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Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un : Rätselhafter Anschlag auf Kim Jong Nam: Todesursache offenbar Nervengas VX

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Elf Tage nach dem Tod des älteren Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un scheint zumindest die Todesursache geklärt: Kim Jong Nam soll durch einen chemischen Kampfstoff getötet worden sein.

Kuala Lumpur/Seoul | Der ältere Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un ist nach Angaben der malaysischen Polizei mit dem Nervengas VX getötet worden. An den Augen und auf dem Gesicht des Opfers Kim Jong Nam seien Spuren des hochgiftigen chemischen Kampfstoffs gefunden worden, sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar am Freitag.

Die Polizei verdächtigt zwei Frauen, bei dem Überfall in der vergangenen Woche auf dem Flughafen in Kuala Lumpur den verbotenen chemischen Kampfstoff auf das Gesicht ihres Opfers gesprüht oder gerieben zu haben. Hinweise auf einen Giftanschlag hatte es schon kurz nach dem rätselhaften Tod des 45-jährigen Kim Jong Nam am 13. Februar gegeben.

Hintergrund: Berühmte Attentate mit Gift

Anschläge mit Gift sind gerade bei Geheimdiensten ein beliebtes Mittel, um Gegner auszuschalten. Einige spektakuläre Fälle:

Der Kremlgegner Alexander Litwinenko wird 2006 mit radioaktiv verseuchtem Tee in London vergiftet. Das darin enthaltene Polonium 210 tötet ihn nach drei Wochen. Britischen Ermittlungen zufolge stecken frühere russische Geheimdienstler hinter dem Mord an dem abtrünnigen Exilanten.

Nach einem Essen mit ukrainischen Geheimdienstlern im Jahr 2004 erkrankt der damalige ukrainische Oppositionspolitiker Viktor Juschtschenko schwer. Ärzte stellen einen 50.000-fach erhöhten Spiegel des Giftes Dioxin in seinem Blut fest. Der spätere Präsident des Landes überlebt, bleibt aber mit starken Narben im Gesicht gezeichnet. Er vermutet die Hintermänner in Moskau.

Auf den Hamas-Führer Chaled Maschaal verüben Agenten des israelischen Mossad 1997 in der jordanischen Hauptstadt Amman einen Anschlag, indem sie ihm Gift ins Ohr sprühen oder injizieren. Maschaal ringt mit dem Tod, überlebt aber, weil Israel auf internationalen Druck hin ein Gegengift liefert.

Im Jahr 1978 wird der bulgarische Dissident Georgi Markow in London von einem Mann mit einem präparierten Regenschirm vergiftet. Markow stirbt wenige Tage später. In seinem Bein finden Ärzte eine Kapsel mit hochgiftigem Rizin. Hinter dem Mord wird das damalige kommunistische Regime in Bulgarien vermutet.

 

Doch eine Autopsie hatte zunächst keine Ergebnisse zur Todesursache geliefert. Auch der Hintergrund der Tat ist noch ungeklärt. Südkorea wirft Nordkorea vor, hinter dem Tod des erstgeborenen Sohnes des früheren Diktators Kim Jong Il zu stecken.  Südkoreas Vereinigungsministerium rief die kommunistische Führung in Pjöngjang am Freitag auf, sich zu der Tat zu bekennen. Das internationale Image des Landes werde sich durch den Fall weiter verschlechtern, sagte ein Sprecher. „Es wäre besser für Nordkorea, zu bekennen, dass es in den Mord an Kim verwickelt ist.“       

Videos von Überwachungskameras im Flughafen zeigen, wie zwei Frauen sich einem Mann nähern, bei dem es sich um Kim handeln soll. Eine fasst mit ihren Händen von hinten um seinen Kopf herum, bevor sie sich entfernen. Der Überfall dauerte nur einige Sekunden, Kim brach Minuten später zusammen und starb auf dem Weg ins Krankenhaus.     

Eine der beiden Verdächtigen hatte sich nach Angaben der Ermittler kurz nach dem Attentat übergeben müssen. Sie habe Symptome gezeigt, die durch die Einwirkung von VX entstehen könnten. VX gehört zu den „modernen“ Nervengasen wie beispielsweise Sarin.

Schon geringste Mengen dieser Stoffe können zur Lähmung wichtiger Körperfunktionen und zu einem qualvollen Tod führen. Wie das Gift ins Land gelangen konnte, ist nach Angaben des Polizeichefs unklar: „Wir wissen es nicht, wir werden das untersuchen.“ Die beiden mutmaßlichen Täterinnen wurden festgenommen. Eine der Frauen kommt den Ermittlern zufolge aus Vietnam, die andere aus Indonesien.      

Der Fall sorgt seit Tagen für schwere diplomatische Verstimmungen zwischen Nordkorea und Malaysia. Pjöngjang hatte sich gegen den Verdacht gewehrt, in den Fall verwickelt zu sein und die Ermittlungen der malaysischen Behörden kritisiert. Auch warf es der Regierung in Kuala Lumpur vor, sich an einer von Südkorea ausgehenden Verschwörung zu beteiligen.

Die Ermittler verdächtigen unter anderen einen Angehörigen der nordkoreanischen Botschaft in Malaysia, mit der Tat in Verbindung zu stehen. Auch bat Malaysia Interpol darum, eine Warnung vor vier möglichen Tatbeteiligten aus Nordkorea auszugeben. Die vier Männer sollen Malaysia schon am Tag des Übefalls auf Kim Jong Nam verlassen haben. 

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erstellt am 24.Feb.2017 | 09:01 Uhr

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