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Bundestag statt Landtag? : Ralf Stegner sucht den Weg nach Berlin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der SPD-Landeschef will die Öffentlichkeit am Mittwoch über seine Pläne informieren – möglich wäre ein Wechsel in den Wahlkreis Nordfriesland.

Geht er oder bleibt er? Morgen will SPD-Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner sich erklären. Fünf weitere Jahre Politik an der Förde? Oder doch der Wechsel in den Bundestag? Fest steht nur: Anders als sein politischer „Lieblingsfeind“ Wolfgang Kubicki von der FDP wird Stegner im kommenden Jahr nicht für beide Parlamentswahlen antreten.

In SPD-Kreisen ist der Plan des Parteivorsitzenden zur eigenen Zukunft seit Monaten eines der bestgehüteten Geheimnisse. Nicht einmal der Landesvorstand sei im Bilde über die Absichten des Vorsitzenden, heißt es. Heute Abend will der 56-Jährige die Genossen in seinem Wahlkreis unterrichten. Am Mittwoch soll dann die Öffentlichkeit erfahren, wohin die Reise des Doktors der Politikwissenschaften geht.

Wo Informationen nur dürre verfügbar sind, haben Graswuchshörer Hochkonjunktur. Lange soll Stegner nach einem geeigneten Bundestagswahlkreis zwischen Nord- und Ostsee Ausschau gehalten haben. Lange tat er das ohne Erfolg. Wer für die Nord-SPD derzeit im Bundestag sitzt, der will dort auch bleiben und im nächsten Jahr erneut kandidieren. So lautete die parteiinterne Ansage bisher.

Zwar wäre der Wahlkreis Kiel nach der Berufung des bisherigen Abgeordneten Hans-Peter Bartels zum Wehrbeauftragten frei gewesen. In der Landeshauptstadt allerdings mögen sie Stegner nicht sonderlich. Hier sitzen seine schärfsten innerparteilichen Kritiker. Eine Kandidatur wäre mithin nicht ohne Risiko.

Seit dem Wochenende allerdings zeichnet sich nun doch eine Vakanz ab. Der SPD-Mann für Nordfriesland und den Norden Dithmarschens, Matthias Ilgen, will sein Mandat im Bundestag aufgeben. Lieber möchte der ehemalige Wrestler seine politische Laufbahn nach der Wahl im Mai 2017 im Landtag fortsetzen. Ilgen hatte diesen Wunsch in einem internen Mitgliederbrief öffentlich gemacht. Als Nachfolger für seinen Wahlkreis, ließ der 32-Jährige wissen, werde er Stegner vorschlagen, „wenn der denn möchte und keinen anderen Wahlkreis hat“.

Entschiede sich Stegner für den Wechsel, dann verschwände ein Mann mit Ecken und Kanten aus der ersten Reihe der Landespolitik. Im persönlichen Gespräch kann der Chefgenosse witzig und zugewandt sein, ein interessanter Gesprächspartner. Auf der politischen Bühne kommt Stegner dagegen meist als rauflustiger Debattenredner und Polarisierer daher, als einer, dem die schnelle Schlagzeile und Provokation wichtiger scheint als Sympathien und politische Freunde.

Seit 1990 ist Stegner im Norden zu Hause. Als Sprecher des damaligen Sozialministers Günther Jansen gestartet, arbeitete sich der zeitweilige Harvard-Student zum Ressortchef erst für Finanzen, dann für Inneres hoch. In der Großen Koalition setzte der damalige Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU) Stegner nach monatelangem Dauerkonflikt den Stuhl im Kabinett vor die Tür. Der Streit ging aber auch noch weiter, als Stegner auf den Posten des SPD-Fraktionschefs gewechselt war. Die Koalition zerbrach schließlich 2009. Es gab Neuwahlen. Die SPD landete bis 2012 vorübergehend in der Opposition.

Ob Stegner die Offerte von der Küste annimmt, ist allerdings völlig offen. Klar ist: In Berlin kann er als der sechste stellvertretende Bundesvorsitzende so schnell nichts werden auf der Karriereleiter. Fleiß und mediale Präsenz spricht dem umtriebigen Lautsprecher von der Förde zwar niemand ab. Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann aber dürfte seinen Posten kaum für einen Fraktionsnovizen aus Kiel räumen. Ob ein Job in der umkämpften, aber reichlich wirkungslosen zweiten Reihe hinter Oppermann für das Nordlicht mit pfälzischen Wurzeln erreichbar ist, gilt ebenfalls als offen.

Stegner dürfte Realist genug sein, um die engen Spielräume zu sehen. Nach einem Vierteljahrhundert politischer Posten im Norden wäre eine Kandidatur für den Bundestag fraglos eine neue Herausforderung für den Ambitionierten. Auf der anderen Seite aber hat Stegner im Norden alles, was er braucht, um politisch im Geschäft zu bleiben. Er hat den Hut des gutbezahlten Fraktionschefs samt Dienstwagen und Sekretärin auf, den des Parteivorsitzenden und womöglich – sollte die zuweilen durchschimmernde Amtsmüdigkeit bei Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) auch den eigenen Leuten irgendwann gegen den Strich gehen – vielleicht sogar die Option auf die Nachfolge des Premiers.

Das allerdings setzt voraus, dass die SPD bei der Landtagswahl 2017 erneut den Regierungsauftrag erhält.

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erstellt am 12.Apr.2016 | 07:11 Uhr

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