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Libyen : Regierungschef Seidan kommt nach Entführung wieder frei

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Das politische Chaos in Libyen hat Regierungschef Seidan diesmal am eigenen Leib erfahren. Im Morgengrauen verschleppen ihn ehemalige Revolutionäre. Kurz darauf kommt er wieder frei.

Tripolis | Der kurzzeitig von bewaffneten ehemaligen Revolutionären entführte libysche Regierungschef Ali Seidan will der Gewalt nicht weichen. „Wenn es das Ziel dieser Entführung war, mich zum Rücktritt zu bewegen, dann kann ich dazu nur sagen, dass ich nicht zurücktreten werde“, schrieb der 62-Jährige im Kurznachrichtendienst Twitter.

Der seit einem Jahr amtierende Regierungschef war am Donnerstag aus einem Hotel in der Hauptstadt Tripolis verschleppt worden und erst mehrere Stunden später wieder freigekommen. Er war zuletzt in die Kritik geraten, weil ein US-Sonderkommando den mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Abu Anas al-Libi verschleppt und außer Landes gebracht hatte.

Den Angaben zufolge wurde Seidan von einer anderen Brigade ehemaliger Revolutionäre „befreit“. Dabei soll kein einziger Schuss gefallen sein. Der Regierungschef blieb unverletzt. Zu seiner Rücktrittsweigerung führte Seidan aus: „Wir (in der Regierung) kommen nur langsam voran, aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ 

Die Entführer hatten zunächst versucht, die Verschleppung des Regierungschefs als Festnahme zu verkaufen. Dies wurde jedoch von den anderen Regierungsmitgliedern nicht akzeptiert. Die Generalstaatsanwaltschaft betonte, es sei kein Haftbefehl für Seidan ausgestellt worden. Parlamentspräsident Nuri Abu Sahmien, der den Ministerpräsidenten nach eigenen Angaben in seiner kurzen Geiselhaft besucht hatte, sagte vor der Presse: „Es gibt keine Immunität für Revolutionäre.“.

Die Verschleppung des mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Abu Anas al-Libi war in Libyen selbst von Menschen, die nicht mit dem islamistischen Terrornetz sympathisieren, als Verletzung der staatlichen Souveränität kritisiert worden. Seidan warf man vor, er habe die Aktion vorab gebilligt. Die Regierung bestellte nach dem Verschwinden von Al-Libi die US-Botschafterin ein, betonte aber gleichzeitig, man wolle an den guten Beziehungen zu Washington festhalten.

Schon mehrfach hatten Angehörige von Brigaden, die 2011 gegen die Truppen von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi gekämpft hatten, das Kabinettsgebäude, in dem Seidan sein Büro hat, attackiert oder umzingelt. Meist ging es dabei um finanzielle Forderungen oder um die Freilassung von inhaftierter Gesinnungsgenossen.

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erstellt am 10.Okt.2013 | 08:14 Uhr

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