Konflikt um Atomwaffen : Rätselraten um Gipfel zwischen Trump und Kim

US-Präsident Donald Trump spricht im Weißen Hauses in Washington. /AP
US-Präsident Donald Trump spricht im Weißen Hauses in Washington. /AP

Nach Nordkorea setzt jetzt auch Donald Trump ein Fragezeichen hinter das erst kürzlich terminierte Gipfeltreffen in Singapur. Der US-Präsident zeichnet jedoch weiter die Vision eines prosperierenden Nordkoreas. Und sein Außenminister sagt noch etwas anderes.

shz.de von
22. Mai 2018, 22:34 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat den Termin für sein mit Hochspannung erwartetes Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur in Frage gestellt.

«Es könnte sein, dass es nicht am 12. Juni klappt», sagte Trump vor einem Gespräch mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In in Washington. «Ich habe viele Deals gemacht. Man ist nie ganz sicher, was herauskommt», betonte Trump.

«Wenn es nicht zustande kommt, vielleicht kommt es später zustande», sagte Trump. «Es könnte sein, dass es zu einem anderen Zeitpunkt passiert.» US-Außenminister Mike Pompeo sagte wenige Stunden später, die Administration halte am Datum 12. Juni fest. «Wir arbeiten weiter auf den 12. Juni hin», sagte Pompeo.

Trump hielt grundsätzlich an seiner Vision einer Beendigung des Konfliktes auf der koreanischen Halbinsel fest. «Im Moment blicken wir auf zwei Koreas», sagte Trump. «Mag sein, dass wir in der Zukunft auf ein Korea zurückkommen.» Eine Wiedervereinigung sei möglich und werde von seiner Regierung gebilligt, solange das alle Beteiligten in Korea wollten.

Südkorea hatte zuvor nicht an einem Zustandekommen des Treffens am 12. Juni gezweifelt. Trotz schärferer Töne aus Nordkorea liege die Wahrscheinlichkeit, dass sich beide wie verabredet am 12. Juni in Singapur treffen, bei «99,9 Prozent», sagte der Nationale Sicherheitsberater Chung Eui Yong auf dem Flug nach Washington. Trotzdem bereiteten sich die USA und Südkorea auf «verschiedene Möglichkeiten» vor, zitierte ihn die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Ungeachtet der Frage des Zustandekommens hat das Weiße Haus nach US-Medienberichten bereits Gedenkmünzen für das Treffen prägen lassen. Die Münzen zeigen Trump und Kim, der als «Supreme Leader» («Oberster Führer») bezeichnet wird, auf der einen Seite und die Präsidentenmaschine Air Force One über dem Weißen Haus auf der Rückseite. Die Vorderseite ist mit Olivenzweigen umrandet, einem Symbol für Frieden.

Trump kündigte an, er werde in Gesprächen mit Kim die persönliche Sicherheit des Machthabers garantieren. «Er wird sicher sein, er wird glücklich sein, sein Volk wird reich sein», sagte Trump. Wenn er in 50 Jahren zurückblicke, werde Kim sehr stolz auf das sein können, was er für Nordkorea getan habe, sagte der US-Präsident mit Blick auf ein mögliches Abkommen mit den USA.

Trump erneuerte seine Deutung, China habe Kim Jong Un bezüglich seiner Haltung zu einem Gipfel und dessen möglichen Inhalten beeinflusst. «Es gab einen Unterschied, als Kim China nach seinem zweiten Besuch verlassen hat», sagte Trump. Er habe aber weiterhin den Eindruck, dass Kim ernsthafte Absichten erfolge.

Nordkorea habe jetzt die Chance zur Veränderung. «Sie haben die Chance, ein großartiges Land zu werden», sagte Trump. Diese Chance bestehe unter den jetzigen Gegebenheiten nicht.

Die Hauptforderung der US-Seite ist der komplette Verzicht Nordkoreas auf Atomwaffen. In Diplomatenkreisen wird der bewusst unscharfe Begriff Denuklearisierung verwendet. Dies lässt Spielraum für Verhandlungen. Die USA bestehen auf einer sofortigen, nachhaltigen und überprüfbaren Vernichtung der Atomwaffen Nordkoreas. Das kommunistisch regierte Land sieht sich nach Medienberichten aber weiterhin als Atommacht und will sich nur zum Verzicht auf die Anwendung verpflichten, ähnlich wie dies die USA im Atomwaffensperrvertrag getan haben.

Unterdessen hat Nordkorea eine Gruppe ausländischer Journalisten ins Land gelassen, die vor Ort über die geplante Sprengung des umstrittenen Atomtestgeländes Punggye-ri berichten wollen. Dagegen verweigerte Nordkorea am Dienstag südkoreanischen Reportern, an Bord eines Charterflugzeuges aus Peking zu gehen. In dem Flugzeug von Peking nach Nordkorea saßen nach Angaben aus Teilnehmerkreisen Journalisten aus den USA, Großbritannien, China und Russland.

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