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Staatschef als Geisel genommen : Putsch in Burkina Faso: Staatschef freigelassen

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Kurz vor Neuwahlen stürzt das Militär in Burkina Faso die Regierung. Ein General der alten Garde übernimmt die Macht. Aus Sorge um die Demokratie, sagen die Putschisten. Andere sehen weniger hehre Motive.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 13:37 Uhr

Ouagadougou | Die Putschisten im westafrikanischen Burkina Faso haben den von ihnen festgenommenen Staatschef und seine Minister freigelassen. Ministerpräsident Isaac Zida sei jedoch noch immer in den Händen der Geiselnehmer, berichtete der örtliche Radiosender Omega am Freitag. Zida gilt als politischer Rivale des Anführers des Staatsstreichs, Brigadegeneral Gilbert Diendéré.

Mitglieder der Präsidentengarde hatten den Staatschef Michel Kafando und die Regierung am Mittwoch während einer Kabinettssitzung als Geiseln genommen. Die Putschisten nennen sich selbst „Nationaler Rat für Demokratie“ (CND). Die Übergangsregierung habe sich „zunehmend von der Neugründung einer Konsensdemokratie entfernt“, hieß es in der Mitteilung des CND. Diendéré ging wenig später als Anführer des Staatsstreichs hervor. Das aktuelle Wahlgesetz sei ungerecht. Beobachter mutmaßten jedoch, der wahre Grund für den Putsch könne die Angst der Militärs sein, bei der bevorstehenden Neuwahl Einfluss zu verlieren.

Man habe sich nach Gesprächen mit internationalen Vermittlern für das „Prinzip des Dialogs“ entschieden, sagte Diendéré im staatlichen Fernsehen. Die Putschisten haben sich mit einer Delegation aus Vertretern der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der Afrikanischen Union und mehrerer westafrikanischer Staaten beraten. Auch der senegalesische Präsident Macky Sal reiste zu Gesprächen nach Ouagadougou.

Die internationale Gemeinschaft hatte nach dem Putsch die umgehende Freilassung und Wiedereinsetzung der international anerkannten Übergangsregierung gefordert. Kurz vor den Gesprächen hatte der Präsident des Übergangsparlaments, Moumina Cheriff Sy, die Putschisten aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen. Wer dem Aufruf nicht folge, werde als Deserteur behandelt, drohte er.

Mindestens zwei Demonstranten wurden laut Augenzeugenberichten seit Beginn des Staatsstreichs getötet. Der französische Radiosender RFI sprach von bis zu acht Toten. Mindestens 50 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete der örtliche Radiosender Omega.

Die Präsidentengarde gilt immer noch als loyal gegenüber dem früheren Präsidenten Compaoré, der im vergangenen Jahr nach 27 Jahren an der Macht durch Massenproteste gestürzt wurde. Er floh in das Nachbarland Elfenbeinküste. Die Übergangsregierung hatte jüngst die Auflösung der etwa 1200 Mann starken Präsidentengarde angekündigt. Auch wurden mehrere Kandidaten, die als loyal zu Compaoré gelten, nicht zur für den 11. Oktober geplanten Neuwahl zugelassen. Compaoré führte 1983 sowie 1987 Staatsstreiche an, die beide die Regierung umwarfen. Burkina Faso gehört einem UN-Entwicklungsindex zufolge zu den zehn ärmsten Ländern weltweit. 

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