Giftgasuntersuchung : Russland und Syrien lassen OPCW-Team nicht nach Duma

Bei dem Angriff auf Duma waren vor einer Woche Aktivisten zufolge Dutzende Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt worden.
Bei dem Angriff auf Duma waren vor einer Woche Aktivisten zufolge Dutzende Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt worden.

Ein Experten-Team befindet sich bereits in Damaskus und fordert uneingeschränkten Zugang zum Gebiet.

shz.de von
16. April 2018, 12:53 Uhr

Den Haag | Nach dem mutmaßlichen Giftgasanschlag in Syrien hat das Ermittlerteam der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) noch immer keinen Zugang zu dem betroffen Ort Duma. Das bestätigte OPCW-Generaldirektor Ahmet Üzümcü am Montag in Den Haag. Syrische und russische Vertreter hätten das Team informiert, dass noch „Sicherheitsfragen“ geklärt werden müssten. Die neun Experten der OPCW sind seit Samstag in Damaskus und warten auf ihre Weiterreise.

Bei der Sondersitzung des Exekutivrates der OPCW hatte zuvor bereits der britische Botschafter Peter Wilson mitgeteilt, dass dem Team der Zutritt nach Duma verweigert werde. Er beschuldigte Russland und Syrien, die Ermittlungen zu blockieren. Die Experten sollen Spuren des Angriffs vom 7. April sichern und Zeugen befragen. Bei dem Luftangriff, bei dem möglicherweise Chlorgas eingesetzt wurde, sollen Dutzende Menschen getötet worden sein. Westliche Staaten machen Syrien dafür verantwortlich.

Das Experten-Team der OPCW, das den mutmaßlichen Giftgasanschlag untersuchen soll, sei am Samstag in Damaskus eingetroffen, könne aber nicht weiterreisen. „Russland und Syrien haben den Zugang zu Duma noch nicht erlaubt. Uneingeschränkter Zugang unerlässlich“, heißt es in der Kurznachricht:

Der OPCW-Chef hatte die Diplomaten der 41 Staaten im Exekutivrat über den Fortgang des Einsatzes informiert. Syrische Behörden hätte den Experten angeboten, in der Zwischenzeit 22 Zeugen zu befragen, die nach Damaskus gebracht werden könnten, erklärte Üzümcü. Er hoffe, dass das Team „so schnell wie möglich“ nach Duma reisen könnte.

Russland wies die Vorwürfe Großbritanniens scharf zurück. Sein Land werde alles tun, um die Untersuchung der OPCW zu unterstützen, sagte der russische Botschafter bei der OPCW, Alexander Schulgin, vor dem Exekutivrat der Organisation. Der Einsatz von Chemiewaffen sei aber eine Inszenierung des Westens, um den Militärschlag gegen Syrien vom vergangenen Wochenende zu rechtfertigen, sagte der Diplomat.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen