommerening (parteilos) am Donnerstag. Die „Deister- und Weserzeitung“ hatte berichtet, dass der Jugendwart in dem sozialen Netzwerk auch mit einem örtlichen Neonazi befreundet war und Rechtsrock-Bands markiert hatte. „Das sind Dinge, die wir nicht akzeptieren können“, sagte Pommerening.

Ein 24 Jahr alter Feuerwehrmann aus Salzhemmendorf soll in der Nacht zum vergangenen Freitag zusammen mit einem 30-Jährigen und einer 23 Jahre alten Frau einen Molotowcocktail in eine von 40 Menschen bewohnte Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf geschleudert haben. Nur durch Glück wurde niemand verletzt. Der Feuerwehrmann hatte bei den Löscharbeiten geholfen.

Die drei Verdächtigen sitzen wegen schwerer Brandstiftung und gemeinschaftlichen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur haben der 24-Jährige und die Frau die Tat gestanden.

Der Molotowcocktail wurde durch dieses Fenster geworfen.

Der Molotowcocktail wurde durch dieses Fenster geworfen.

Foto: dpa

Der Brandanschlag reiht sich in eine große Anzahl an Anschlägen ein, die in diesem Jahr auf Flüchtlingsheime verübt wurden. Eine Auswahl:

9. Februar 2015 In Escheburg (Schleswig-Holstein) wird ein brennender Benzinkanister in ein Zweifamilienhaus geworfen. An diesem Tag sollten sechs Flüchtlinge aus dem Irak einziehen. Verletzt wird niemand. Ein 38-Jähriger wird als Täter identifiziert und verurteilt.
28. Februar 2015 In Liliental bei Bremen werfen Unbekannte einen Molotow-Cocktail an die Hauswand eines Einfamilienhauses. Dort hat die Gemeinde 15 Flüchtlinge untergebracht. Niemand wird verletzt.
4. April 2015 Tröglitz (Sachsen-Anhalt): Unbekannte legen Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Zuvor war der Ort in die Schlagzeilen geraten, als Bürgermeister Markus Nierth nach rechtsextremen Anfeindungen im März zurücktritt.
17. April 2015 Hepberg (Bayern): Unbekannte zünden eine noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft an. Zehn bis zwölf Personen hätten in den Wohncontainern unterkommen sollen. Der Sachschaden beträgt 10.000 Euro.
6. Mai 2015 Limburgerhof bei Mannheim: Unbekannte zünden eine noch nicht bewohnte Containeranlage für Flüchtlinge an. Der Sachschaden beträgt etwa 25.000 Euro.
28. Juni 2015 In Meißen (Sachsen) wird in der Nacht ein Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gelegt. Verletzt wird niemand, da das Gebäude noch unbewohnt ist. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
29. Juni 2015 Ein Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Lübeck-Kücknitz verursacht Sachschaden in Höhe von 1000 Euro. Das Feuer im Rohbau konnte die Feuerwehr schnell löschen. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund liegt nahe, so die Polizei.
18. Juli 2015 Remchingen-Singen (Baden Württemberg): Unbekannte legen ein Feuer und verursachen einen Schaden in Höhe von 70.000 Euro an einem Haus, welches als Flüchtlingsheim geplant war. Verletzt wird niemand.
16. Juli 2015 Reichertshofen (Bayern): Unbekannte brennen einen Gasthof nieder, der als Flüchtlingsunterkunft dienen solllte. An dem leerstehenden Gebäude entsteht hoher Sachschaden. Verletzt wird niemand.
26. August 2015 Unbekannte werfen in Leipzig einen Molotowcocktail in ein als Flüchtlingsheim geplantes Haus. Verletzt wird niemand, der Sachschaden kann gering gehalten werden. 56 Flüchtlinge sollten am Tag in das Haus einziehen.
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