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Sonderermittler in der Russland-Affäre : Robert Mueller: Darum muss Donald Trump vor ihm Angst haben

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Robert S. Mueller III (72) fällt als Sonderermittler die Aufgabe zu, Licht ins Dunkel der Russland-Affäre zu bringen. Das FBI atmet durch, das Weiße Haus hält die Luft an.  

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 17:02 Uhr

Washington | Mueller hat in der Ahnengalerie der amerikanischen Bundespolizei einen Ehrenplatz. Wer sich beim FBI erkundigt, warum, hört immer wieder die Geschichte, wie Mueller 2004 den damaligen Justizminister John Ashcroft am Krankenbett davon abbrachte, George W. Bushs geheimes Lauschprogramm zu verlängern.   

Der FBI-Direktor hatte als Verstärkung den stellvertretenden Justizminister mitgebracht, der ihm 2011 nach seiner Pensionierung auf dem Posten folgte: James Comey.

Wie die Ironie der Geschichte es will, fällt dem unbestechlichen New Yorker nun die Aufgabe zu, die Umstände des Rauswurfs seines Freundes durch Präsident Trump genauer unter die Lupe zu nehmen. Und nicht nur das. Mueller wird als neuer Sonderermittler die Beziehungen des gesamten Wahlkampfteams Trump zu Russland untersuchen.

Die Anekdote aus dem Krankenhaus erklärt, warum die Nervosität im Weißen Haus mit Händen zu greifen ist. Dieser Mann hat bewiesen, dass er Paroli bietet, wenn es aus seiner Sicht sein muss, und sich von niemandem einschüchtern lässt. Weder von professionellen Gangstern, Mafia- und Drogenbossen, mit deren Jagd der Vietnam-Kriegsveteran seine Karriere begann. Noch von den Terroristen der El-Kaida, die wenige Tage nach seiner Benennung zum FBI-Direktor durch Bush die USA am 11. September angriffen. Und schon gar nicht durch Politiker, die ihn für seine Unabhängigkeit schätzen gelernt haben.

„Klug, zäh und hartnäckig, aber fair“, lobt ihn Fran Townsend, die als Heimatschutz-Beraterin Bushs regelmäßig mit Mueller zu tun hatte. Präsident Barack Obama sah das nicht anders als er sich 2008 entschied, den FBI-Direktor zu übernehmen und den Kongress später darum bat, dessen Amtszeit um drei Jahre über die üblichen zehn Jahre hinaus zu verlängern. „Das war die bestmögliche Wahl“, gratuliert der Vorgänger an der Spitze des FBI Timothy Murphy dem stellvertretenden Justizminister Rod Rosenstein zu der Einsetzung Muellers. „Er weiss, wie man ermittelt“.

Wohl wahr. In seiner Amtszeit überwachte Mueller unter anderen den Prozess gegen den Mafiosi John J. Gotti als auch die Ermittlungen des libyschen Terroranschlags auf einen Pan Am Flug über dem schottischen Lockerbie. 

Der auf seine Privatheit bedachte Pensionär setzte sich nach seinem Ausscheiden 2013 nie ganz zur Ruhe. Zuletzt machte er sich als Schlichter im VW-Abgasskandal verdient. 

Die vielleicht wichtigste Aufgabe seiner Karriere hat er sich für den Schluss aufgehoben. Präsident Trump und seine Gefolgsleute haben jeden Grund, den Röntgenblick des neuen Sonderermittlers zu fürchten. Muellers Berufung garantiert, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird.

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