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Gefangener „Welt“-Korrespondent in der Türkei : Recep Tayyip Erdogan will Deniz Yücel nicht an Deutschland ausliefern

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„Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals“, sagte Erdogan in einem Interview.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2017 | 10:42 Uhr

Ankara | Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine Auslieferung des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel an die Bundesrepublik ausgeschlossen. Deutschland verweigere die Auslieferung türkischer Staatsbürger, sagte Erdogan am Donnerstagabend dem Sender TGRT in Istanbul. Daher würden Deutsche wie Yücel auch nicht überstellt. „Wenn einer von denen uns in die Hände fällt, werden sie dieselbe Behandlung erfahren.“ Zu einer möglichen Auslieferung von Inhaftierten wie Yücel sagte er: „Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals.“

Am Sonntag wird in der Türkei über das umstrittene Verfassungsreferendum abgestimmt, das Erdogans Macht als Präsident stärken würde. Bereits seit dem gescheiterten Militärputsch im vergangenen Jahr regiert er mit harter Hand und ließ zahlreiche Oppositionelle, Journalisten, Richter, Staatsanwalte, Militärs und Lehrer einsperren.

Erdogan bezog sich auf Vorwürfe, wonach Deutschland keine türkischen Terrorverdächtigen ausliefert. Die Bundesregierung fordert die Freilassung des „Welt“-Korrespondenten Yücel, der in der Türkei unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft sitzt. Zu Vorwürfen, Yücel habe Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gehabt, sagte Erdogan: „Natürlich, auf jeden Fall. Uns liegt Bildmaterial und das alles vor. Das war ein richtiger Agent (und) Terrorist.“

Deniz Yücel hat während der Haft im türkischen Gefängnis seine Freundin geheiratet. /Archiv
Deniz Yücel hat während der Haft im türkischen Gefängnis seine Freundin geheiratet. /Archiv Foto: Karlheinz Schindler
 

Yücel war Ende Februar in Untersuchungshaft genommen worden. Als Begründung hatte der Haftrichter Terrorpropaganda und Volksverhetzung angeführt. Im Gerichtsprotokoll war von Spionage nicht die Rede. Diese Beschuldigung erhob später Erdogan. Beweise für ihre Vorwürfe legten bislang weder die Justiz noch der Präsident vor.

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