Hacker-Gruppe „APT28“ : Reaktionen auf Hackerangriff: Nicht-Unterrichtung des Parlaments skandalös

Ob hinter der Attacke die russische Regierung steckt, ist wohl kaum nachzuweisen.
Ob hinter der Attacke die russische Regierung steckt, ist wohl kaum nachzuweisen.

Der Cyberangriff auf das Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden ist eingedämmt. Es folgt heftige Kritik.

shz.de von
01. März 2018, 09:38 Uhr

Berlin | Nach dem Hacker-Angriff auf das Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden will der Digitalausschuss des Bundestages an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Ausländische Hacker waren nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in das bislang als sicher geltende Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden eingedrungen. Cyberspione der russischen Gruppe „APT28“ hätten erfolgreich das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium angegriffen, hieß es in Sicherheitskreisen. Es sei Schadsoftware eingeschleust worden, die Angreifer hätten auch Daten erbeutet. Nach Darstellung der Bundesregierung ist die Attacke inzwischen unter Kontrolle.

Hinter „APT28“ vermuten zahlreiche Computerfachleute russische Regierungsstellen. Der Angriff auf den Bundestag im Jahr 2015 geht nach Erkenntnissen von Ermittlern ebenfalls auf das Konto dieser Gruppe.

Das sind die Reaktionen:

Der CDU-Politiker Patrick Sensburg hat eine gründliche und sorgfältige Aufarbeitung angemahnt. Ob hinter der Attacke tatsächlich das Hacker-Kollektiv „APT28“ stecke, das müsse dezidiert ermittelt werden, sagte das Mitglied des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr) am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. „Ob Daten abgeflossen sind, auch da muss man noch genau hinschauen.“ Sensburg pochte auf eine sorgsame Untersuchung des Falls, diese Zeit müsse man der Bundesregierung gönnen.

Sensburg kündigte für 12.30 Uhr eine PKGr-Sondersitzung an. „Dass so etwas stattgefunden hat, ein Hacker-Angriff, das waberte gerüchteweise, aber wir hatten offiziell keine Unterrichtung der Bundesregierung.“

Mit Blick auch auf die jetzige Attacke sagte Sensburg: „Den Unterschied sehe ich darin, dass noch zielgerichteter, man nennt das sogenannte 'Target Attacks', auf bestimmte Dokumente gegangen worden ist.“ Die Angreifer hätten nun anscheinend noch sensiblere Daten im Fokus gehabt.

Nicht in Hysterie verfallen

Der CDU-Politiker Stephan Mayer hat davor gewarnt in Hysterie zu verfallen. „Wir tragen nicht zu einer seriösen Aufklärung bei, wenn wir uns in Mutmaßungen versteigen und Hypothesen aufstellen, wie es dazu gekommen ist“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion am Donnerstag im Radioprogramm SWR Aktuell. Mayer verteidigte die Entscheidung der Sicherheitsbehörden, die Öffentlichkeit nicht umgehend über den Hacker-Angriff zu informieren.

Durch die anfängliche Geheimhaltung habe die Möglichkeit bestanden, den Tätern auf die Spur zu kommen. Er sei für „lückenlose und vollständige Aufklärung“. Allerdings müsse diese Aufklärung im Parlamentarischen Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste erfolgen „und nicht auf dem Basar der Öffentlichkeit“.

Nicht-Unterrichtung des Parlaments skandalös

Die Linken-Netzexpertin Anke Domscheit-Berg hat eine ausgebliebene Unterrichtung des Bundestages angeprangert. Sie habe von der Attacke aus der Presse erfahren, dies sei eigentlich schon der erste Skandal, sagte die Obfrau der Linken-Fraktion im Ausschuss Digitale Agenda des Bundestages am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Dass man dies selbst als fachlich zuständige Abgeordnete aus der Presse lesen müsse, „das ist schon wirklich skandalös“.

Angesprochen auf eine mögliche Urheberschaft einer russischen Gruppe sagte Domscheit-Berg: „Es gibt Indizien, die darauf hinzeigen, aber wir wissen es wirklich nicht.“ Ausländische Hacker waren nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen in das bislang als sicher geltende Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden eingedrungen. Cyberspione der russischen Gruppe „APT28“ hätten erfolgreich das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium angegriffen. Nach Darstellung der Bundesregierung ist die Attacke inzwischen unter Kontrolle. Am Donnerstag wollten sich das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages (PKGr) und der Ausschuss Digitale Agenda mit dem Fall befassen.

„Der erfolgreiche Hackerangriff macht deutlich, dass das Datennetz des Bundes nicht ausreichend geschützt ist. Angesichts der sensiblen Informationen ist das ein untragbarer Zustand“, erklärte auch der digitalpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Manuel Höferlin. Es sei ein Unding, dass die Abgeordneten über die Vorkommnisse aus den Medien erfahren müssten. „Wir erwarten, dass die Vertreter des Bundesinnenministeriums, des Auswärtigen Amtes, des Verteidigungsministeriums und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik Rede und Antwort stehen. Oberste Priorität hat jetzt die Aufklärung und die Schaffung von Transparenz“, betonte Höferlin.

Grünen dringen auf rasche Aufklärung

Es müsse unter anderem geklärt werden, „welche Daten konkret abgeflossen sind und ob im Zuge des Angriffs eine Sicherheitslücke verwendet wurde, die deutschen Behörden bekannt war“, erklärte Fraktionsvize Konstantin von Notz. „Wenn nach den bisherigen, verheerenden Angriffen auf den Bundestag und andere nun auch das sehr viel besser geschützte Regierungsnetz und Ministerien betroffen sind, zeigt das, wie schlecht es um die IT-Sicherheit in unserem Land insgesamt steht“, unterstrich von Notz.

Der Obmann der Grünen-Fraktion im Bundestags-Digitalausschuss, Dieter Janecek, sagte der „Berliner Zeitung“ (Donnerstag): „Wenn sich das bewahrheitet, ist das eine Form von Kriegsführung gegen Deutschland.“ Problematisch sei etwa, wenn Kontaktdaten von Menschenrechtsgruppen oder Informationen über Gespräche in falsche Hände gelangten.„Darüber muss uns die Regierung informieren.“ Via Twitter teilte Janecek mit, dass der Ausschuss einstimmig beschloss, für diesen Donnerstag eine Sondersitzung zu der Attacke einzuberufen.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt gibt der Bundesregierung eine Mitschuld. Wer Sicherheitslücken in Programmen staatlicherseits ankaufe und sie bewusst offen lasse, müsse sich nicht wundern, selbst Opfer von Hackerangriffen zu werden, sagte Göring-Eckardt. „Die Bundesregierung ist Opfer und Mitverantwortliche des Angriffs zugleich.“ Wer wie sie beim Schutz digitaler Infrastrukturen weitgehend untätig bleibe und das „digitalpolitische Kompetenzwirrwarr“ in den Ministerien nicht auflöse, sei Teil des Problems, nicht der Lösung.

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