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Was Sie jetzt wissen müssen : Russische Militärflugzeuge über Nord- und Ostsee

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Aus der Onlineredaktion

Am Dienstag und Mittwoch beunruhigten die Nato russische Militärmaschinen über dem europäischen Luftraum. Was sie wissen müssen und welche Maschinen registriert wurden, hat shz.de zusammengestellt.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 13:04 Uhr

Wo sind russische Militärflugzeuge gesichtet worden?

Russlands Luftstreitkräfte haben in den vergangenen Tagen außergewöhnlich umfangreiche Manöver im europäischen Luftraum über der Nord- und Ostsee geflogen. Am Dienstag und Mittwoch seien vier Verbände mit insgesamt 26 russischen Kampfflugzeugen abgefangen worden, teilte die Nato in Brüssel mit. Darunter waren mehrere Langstreckenbomber und andere Militärflugzeuge.

Welche Maschinen wurden über der Ostsee entdeckt?

Am Dienstagnachmittag wurden sieben russische Kampfflugzeuge in internationalem Luftraum über der Ostsee entdeckt und verfolgt. Sie wurden von deutschen Eurofightern abgefangen und identifiziert. Die russischen Flugzeuge flogen in Richtung Kaliningrad.

Am Mittwochnachmittag wurden über der Ostsee erneut mehrere Kampfflugzeuge Russlands abgefangen. Darunter zwei Mig-31 Foxhound, zwei Suchoi 34 Fullback, eine Suchoi 27 Flanker und zwei Suchoi 24 Fencer. Portugiesische F16 fingen die Maschinen ab. Vermutlich handelt es sich um den gleichen Verband, der bereits am Dienstag über das Baltikum flog.

Welche Maschinen wurden über der Nordsee entdeckt?

Am Mittwochnachmittag waren den Nato-Angaben zufolge acht russische Flugzeuge im Formationsflug über der Nordsee registriert worden. Darunter vier Bomber vom Typ Tupolew 95 Bear H und vier Tankflugzeuge vom Typ Iljushin-78. Norwegische Kampfjets identifizierten die Flugzeuge, die in internationalem Luftraum an der norwegischen Küste entlang flogen. Sechs kehrten nach Russland um, zwei Bomber flogen weiter über die Nordsee nach Großbritannien und bis in den Atlantik nach Portugal. Sie wurden von Luftstreitkräften Großbritanniens und Portugals abgefangen.

Wurden weitere Flugzeuge gesichtet?

Ja. Vier Flugzeuge wurden auch über dem schwarzen Meer identifiziert. Darunter zwei Bomber des Typs Tupolew 95 Bear-H und 2 Suchoi 27 Flanker. Sie wurden von türkischen Streitkräften abgefangen.

Was sind das für Flugzeuge gewesen?

Piloten der Luftwaffe entdeckten über der baltischen See zwei MiG-31 Foxhound, zwei Suchoi 34 Fullback, eine Suchoi 27 Flanker und zwei Suchoi 24 Fencer. Es handelte sich dabei um eine der größten russischen Kampfformationen, die Nato-Verbände in den vergangenen Jahren ausgemacht haben. In der Nordsee wurden Tupolew 95 Bomber und Iljuschin 78 Tankflugzeuge gesichtet.

Die Suchoi 24 ist ein leistungsfähiges Kampfflugzeug, das mit guter Reichweite, variabler Bewaffnung und fortgeschrittenen elektronischen Abwehr- und Frühwarnsystemen ausgesattet ist. Sie ist ein tieffliegendes und allwettertaugliches Bodenangriffsflugzeug. Heute stehen den russischen Streitkräften trotz des Alters der Maschine (Indienststellung 1974) noch 326 Maschinen zur Verfügung. Man ist trotz eines Modernisierungsprogramms noch nicht im Stande, alle Su-24 durch die moderne Suchoi 34 zu ersetzen.

Die Suchoi ist alt, aber noch im Einsatz.
Die Suchoi ist alt, aber noch im Einsatz. Foto:Imago/Itar Tass

 

Die Suchoi 27 ist ein Luftüberlegenheitsjäger, also eine Jagdmaschine, die für den Kampf gegen andere fliegende Einheiten entwickelt wurde. Sie ist die wichtigste Jagdmaschine in den russischen Streitkräften. Sie ist ähnlich schnell wie der Eurofighter und hat einen Einsatzradius von 1340 Kilometern. Sie kann bis zu 6000 Kilogramm Waffen tragen.

Eine Maschine vom Typ Suchoi 27. Hier ein Modell der ukrainischen Luftwaffe.
Eine Maschine vom Typ Suchoi 27. Hier ein Modell der ukrainischen Luftwaffe. Foto:Imago/Star Media

 

Die Suchoi 34 ist ein Jagdbomber, der seit 2007 an die russischen Streitkräfte ausgeliefert wird. Er kann 8200 Kilogramm Waffen tragen und hat einen Einsatzradius von maximal 1355 Kilometern. Er dient der Bekämpfung von Boden-, See- und Luftzielen.

