zur Navigation springen

Computersystem wird überarbeitet : Reparatur nach Cyber-Angriff: Der Bundestag ist vorerst offline

vom

Die Homepage ist noch erreichbar, doch Abgeordnete empfangen keine Mails. Wie gut kann sich das Parlament in Zukunft schützen? Fragen und Antworten.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2015 | 08:17 Uhr

Berlin | Hinter verschlossenen Türen wird aufgeräumt: Experten sollen das IT-System des Bundestags nach einem schweren Hackerangriff überarbeiten. Wie gut kann sich das Parlament wirklich schützen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum überarbeitet der Bundestag sein Computernetz?

Grund ist eine Cyberattacke vor einigen Monaten. Unbekannte Täter hatten schädliche Software eingeschleust und so Daten gestohlen. Jetzt sollen Experten das Netz besser schützen. „Wir gehen davon aus, dass das System nach der Neuaufsetzung sauberer und sicherer sein wird als vorher“, sagt Bundestagssprecher Ernst Hebeker. Die Rechner sollen am Donnerstagabend runtergefahren werden. Voraussichtlich im Laufe des Montags soll das Computersystem wieder zur Verfügung stehen.

Was merkt man von den Arbeiten?

Als Bürger bekommt man wohl eher wenig mit, die Seite www.bundestag.de bleibt erreichbar. Wer seinem Abgeordneten aber an dessen Bundestags-E-Mail-Adresse schreiben will, hat Pech. Die Abgeordneten können darauf vorerst nicht zugreifen, zum Beispiel auch nicht auf das Intranet des Parlaments. „Man ist sehr stark in der Arbeit eingeschränkt“, sagt der Mitarbeiter eines Abgeordneten. Offiziell ist der Bundestag in der Sommerpause. Sprecher Hebeker rechnet deswegen auch nicht mit besonders großen Problemen.

Wie gravierend war der Angriff?

Aus Sicht der Computerexpertin Constanze Kurz sehr gravierend. „Man muss davon ausgehen, dass der Bundestag für Monate ein offenes Buch für die Angreifer war“, sagt die Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC).

Trojaner nisten sich hinter dem Rücken der Nutzer auf dem Computer ein und leiten Informationen aus dem System. Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, kritisiert, bis heute sei unklar, welche Daten abgeflossen seien.

Was wird nun verbessert - und was nutzt das?

Der Bundestag macht aus den Details der Arbeiten ein großes Geheimnis. Zuschauen? Unmöglich. Zu groß ist die Sorge vor neuen Sicherheitsrisiken. Nach Informationen aus Bundestagskreisen soll aber nicht nur die Software neu aufgesetzt werden, es sollen auch zentrale Server ausgetauscht werden. 100-prozentige Sicherheit, dass Hacker nicht noch einmal in das System vordringen, gibt es aber nie.

Warum gelten Hackerangriffe auf den Bundestag als so gefährlich?

In der Politik geht es um äußerst sensible Daten. Einige Abgeordnete werden in Geheimnisse von Nachrichtendiensten und Militär eingewiesen. Auch sonst wollen Abgeordnete vertraulich kommunizieren.

Nach Angaben Hebekers konnten die Experten zuletzt nicht mehr feststellen, dass noch Daten abfließen. Weil aber nicht ausgeschlossen werden kann, dass Teile des Trojaners noch im System schlummern, gibt es jetzt die Generalüberholung.

Wer steckt hinter dem Angriff auf den Bundestag?

Das ist völlig unklar. Spuren führten zu einer russischen Hackergruppe. Ein Experte warnte aber, dass sich Trojaner nicht immer sicher einer Quelle zuordnen lassen. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte die Sorge geäußert, dass es sich um den Angriff eines ausländischen Nachrichtendienstes handeln könnte. Das hält auch CCC-Expertin Kurz für wahrscheinlich.

Wie häufig werden staatliche Stellen angegriffen?

Sehr regelmäßig. Landtage werden etwa oft von Hackern attackiert, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur im Juni zeigte. Auch die Bundesregierung ist ein regelmäßiges Ziel. Nach früheren Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt es pro Tag 2000 bis 3000 Attacken auf das Netz der Bundesregierung. Einige Angriffe haben ein so hohes technisches Niveau, das ein nachrichtendienstlicher Hintergrund vermutet wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen