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Nach ISIS-Mord : Rache für verbrannten Piloten: Zwei Terroristen in Jordanien hingerichtet

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Das Video eines mutmaßlich verbrannten Jordaniers schockiert die Welt. Die jordanische Regierung hängt zwei Gefangene.

Amman/Washington | Nach dem grausamen Mord an einem jordanischen Piloten durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Regierung in Amman zwei zum Tode verurteilte Terroristen hinrichten lassen. Die beiden Gefangenen Sadschida al-Rischawi und Siad al-Karbuli seien am frühen Mittwochmorgen gehängt worden, meldete die jordanische Nachrichtenagentur Petra.

Was war passiert?

Die IS-Terrormiliz hatte mit einem Video der mutmaßlichen Verbrennung eines jordanischen Piloten weltweites Entsetzen und Empörung ausgelöst. In dem am Dienstag veröffentlichten Film wird der von den Dschihadisten gefangene jordanische Kampfpilot Muas al-Kasasba in einem Eisenkäfig gezeigt. Seine orangefarbene Kleidung scheint mit einer Flüssigkeit getränkt. Dann legt ein maskierter Mann Feuer an eine Art Lunte. Als die Flammen den Käfig erreichen, brennt der Mann binnen Sekunden lichterloh, schlägt um sich und bricht dann zusammen.

Noch am Dienstagabend kündigte die jordanische Führung Vergeltung für den Tod des Piloten Muas al-Kasasba an. „Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein“, sagte danach ein Armeesprecher im jordanischen Fernsehen. „Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde.“ Der 26-Jährige Pilot wird in Jordanien als Held verehrt. Das Staatsfernsehen blendete den ganzen Tag ein Foto des Piloten ein. Muslime beteten für ihn in Moscheen, die christlichen Kirchen ließen die Glocken läuten. Die Regierung ordnete eine Staatstrauer an.

Der Vater des getöteten Soldaten rief zugleich nach weiterer Vergeltung. Der IS sei eine „Verbrecherorganisation“ und weit vom Islam entfernt, sagte Safi al-Kasasba dem TV-Kanal Al-Arabija. Die Jordanier erwarteten von der internationalen Koalition verstärkte Luftschläge, um den IS zu zerstören.

Wer waren die gehängten Terroristen?

Al-Rischawi war 2005 mit einem Selbstmordattentat auf eine Hochzeitsfeier in der jordanischen Hauptstadt Amman gescheitert und anschließend zum Tode verurteilt worden. Der IS hatte Ende Januar von dem haschemitischen Königreich gefordert, die Terroristin gegen Al-Kasasba und die japanische Geisel Kenji Goto freizulassen.

Der zweite in Jordanien Hingerichtete Al-Karbuli stammt laut Petra wie Al-Rischawi aus dem Irak und soll zum Terrornetzwerk Al-Kaida gehört haben. Ein jordanisches Gericht hatte ihn demnach 2007 wegen Terrorismus zum Tode verurteilt. Er soll mit Abu Musab al-Sarkawi zusammengearbeitet haben, dem früheren Anführer von Al-Kaida im Irak. Al-Karbuli hatte 2006 im jordanischen Staatsfernsehen zugegeben, im Irak einen jordanischen Fahrer und andere Araber getötet zu haben.

Das US-Außenministerium teilte mit, die Echtheit des Videos werde geprüft. Bis zuletzt hatte die jordanische Regierung nach einer Lösung gesucht - und sogar erwogen, einem Gefangenenaustausch zuzustimmen. Doch offensichtlich waren die Verhandlungen eine Farce: Dem jordanischen Staatsfernsehen zufolge soll der Pilot bereits vor einem Monat umgebracht worden sein.

Al-Kasasba war am 24. Dezember über dem nordsyrischen Al-Rakka abgestürzt und von den IS-Dschihadisten gefangen genommen worden. Der 26 Jahre alte Oberleutnant war der erste Soldat der von den USA angeführten Anti-IS-Allianz, der in die Hände der Extremisten gefallen war.

Der Tod des Piloten löste weltweite Reaktionen aus

Jordaniens König Abdullah II. traf sich am Abend mit US-Präsident Barack Obama. Im US-Fernsehen sagte er: „Mit Wut und Trauer haben wir die Nachricht vernommen, dass der Pilot und Held Muas al-Kasasba von der Terrororganisation IS getötet wurde - von der feigen, fehlgeleiteten Verbrecherbande, die nichts mit unserer Religion zu tun hat“. Zuvor hatte Obama die IS-Terrormiliz als „bösartige und barbarische Organisation“ verurteilt. Am Mittwoch wollte er laut Medienberichten der Familie des getöten Piloten kondolieren.

Weltweit verurteilten Politiker das IS-Video und bekundeten Mitgefühl mit den Angehörigen des Piloten. Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenz-Telegramm an König Abdullah II.: „Mit großem Entsetzen habe ich die furchtbare Nachricht von der Ermordung des jordanischen Piloten (...) vernommen. Es ist unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind“.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich „zutiefst erschüttert“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, der Mord zeige, dass die terroristische Organisation keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben habe.

Bundespräsident Joachim Gauck warnte nach den Hinrichtungen vor einem Rückfall in vordemokratische Zeiten. Das Prinzip Auge-um-Auge könne weder rechtlich noch moralisch die richtige Reaktion auf die Verbrennung der jordanischen Geisel sein, sagte Gauck in Tansania.

Der UN-Sicherheitsrat sprach von einer „entsetzlichen und feigen Tat“: „Dieses Verbrechen zeigt erneut die Brutalität des IS, der für Tausende Verbrechen und Misshandlungen gegen Menschen aller Glaubensrichtungen, Ethnien und Nationalitäten verantwortlich ist, ohne Rücksicht auf die Mindeststandards der Menschlichkeit.“

Auch in anderen arabischen Ländern wurde die Tat als „Barbarei“ betitelt, die nur mit Blut zu sühnen sei, berichtete die Zeitung „Times of Israel“. Die in der islamischen Welt viel geachtete Azhar-Universität in Kairo bezeichnete den IS als „teuflische“ Organisation, die einen Krieg gegen Gott führe. Man müsse die Terroristen auf gleiche Weise bestrafen - Kreuzigungen und Verstümmelungen inbegriffen, sagte Großmufti Scheich Ahmed al-Tajib.

Israels rechtsgerichteter Außenminister Avigdor Lieberman hingegen lobte die Hinrichtung der Terroristen. „Terror kann nicht mit Worten und Erklärungen bekämpft werden, sondern nur mit harten Maßnahmen“, erklärte er.

US-Präsident Obama hatte betont, die Ermordung des Piloten werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln. In Syrien fliegen die USA und arabische Verbündete Angriffe, im Irak sind Nato-Länder beteiligt.

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erstellt am 04.Feb.2015 | 16:00 Uhr

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