Die Suchoi Su-34 auf einem russischen Militärflughafen.
Die Suchoi Su-34 auf einem russischen Militärflughafen. Foto:Imago/Itar-Tass

 

Die Mig 31 Foxhound ist ein Hochgeschwindigkeitsjagdflugzeug. Der Abfangjäger dient der Verfolgung, Abdrängung und Vernichtung unbekannter oder feindlicher Luftfahrzeuge. Bei Höchstgeschwindigkeit ist der Einsatzradius mit 720 Kilometern recht gering. Die maximale Flughöhe beträgt 24.400 Kilometer. Die MiG-31 sollte Ziele auf große Distanz bekämpfen. Dafür ist sie mit radargelenkten Langstreckenraketen bestückt.

Eine Mig-31 hebt vom Stützpunkt in Yelizovo ab.
Eine Mig-31 hebt vom Stützpunkt in Yelizovo ab. Foto:Imago/Itar Tass

 

Die Tupolew 95 Bear ist ein Langstreckenbomber, der 1956 in Dienst gestellt wurde. Seit 2005 gibt es eine modernisierte Version, die allerdings noch immer mit Turboprop-Motoren, also Propellern, ausgestattet ist. Sie gilt als schnellstes Propellerflugzeug der Welt (Guiness-Buch). Sie schafft eine Geschwindigkeit von 930 Kilometern pro Stunde. Die Maschine gilt als extrem langlebig und zuverlässig. Die Reichweite liegt je nach Version bei über 10.000 Kilometern bis hin zu 15.000 Kilometern. Sie kann nukleare Sprengköpfe tragen.

Eine Tupolew 95 auf dem Rollfeld.
Eine Tupolew 95 auf dem Rollfeld. Foto:Imago/Itar Tass

Die Iljuschin 78 ist ein Tankflugzeug, das mit zwei 18.000-Liter-Tanks in der Lage ist, über drei Stationen Luftbetankungen durchzuführen. Die Flügelstationen können dabei etwa 2340 Liter pro Minute, die Heckstation 4000 Liter pro Minute, übergeben.

Die Iljuschin Il-78 gibt es auch als ziviles Flugzeug. Hier ist die militärische Version zu sehen.
Die Iljuschin Il-78 gibt es auch als ziviles Flugzeug. Hier ist die militärische Version zu sehen. Foto:Imago/Itar Tass

 

Warum wurden die Flugzeuge von der Nato abgefangen?

Es handelt sich um ein Standardverfahren, sobald sich nicht identifizierte Flugzeuge dem Luftraum nähern. Als Reaktion sind daher von vier Orten Nato-Flugzeuge aufgestiegen, um die russischen Kampfverbände abzufangen. Darunter deutsche Eurofighter sowie britische und türkische Kampfjets. An den Einsätzen waren auch Kampfjets aus Norwegen und Portugal beteiligt. Die Flugzeuge wurden während der gesamten Dauer ihrer Flüge von Kampfjets der Nato-Staaten begleitet. Zusätzlich wurden die Militärflugzeuge von der Luftraumüberwachung verfolgt.

Was machte die Flugzeuge verdächtig?

Die Nato kritisiert, die russischen Streitkräfte hätten bei den Manövern teilweise weder Flugpläne übermittelt noch Funkkontakt mit der zivilen Flugsicherung gehalten. Zum Teil hätten die russischen Flugzeuge ihre Transponder abgeschaltet. Diese übermitteln als automatischer Signalgeber den Fluglotsen wichtige Angaben zu einem Flugzeug, wie etwa die Kennung oder den Typ. Dieses Verhalten stelle ein potenzielles Risiko für die zivile Luftfahrt dar, sagt die Nato. Die Militärflugzeuge seien nicht unbedingt auf ihren Radargeräten sichtbar seien.

Die Deutsche Flugsicherung betonte jedoch, diese Flüge seien „völlig legal“ gewesen. Die Bomber und Kampfjets hätten sich in internationalem Luftraum bewegt, sagte DFS-Sprecher Axel Raab in einem Interview mit dpa-audio. Die Russen seien auch nicht verpflichtet, ihre Transponder einzuschalten oder einen Flugplan mitzuteilen. Deswegen begleiteten in solchen Fällen oft Nato-Flugzeuge mit eingeschaltetem Transponder die Russen. Die Nato-Jets seien für die zivile Flugsicherung gut sichtbar, die Lotsen könnten zivilen Maschinen dann notfalls Ausweichrouten angeben.

Wie schnell reagieren die Jets auf „Eindringlinge“?

Die Piloten der „Alarmrotte“ müssen grundsätzlich innerhalb von 15 Minuten mit ihren Jets in der Luft sein, sagt die Bundeswehr. Dringt ein fremdes Flugzeug in den Nato-Luftraum ein, wird es von der Alarmrotte identifiziert und notfalls zur Landung gezwungen.

