Risiken und Nebenwirkungen

Die Sanktionen gegen Russland könnten deutschen Aufschwung abwürgen

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30. Juli 2014, 11:57 Uhr

Bisher wirken die Sanktionen von EU und USA als würden sie den russischen Bären nur ab und zu mit einer Eichel bewerfen. Die nächste Eskalationsstufe trifft aber direkt in den Blutkreislauf – mit zum Teil hohen Risiken und Nebenwirkungen für die hiesige Wirtschaft. In Staatshand befindliche russische Banken erhalten künftig keine Darlehen mit Laufzeiten über 90 Tagen mehr. Da die betroffenen Häuser fast die Hälfte ihres Kreditbedarfs in der EU decken, wird diese Maßnahme das Kreditgeschäft gehörig ins Stocken bringen. Das heißt: Russische Unternehmen werden schwerer oder zu schlechteren Konditionen an Kredite kommen. Die Investitionen werden sinken, das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum wird sich weiter abschwächen. Russland könnte an den Rand einer Rezession gedrückt werden.

Die härteste Reaktion darauf wäre, wenn Russlands Banken ihre Schulden einfach nicht zurückzahlen würden. Immerhin belaufen sich allein die in den kommenden neun Monaten fällig werdenden Außenstände im Ausland auf 29 Milliarden Euro. Das würde einige europäische Geldhäuser hart treffen.

Die deutsche Wirtschaft wird darunter leiden, wenn russische Unternehmen ihre Investitionen zurück fahren. Der deutsche Maschinenbau rechnet mit einem Rückgang der Exporte nach Russland um mindestens zehn Prozent in diesem Jahr. Das trifft nicht nur große Konzerne, die unter Umständen die auftretenden Verluste an anderen Märkten kompensieren können, sondern vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Wie stark die Einschnitte werden, hängt letztendlich davon ab, wie lange die Sanktionen aufrecht erhalten werden. Eine Sanktionsspirale könnte den Aufschwung auf beiden Seiten abwürgen.

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