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US-Präsident in der Kritik : Ruppiger Umgang mit Veteranen-Witwe? Trumps bizarrer Streit um ein Telefonat

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Donald Trump verletzt bei einem Kondolenz-Anruf die Gefühle der Witwe eines gefallenen Soldaten. Statt sich zu entschuldigen, greift er die Zeugen des Gesprächs an.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 18:16 Uhr

Washington | Mindestens der Ausgangspunkt des jüngsten Dramas der Trump-Präsidentschaft bleibt unbestritten. Demnach kam der „Green Beret“ Elitesoldat La David T. Johnson (25) zusammen mit drei anderen US-Soldaten Anfang Oktober bei einem Einsatz im afrikanischen Niger ums Leben. Der Feldwebel hinterlässt zwei Kinder und seine Ehefrau Myeshia, die mit dem dritten Kind schwanger ist. 

Ansonsten gibt es, je nachdem, wen man fragt, nur Lügner. „Alles frei erfunden“, griff der Präsident die Zeugen eines Kondolenz-Anrufs bei der Witwe vom Dienstag an. Darin soll Trump der weinenden Ehefrau über den Gefallenen sinngemäß gesagt haben: „Er wusste, worauf er sich einlässt. Aber ich vermute, es tut trotzdem weh.“

So berichtete es die demokratische Kongressabgeordnete aus Miami, Frederica Wilson, den amerikanischen Medien. Sie saß zufälliger Weise mit der Witwe im Auto, als der Anruf aus dem Weißen Haus kam und verfolgte das Gespräch über den Telefonlautsprecher.   

„Ich habe Beweise“, bezichtigte Trump die schwarze Abgeordnete, nicht die Wahrheit zu sagen. Er habe ein sehr angenehmes Gespräch in Erinnerung. „Sie schien eine sehr nette Frau zu sein.“ Weil er das Unterstellte nie gesagt habe, glaube er nicht, dass die Abgeordnete ihre Erklärung so noch einmal abgeben werde. „Sie werden es sehen.“ Den Beweis blieb der Präsident allerdings schuldig. Das Weiße Haus teilte mit, es gebe von privaten Gesprächen keine Mitschnitte.

Kurz darauf bestätigte die Mutter des Getöteten die Version ihrer Schwiegertochter und der Abgeordneten. Nicht die hätten gelogen, sondern Trump, gab Cowanda Jones-Johnson zu verstehen, die ebenfalls mit im Auto saß. Wilson legte ihrerseits nach. „Er hat sich nicht einmal an seinen Namen erinnert“, habe sich die Witwe nach dem Kondolenz-Anruf beschwert. „Das ist ein kranker Mann“, greift die Demokratin den Präsidenten an. „Er ist kaltherzig und empfindet für niemanden.“

Einen ganz anderen Eindruck hatte Chris Baldridge aus Zebulon im US-Bundesstaat North Carolina. Als Trump ihm sein Beileid zum Tod seines Sohnes Dillon (22) aussprach, der im Juni in Afghanistan ums Leben kam, habe sich der Präsident ausgesprochen großzügig gezeigt, als er von den finanziellen Schwierigkeiten der Angehörigen hörte.

Trump versprach dem Vater einen Scheck über 25.000 Dollar aus seiner Privatkasse zu schicken. „Kein anderer Präsident hat so etwas jemals getan“, versichert er Baldrige. Das Problem: Der Scheck kam nie an. Erst als die „Washington Post“ und andere Medien über das gebrochene Versprechen berichteten, teilte das Weiße Haus mit, der Scheck sei unterwegs.

Als falsch stellte sich bei einer Recherche der Post auch heraus, dass sich Trump bei den Angehörigen der zwanzig Gefallenen seiner Amtszeit gemeldet habe. Das Blatt konnte nur sieben Anrufe betätigen.  

Euvince Brooks gehört zu denen, die keinen Anruf erhielten. „Er ist ein verdammter Lügner“, regt sich der Vater von Feldwebel Roshain E. Brooks (30) auf, der im August in Irak ums Leben kam. 

Damit reiht er sich ein in die Kette an Veteranen und deren Angehörigen, die sich von dem nicht gedienten Präsidenten schäbig behandelt fühlen. Diese reicht zurück bis in den Wahlkampf. Unvergessen bleibt die Fehde des Kandidaten mit den Eltern des gefallenen Hauptmanns der Army, Humayun Khan. Und die Angriffe auf John McCain, mit denen Trump erstmals das Tabu brach, die Opfer von Veteranen nicht zu politisieren. „Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen wurde“, redete der Kandidat die Verdienste McCains herunter, der fünf Jahre ein Gefangener der Vietcong war. „Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay.“

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