Welche Nato-Flugzeuge waren an den Abfangmanövern beteiligt?

Die F-16 ist ein Mehrzweckkampfflugzeug mit einer Länge von 14,52 Metern und einer Spannweite von 9,45 Metern. Es braucht 533 Meter Startbahn und kann bis zu 9,276 Kilogramm Waffen tragen. Die F-16 gilt als kostengünstiges Arbeitstier für viele Einsatzgebiete. Sie ist dabei klein und wendig. Mit 2.142 Kilometern pro Stunde hat sie einen Einsatzradius von 925-1650 Kilometern.

Eine F16 der niederländischen Luftwaffe.
Eine F16 der niederländischen Luftwaffe. Foto:Imago/Brunopress

 

Der Eurofighter ist ein Mehrzweckkampflugzeug mit einer Länge von 15,96 Metern und eine Flügelspannweite von 10,95 Metern. Er braucht beim Starten weniger als 700 Meter Landebahn und kann maximal 7500 Kilogramm Waffen tragen. Das Flugzeug kann maximal 19.812 Meter hoch fliegen und erreicht eine Reichweite von 1.389 Kilometern. Dabei erreicht der Eurofighter bei optimaler Höhe eine Höchstgeschwindigkeit von von Mach 2,35. Das entspricht rund 2450 Kilometer pro Stunde. Seine Stärken liegen in der Luftüberlegenheit, Luftraumüberwachung und Abfangjagd. Aber auch zur Unterdrückung und Zerstörung von Luftverteidigungsanlagen, dem Angriff zur See und als Aufklärungsflugzeug.

Der Eurofighter überwacht den Luftraum über dem Baltikum.
Der Eurofighter überwacht den Luftraum über dem Baltikum. Foto:Imago/Eibner

 

Sind diese Manöver häufiger als üblich?

Ja. Nach Nato-Angaben hat das westliche Bündnis in diesem Jahr mehr als 100 Mal russische Flugzeuge im europäischen Luftraum entdeckt, dreimal so viel wie im vergangenen Jahr. Ein Sprecher des Militärbündnisses betonte jedoch, dass der Nato-Luftraum bei den russischen Aktionen nicht verletzt worden sei.

Warum ist die Nato im Ostseeraum präsent?

Angesichts der Ukrainekrise zeigt auch die Nato seit einigen Monaten verstärkt Flagge in der Region. Damit will sie ein Zeichen der Solidarität mit ihren östlichen Mitgliedstaaten setzen, die sich angesichts der Annexion der Krim durch Russland und der Kämpfe in der Ostukraine von Russland bedroht fühlen. Sechs deutsche Jets übernehmen zurzeit die verstärkte Nato-Luftverteidigung des Baltikums, dessen Staaten keine eigenen Abfangjäger besitzen. Bereits in der vergangenen Woche war nach Nato-Angaben ein russisches Aufklärungsflugzeug bei Estland in den Luftraum des Bündnisses eingedrungen.

Kurz vor dem Beginn der neuerlichen russischen Manöver hatte der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag mitgeteilt, dass die Zahl der Nato-Jets im Luftraum der östlichen Alliierten in den vergangenen Monaten verfünffacht wurde. Ziel sei es, die durch Russlands Verhalten in der Ukraine-Krise besorgten Nato-Partner wie die Balten und Polen zu beruhigen.

Wie viele Soldaten aus Deutschland sind an der Luftraumüberwachung beteiligt?

Bis Ende dieses Jahres sind rund 160 Soldaten der Bundeswehr auf dem NATO-Flugplatz Ämari in Estland stationiert. Deutschland beteiligt sich mit bis zu sechs Eurofightern gemeinsam mit den Partnern Portugal, Kanada und den Niederlanden am verstärkten „Air Policing Baltikum“. Vier der Eurofighter sind in Ämari stationiert, zwei weitere werden in einer 96-Stundenbereitschaft in Deutschland vorgehalten. Piloten, Techniker, aber auch Militärpolizisten und Sanitäter sind in Ämari im Einsatz.

Wieso verstärkt die Nato auch die Präsenz im Schwarzen Meer?

Die Allianz hat weitere Nato-Schiffe ins Schwarze Meer geschickt. Auch dort flogen russische Militärflugzeuge jetzt Übungen. Der Westen und die Nato werfen Russland vor, die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim völkerrechtswidrig annektiert zu haben und die prorussischen Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen.

Wie äußert sich Russland zu den Manövern?

Bislang gar nicht. Russische Medien hatten berichtet, die Regierung habe die Manöver verteidigt und von lange geplanten Übungen gesprochen. Dabei wurde nach Angaben des ARD-Studios in Moskau jedoch eine alte Stellungnahme des Verteidigungsministeriums zitiert. Diese Meldung sei aber inzwischen zurückgezogen worden. Die Flüge hingen damit zusammen, dass die NATO in den baltischen Staaten ihre Präsenz verstärken wolle, sagte der russische Militärexperte Alexander Golz gegenüber der ARD.

 
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