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Zu extremistisch : Russland verbietet Zeugen Jehovas

vom

Das Justizministerium sieht „Merkmale extremistischer Tätigkeit“. 170.000 Anhänger sind in Russland vom Verbot betroffen.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 14:37 Uhr

Moskau | Das Oberste Gericht Russlands hat die Zeugen Jehovas als extremistisch verboten und ihr Vermögen eingezogen. Die Glaubensgemeinschaft müsse ihre Russland-Zentrale in St. Petersburg und 395 örtliche Organisationen auflösen, befanden die Richter am Donnerstag in Moskau. Die Zeugen Jehovas kündigten an, ihren Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu tragen. Um gegen das drohende Verbot zu protestieren, hatte die Organisation ihre Anhänger weltweit dazu aufgerufen, Briefe an den Kreml zu schreiben.

Vielen gilt sie als Sekte, deren Mitglieder ein totalitäres und intolerantes Weltbild vertreten. Anhänger verweigern aus religiösen Gründen unter anderem lebensrettende Bluttranfusionen - auch für ihre Kinder. Die umstrittene Gemeinschaft ist Ende des 19. Jahrhunderts in den USA gegründet worden und hat weltweit rund acht Millionen Mitglieder. In Deutschland sind es mehr als 160.000 aktive, missionierende Anhänger.

„Die religiöse Organisation Zeugen Jehovas zeigt Merkmale extremistischer Tätigkeit“, sagte eine Vertreterin des russischen Justizministeriums vor Gericht, wie die Agentur Interfax meldete. „Sie stellen eine Gefahr für die Rechte der Bürger, die öffentliche Ordnung und die öffentliche Sicherheit dar.“

 

Als extremistisch stufte die Behörde vor allem die Zeitschrift „Der Wachtturm“ ein, die trotz Verbots weiter verteilt werde. Dass die Zeugen Jehovas ihren Mitgliedern Bluttransfusionen verbieten, sei ein Verstoß gegen Menschenrechte. Die Gemeinschaft soll in Russland nach Presseberichten etwa 170.000 Anhänger haben.

Kritiker schätzen die Zeugen Jehovas als autoritäre Gruppe ein, die Gehorsam erwarte und ihre Mitglieder sozial isoliere. In Deutschland sind sie aber wie die großen Kirchen als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt.

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