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Romeo, Julia und – Kevin-Prince Boateng

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wird jemand Trittbrettfahrer genannt, ist das meistens keine besonders wohlwollende Bezeichnung. Doch diesmal ist alles ganz anders; denn wahrscheinlich ist es wirklich nur ein Zufall, dass das zweite „Outing“ irgendetwas mit dem ersten zu tun hat. Kaum hat sich die Aufregung über das Bekenntnis des Fußballers Hitzlsperger gelegt, da kommt ein Kollege mit einer neuen Enthüllung auf den PR-Markt. Und wenn in diesem Fall die Überraschung besonders groß ist, dann deshalb, weil man dem Schalker Profi Kevin-Prince Boateng vieles zugetraut hätte, aber nicht, dass er Shakespeare im Original liest. Wie er verrät, hat er die Winterpause genutzt, um „Romeo und Julia“ zu studieren. Das sei keine leichte Kost gewesen, räumt er ein, bestehe das Stück doch aus vielen Worten, die er noch nie gehört und folglich auch nicht verstanden habe. Darüber muss sich der Deutsch-Ghanaer wirklich nicht grämen, denn in dem Liebesdrama auf dem Spielfeld von Verona und Mantua wird ganz anders gesprochen als auf dem Rasen. Zwar tritt in der betrüblichen Geschichte von der unglücklichen Liebe auch ein Prinz auf, und der Hass der verfeindeten Familien Capulet und Montague ist ähnlich heftig wie zwischen den Fans von Bayern München und Schalke 04, von Fußball allerdings ist mit keinen Wort die Rede. Man kann dem „Prinzen“ Boateng auch nur raten, nicht in die Diktion seines Namensvetters aus dem Drama zu verfallen. Es würde nicht gut ankommen, wenn er nach verlorenem Spiel von den Kameraden fordert: „Sucht, späht, erforscht die Thäler dieser Gräuel“.

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erstellt am 20.Jan.2014 | 16:14 Uhr

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