Trauermarsch in Paris : Regierungschefs marschierten in abgesperrter Straße

Wohl aus Sicherheitsgründen wurden Merkel, Hollande und Co von den Massen beim Trauerzug getrennt.
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Wohl aus Sicherheitsgründen wurden Merkel, Hollande und Co von den Massen beim Trauerzug getrennt.

Fotos zeigen, dass Merkel und Co beim Trauermarsch in Paris nicht Teil des Protestzuges waren. Das Netz macht sich unterdessen über Ex-Präsident Sarkozy lustig.

shz.de von
13. Januar 2015, 11:42 Uhr

Paris | Als am Sonntag Staats- und Regierungschefs der Opfer der Terroranschläge von Paris bei Trauermarsch gedachten, demonstrierten sie Einigkeit - Arm in Arm. Die Aufnahmen von Merkel, Hollande und Co gingen um die Welt. Allerdings führten sie die Massen nicht an, wie die Bilder vermuten lassen. Darüber berichten mehrere Medien, unter anderem „The Independent“, „Daily News“ und Spiegel Online. Bei Twitter werden Fotos geteilt, die zeigen, wie die Gruppe von Sicherheitspersonal abgeschirmt ist.

Die Politiker sollen sich einem französischen Medienbericht zufolge ausschließlich auf einer einsamen Nebenstraße befunden und diese nach den Aufnahmen wiederverlassen haben - aus Sicherheitsgründen durchaus nachvollziehbar.

Auch der französische Ex-Präsident Sarkozy ist Thema in den sozialen Medien: Sein zeitweiliges Auftauchen in der ersten Reihe des Trauermarsches bringt dem früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy Hohn und Spott im Internet ein. Bei der Solidaritätsveranstaltung war der 59-Jährige mit seiner Frau Carla Bruni am Sonntag kurzzeitig auch an der für Staats- und Regierungschefs vorbehaltenen Spitze des Zuges zu sehen. Schon vorher hatte Sarkozy beim Empfang im Élysée den Platz auf der Treppe neben Hollande auffällig lang nicht geräumt.

Die Folge: Sarkozy erhält viel Spott für seinen Ausflug in die erste Reihe. Im Internet tauchen immer mehr Fotomontagen auf, auf denen sein Konterfei in historische Bilddokumente montiert wurde. Bei Twitter machen unter anderem diese Bilder die Runde:

Auf der Seite „Je suis Nico“ wurden die zahlreichen Montagen zusammengetragen: Sarkozy unter anderem neben Helmut Kohl und François Mitterrand in Bitburg, mit den Beatles oder bei der Mondlandung.

Foto: Screenshot je-suis-nico.tumblr.com/
Foto: Screenshot je-suis-nico.tumblr.com/
 
Foto: Screenshot je-suis-nico.tumblr.com/

Unterdessen sorgte das Fehlen von US-Präsident Barack Obama beim Trauermarsch bereits am Montag für Irritationen. Auch kein anderes hochrangiges Regierungsmitglied aus Washington zeigte in der französischen Hauptstadt Flagge gegen Terror und mordende Islamisten. US-Medien reagierten mit teils scharfer Kritik - die Regierung gestand am Montag Fehler ein.

Jemand mit einem „höheren Profil“ hätte teilnehmen müssen, gab Obamas Sprecher Josh Earnest zu. Doch angesichts des gewaltigen Sicherheitsapparats, der für einen Besuch Obamas in Gang gesetzt werden muss, sei das bei der kurzfristigen Planung kaum möglich gewesen. Dass die USA felsenfest zu ihren französischen Verbündeten hielten, stehe außer Frage, so Earnest. Und der von einer Pannenserie gebeutelte Secret Service hätte einen durch die Menschenmenge spazierenden Obama wohl nur mit Schweißausbrüchen verkraftet.

„Barack Obama ist nicht Charlie“, ätzte das Politmagazin „Politico“ am Montag. Noch härter ging der Obama-kritische TV-Sender „Fox News“ mit dem Staatschef ins Gericht: „Präsident Obama ist am Sonntag vom Posten des Führers der freien Welt moralisch zurückgetreten.“ Und auch der ansonsten eher Obama-freundliche Sender CNN meinte, hier sei dem Weißen Haus wohl ein schwerer Fehler unterlaufen.

Außenminister John Kerry bemühte sich bei seiner Indienreise um Schadensbegrenzung. Er wolle Ende der Woche nach Paris reisen, um Solidarität zu zeigen. Im Übrigen finde er die Fragen nach seiner Abwesenheit „ein bisschen kleinlich“, setzte er hinzu. US-Medien fragten sich, warum Obama nicht wenigstens einen Stellvertreter geschickt hatte. Vize-Präsident Joe Biden, ansonsten ein Vielflieger, sei am Sonntag zu Hause geblieben. Besonders verwirrend: Justizminister Eric Holder war am Sonntag zwar zu einem Polittermin in Paris - aber nicht zum Trauermarsch gekommen. Nur Jane Hartley, die US-Botschafterin in Frankreich, marschierte beim Gedenken an die 17 Toten der Terroranschläge mit.

Noch etwas anderes fiel in den USA auf: Die großen Zeitungen vermieden es zumeist, Mohammed-Karikaturen der angegriffenen französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ zu drucken. „Ich bin nicht Charlie Hebdo“, titelte etwa die „New York Times“ auf ihrer Kommentarseite. Es hieß, wenn jemand versucht hätte, das Satireblatt auf einem amerikanischen Universitätscampus zu verteilen, wäre dies nach 30 Sekunden eingezogen worden - wegen Hasspredigt und Hetze. „Die meisten von uns beteiligen sich nicht an dieser Art von absichtlich verletzendem Humor, auf den sich diese Zeitung spezialisiert“, meint die „New York Times“. „Die meisten von uns versuchen, ein Minimum an Respekt vor Menschen mit anderen Bekenntnissen und anderem Glauben zu zeigen.“

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