Besuch des Aussenministers : Rex Tillerson will Einfluss der USA in Lateinamerika sichern

US-Außenminister Tillerson steigt auf dem Benito Juarez Flughafen aus einem Flugzeug. Auf seiner knapp einwöchigen Reise wird Tillerson auch Argentinien, Peru und Kolumbien besuchen.
US-Außenminister Tillerson steigt auf dem Benito Juarez Flughafen aus einem Flugzeug. Auf seiner knapp einwöchigen Reise wird Tillerson auch Argentinien, Peru und Kolumbien besuchen.

In Mexiko steht mehr als die Zukunft von Nafta auf dem Spiel - Trumps Politik könnte den Links-Populisten Obrador an die Regierung bringen.

shz.de von
02. Februar 2018, 16:38 Uhr

Mexiko-Stadt | Der mexikanische Außenminister Luis Videgaray rühmt sich damit, „die goldenen Schlüssel zum Weißen Haus“ zu haben. „Nicht viele Länder können das behaupten“, zitiert die „Washington Post“ einen hohen Regierungsmitarbeiter in Mexiko über die guten Arbeitsbeziehungen vor allem zu Jared Kushner. Dies habe sich trotz Donald Trumps wenig freundlicher Rhetorik gegenüber dem Nachbarland, an dessen Grenze er eine „schöne, große Mauer“ setzen will, nicht geändert.

Zwölf Mal reiste Videgaray in den zurückliegenden Monaten nach Washington. Zeit für sein Gegenüber, das zweite Mal während seiner Amtszeit das Nachbarland zu besuchen.

Nüchtern betrachtet steht für beide Länder viel auf dem Spiel. Mit 80 Prozent seiner Exporte sind die USA der wichtigste Abnehmer mexikanischer Erzeugnisse, während der Nachbar im Süden umgekehrt der drittwichtigste Handelspartner Washingtons ist. Darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen, der Drogenbekämpfung und Einwanderung.

Die Regierung des mexikanischen Präsidenten Pena Nieto übersieht alle öffentlichen Demütigungen Trumps, um das bilaterale Verhältnis, allen voran das Nafta-Handelsabkommen keinen Schaden nehmen zu lassen. Nieto schreibt es sich und seinem kanadischen Gegenüber Justin Trudeau zu, den Protektionisten im Weißen Haus vergangenen April davon abgebracht zu haben, Nafta einseitig zu kündigen.

Was ihnen bisher nicht glückte, und auch für die tri-lateralen Nafta-Gesprächen an diesem Freitag in Mexiko-City nicht erwartet wurde, ist ein Durchbruch bei dem, was Tillerson „eine Modernisierung des Abkommens“ nennt. Im Gegenteil sehen Experten die Gespräche kurz vor dem Scheitern.

Die diplomatische Ergebenheit der Regierung Nieto könnte bei den mexikanischen Präsidentschaftswahlen im Juli als Bumerang zurückkommen. Angesichts des verbreiteten Ärgers in der Bevölkerung über Trump droht mit dem ehemaligen Bürgermeister der Metropole, Andrés Manuel López Obrador, ein feuriger Links-Populist an die Regierung zu kommen. Der Kandidat der Regierungspartei liegt zur Zeit abgeschlagen auf Platz drei.

Tillerson versteht, was das für die zweite Mission seiner Reise nach Lateinamerika bedeutet. Eine links-populistische Regierung in Mexiko machte es schwieriger, eine geschlossene Front gegen das Regime in Venezuela aufzubauen, das sich angesichts eines wirtschaftlichen Kollaps und Hunger in Teilen des Landes nur noch mit Bajonetten an der Macht hält.

Mit Blick auf die historischen Empfindlichkeiten in der westlichen Hemisphäre dürfte sich auch Tillersons öffentliches Spekulieren über einen möglichen Militärputsch in Venezuela als nicht besonders hilfreich erweisen.

Bei einer Rede an der Universität von Austin in Texas zum Auftakt seiner Lateinamerika-Reise, schlug der US-Außenminister halbernst vor, Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro könnte Asyl in Kuba suchen. „Wenn es ihm in der Küche zu heiß wird, bin ich mir sicher, dass ihm seine Freunde drüben in Kuba eine kleine Strandvilla geben können.“   

In Kolumbien, Argentinien und Jamaica, den weiteren Stationen seiner Reise, braucht Tillerson beim Thema Venezuela keine große Überzeugungsarbeit zu leisten. Hier geht es mehr darum, zu versichern, dass die Region auch unter Trumps „Amerika Zuerst“-Agenda wichtig bliebe.

Das Problem für die USA: Schon unter Barack Obama fiel Lateinamerika vom Radar der Supermacht. In das entstehende Vakuum stießen die Chinesen, und jüngst auch die Russen hinein. Tillerson Rat an die Region, kann somit auch als Appell an den eigenen Präsidenten verstanden werden: „Die wachsende Präsenz von China und Russland in Lateinamerika stellen ein ernsthaftes Risiko für die Region dar.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen