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Krawalle am Rande des G20-Gipfels : Russen, Neonazis und Zivilfahnder: Wer randalierte in Hamburg?

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Netz spekuliert über Provokateure im Schwarzen Block und selbst das russische Außenministerium meldet sich zu Wort.

Hamburg | Die Ausschreitungen zum G20-Gipfel in Hamburg haben für mindestens 51 Krawallmacher ein juristisches Nachspiel: Für sie beantragte die Hamburger Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft. Schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung – das sind die Vorwürfe, die den Festgenommenen zu Last gelegt werden. Über die Hälfte der Beschuldigten stammt aus Deutschland (28), ein Großteil aus Europa. Doch auch zwei russische Staatsbürger wurden vor den Amtsrichter geführt. Das teilte Oberstaatsanwältin Nana Frombach auf Nachfrage von shz.de am Donnerstag mit.

Eingeschlagene Scheiben und ausgebrannte Autos: Die schweren Ausschreitungen während des G20-Gipfels in Hamburg werden überwiegend autonomen, linksextremistischen Strukturen zugeschrieben. Dabei wurden 476 Polizisten verletzt, Supermärkte geplündert und ganze Straßenzüge verwüstet.

Neben den 28 Deutschen handelt es sich bei den Inhaftierten um „sechs Italiener, drei Franzosen, zwei Niederländer, zwei Russen und jeweils ein Beschuldigten aus der Schweiz, Österreich, Spanien, Rumänien, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn, Griechenland, Venezuela und dem Senegal“, so Frombach. Während vor allem in den europäischen Ländern die anarchistische Szene groß ist, ist diese in Russland bislang kaum in Erscheinung getreten.

Die Nationalitäten der Festgenommenen im Überblick:

 

Bei den festgenommenen russischen Staatsbürgern handele es sich um einen 20-Jährigen und einen 30-Jährigen aus Moskau. „Dem 20-Jährigen wird versuchte gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen, dem 30-Jährigen wird gefährliche Körperverletzung und tätlicher Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Beide Beschuldigte sollen insbesondere Glasflaschen auf Polizeibeamte geworfen haben“, sagte Frombach. Angaben über die persönlichen Hintergründe der Männer könne sie noch nicht machen. Die Ermittlungen laufen. Ihnen drohen nun Haftstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Über die Beweggründe der beiden Festgenommenen wird im Netz bereits wild spekuliert. Am weitesten geht die Theorie, dass sie als Provokateure im Auftrag des Moskauer Kremls geschickt wurden, um der Demokratie zu schaden. Die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, griff diese Vermutung am Mittwoch in einem Facebookpost auf und schrieb: „Jetzt sagen sie uns, dass zwei Russen Hamburg auf den Kopf gestellt haben. Dann werden sie ergänzen, dass sie das im Auftrag des Kremls gemacht haben. Hiermit eröffne ich die Nachrichten- Prophezeiungsagentur 'Kristallkugel'.“

 

Die beiden festgenommenen russischen Staatsbürger könnten auch schlicht zufällig in Hamburg gewesen und die Gelegenheit für Randale erkannt haben. Das muss nun die Staatsanwaltschaft ermitteln. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) jedenfalls hatte zuvor den politischen Gewalttätern jeglichen politischen Bezug abgesprochen und gesagt: „Das waren keine Demonstranten. Das waren kriminelle Chaoten.“ Es handele sich nicht um Aktivisten und G20-Gegner. „Sie sind verachtenswerte gewalttätige Extremisten, genauso wie Neonazis das sind und islamistische Terroristen.“

Auch unter den 13 mutmaßlichen Gewalttätern, die von einer Spezialeinheit der Polizei am späten Abend des 7. Juli am Schulterblatt gefasst wurden, war eine Person mit russischem Pass. Sie wurden nach Angaben der Polizei unmittelbar nach Filmaufnahmen mit einer Wärmekamera aus einem Hubschrauber in Gewahrsam genommen, die Angriffe auf die Polizisten mit Gegenständen und einem Molotow-Cocktail zeigen. Eine Verlängerung der Ingewahrsamnahme scheiterte in fünf Fällen daran, dass die Polizei die 13 Anträge hierfür so kurzfristig einreichte, dass die hoch belastete Nebenstelle des Amtsgerichts Hamburg nicht mehr rechtzeitig vor Ablauf der Frist eine Entscheidung darüber habe treffen können.

 

Doch auch andere Gruppierungen sollen die linken Anti-G20-Proteste in Hamburg unterwandert haben. Vor allem hinter den Angriffen auf linke Szeneläden in St. Pauli werden Akteure aus dem rechtsextremen Spektrum vermutet. So hatten im Vorfeld des Gipfels etwa die Jungen Nationaldemokraten – die Jugendorganisation der NPD – und die rechte Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ zu Protesten in Hamburg mobilisiert. Ein Reporter der Hamburger Morgenpost berichtete von rechten Parolen aus den Reihen der Randalierer. Auch Zivilfahnder sollen sich in das Gemenge gemischt haben. Medienberichten zufolge soll einer der Zivilpolizisten in einer unübersichtlichen Situation zur Waffe gegriffen und scharf geschossen haben. Augenzeugenbericht, dass Rechtsextremisten oder Zivilfahnder die Krawalle provoziert oder angeheizt hätten, bleiben unbestätigt.

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erstellt am 13.Jul.2017 | 15:38 Uhr

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