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Vergewaltigungsvorwürfe : Russland in Verdacht: Kampagne gegen Bundeswehr in Litauen

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Deutsche Soldaten sind offenbar gezielt Opfer von Fake News geworden. Ein Nato-Diplomat sieht russische Provokation.

Berlin | Bundeswehr-Soldaten sind in Litauen Ziel einer Fake-News-Kampagne geworden. Dies bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Zu Details oder möglichen Urhebern wollte er sich nicht äußern. Zunächst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins streuten Unbekannte vor einigen Tagen über Emails an Politiker und Medien Gerüchte, dass deutsche Soldaten bei ihrem Einsatz in dem baltischen Land eine Minderjährige in der Stadt Jonava vergewaltigt hätten.

Die litauische Regierung stellte klar, dass es einen solchen Vorfall nicht gab. Ein Nato-Diplomat sprach laut „Spiegel“-Bericht von einer erneuten Provokation der Russen, die gegen die temporäre Truppenstationierung an der Ostgrenze des Militärbündnisses protestieren. Die Polizei in Litauen leitete nach dpa-Informationen eine Untersuchung wegen bewusst falscher Angaben ein.

Die Bundeswehr führt in Litauen ein Nato-Bataillon zur Abschreckung Russlands an. Insgesamt sollen 1000 Soldaten dort stationiert werden, 450 von der Bundeswehr. Anfang Februar war das erste deutsche Truppenkontingent verlegt worden. Der Grund dahinter: Litauen und andere östliche Nato-Mitglieder sind wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine besorgt um ihre Sicherheit.

Was sind Fake News?

Fake News werden oft als Falschmeldung übersetzt, sind aber in der Regel mehr als das. Sie sind wissentlich gefälschte oder erfundene Nachrichten, mit denen die Öffentlichkeit für politische oder kommerzielle Zwecke manipuliert werden soll.

„Fake News“ wird im Englischen den Angaben zufolge etwa seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verwendet: Damals seien bewusste Falschmeldungen in Zeitungen ab und an so bezeichnet worden. Mit zunehmender Relevanz der sozialen Medien wurde die Wendung zunehmend für Phänomene wie erfundene Promi-Tode genutzt. Dahinter steckte die Absicht, Menschen auf bestimmte Internetseiten zu locken oder sie in die Irre zu führen, so die Jury. Im Deutschen nannte man dies zunächst „Hoax“.

Breit durchgesetzt habe sich der Ausdruck „Fake News“ seit November 2016 und Donald Trumps Erfolg bei den US-Präsidentschaftswahlen. Angeblich sollen ihm gefälschte Nachrichten zum Wahlsieg verholfen haben.

 

Der Fake-News-Fall erinnert an die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen aus Berlin Anfang 2016. Die Gerüchte verbreiteten sich rasant im Netz - russische Medien kochten den Fall zudem hoch. Der Vorwurf stellte sich später als erfunden heraus. Doch empörte Russlanddeutsche gingen auf die Straße, der russische Außenminister Sergej Lawrow warf deutschen Behörden Versäumnisse vor.

Es sei gerade in diesen Zeiten sehr wichtig, Fakten zu checken, kommentierte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel am Rande eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister die Falschmeldung aus Litauen. Es habe bereits mehrere Versuche der Desinformation gegen die Nato gegeben. „Was die Nato tun kann, ist stets wachsam zu sein“, sagte er.

Stoltenberg betonte die Bedeutung unabhängiger Medien in diesem Zusammenhang, die Fakten checken und kritisch berichten. „Wir werden auf Propaganda nie mit Propaganda antworten, wir werden auf Propaganda mit Fakten antworten, weil wir der festen Überzeugung sind, dass die Wahrheit langfristig über Propaganda siegen wird.“

Nicht nur die Bundeswehr wurde in den letzten Monaten zum Ziel von Fake-News.

Fälle von Fake News in Deutschland

Nicht nur in den USA sorgen Fake News immer wieder für Wirbel. Vor einem Jahr lösten Gerüchte über die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen durch Flüchtlinge Demonstrationen aus. Auch in den vergangenen Monaten verunsicherten gefälschte Nachrichten die Öffentlichkeit. Vier Beispiele:

- Die zigfache Verbreitung wahrheitswidriger Behauptungen auf Facebook über den syrischen Flüchtling Anas Modamani bringt den US-Konzern jetzt vor Gericht: Von Nutzern war behauptet worden, der Syrer sei einer der Männer, die im Dezember einen Obdachlosen anzünden wollten. Der Beitrag sei mehr als 500 Mal geteilt worden, verstoße aber laut Facebook nicht gegen die „Community-Standards“, kritisierte der Anwalt des Flüchtlings. Bereits im Sommer wurde der Syrer außerdem beschuldigt, an den Brüssel-Attentaten beteiligt gewesen zu sein. Beide Behauptungen seien völlig haltlos. Facebook muss sich am 6. Februar vor dem Landgericht Würzburg wegen der Verbreitung von Fake-News verantworten.

- Betrüger nutzten den Mord an einer Freiburger Studentin und die Festnahme eines verdächtigen Flüchtlings, um die Grünen-Politikerin Renate Künast Anfang Dezember mit einem erfundenen Zitat auf Facebook zu diskreditieren. Nach Medienberichten stellte Künast Strafanzeige. Zudem kritisierte sie das Online-Netzwerk: Trotz eindeutiger Sachlage habe es gut drei Tage gedauert, bis der Eintrag verschwunden sei.

- Der Bericht der US-Nachrichtenseite „Breitbart“ zum Jahreswechsel mit der Überschrift „1000-Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand“ erzeugt den Eindruck, als wären Ausländer mit Feuerwerkskörpern gegen andere Besucher und Polizisten vorgegangen und hätten das Dach der Reinoldikirche in Brand gesetzt. Die Polizeibehörde stellt Anfang Januar klar: „Herausragende oder spektakuläre Silvestersachverhalte wurden bis zum heutigen Tage nicht gemeldet.“ Die Webseite steht dem designierten US-Präsidenten Donald Trump nahe.

- In einem Facebook-Eintrag schreibt eine 55-jährige Frau aus dem niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn im Januar empört, eine 17-Jährige sei in Mühldorf am Inn von einem Asylbewerber vergewaltigt worden und habe notoperiert werden müssen. Die Rosenheimer Polizei prangert die Fälschung auf Facebook und bei Twitter daraufhin mit deutlichen Worten an. Gegen die Frau wird nun wegen Vortäuschens einer Straftat und wegen Volksverhetzung ermittelt.

 

 
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erstellt am 17.Feb.2017 | 11:27 Uhr

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