zur Navigation springen

Putin lobt „Volkswehr von Neurussland“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kreml-Chef vergleicht ukrainische Armee mit Wehrmacht / Nato attackiert Moskaus Rebellen-Unterstützung / EU-Gipfel will Sanktionen verschärfen

Der gestrige Tag begann mit einer Provokation aus Moskau: Der russische Präsident Wladimir Putin dankte dem Widerstand von „Noworossija“ (Neurussland). Unter diesem Kampfbegriff fassen rechte Kreise in Russland den ganzen russisch geprägten Südosten der Ukraine zusammen. Dann rief er die ukrainische Führung erneut zu einer Waffenruhe auf. Sie sollte sich sofort mit den Aufständischen im Osten „an einen Tisch setzen und alle Probleme auf friedlichem Weg lösen“, meinte der Kremlchef. Sein Appell (siehe Info-Kasten) sorgte auch im Westen für Aufregung.

Bei einem Treffen der 28 EU-Staaten in Mailand bewerteten mehrere Außenminister das Vorgehen Russlands als „Invasion“. Die Bundesregierung sprach erstmals von einer „militärischen Intervention“. Schärfere Sanktionen gegen Russland werden schon heute beim EU-Gipfel ein zentrales Thema sein. Die Nato forderte von Moskau ein Ende von Militäraktionen in der Ukraine, wobei Russland solche Einsätze erneut bestritt.

Außenminister Sergej Lawrow sagte, die Satellitenbilder mit angeblichen russischen Truppenbewegungen seien als Beweise ungeeignet. „Das sind nur Computerspiele“, so Lawrow. Putins Neurussland-Attacke war nicht die einzige: Er verglich das Vorgehen der ukrainischen Regierungstruppen mit dem der Wehrmacht. Die Taktik der Regierungstruppen „erinnert mich an die der faschistischen deutschen Truppen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Großstädte wurden eingekesselt und durch gezielten Beschuss zerstört, samt Einwohnern“, sagte Putin. Ebenfalls für Aufsehen sorgte er beim Besuch eines Jugendlagers. Dort erklärte er dem „Spiegel“ zufolge: „Wir müssen stets bereit sein, jede Aggression in Richtung Russland abzuwehren.“ Dann erinnerte Putin daran, dass Russland noch immer eine der stärksten Nuklearmächte sei.

Auch auf einem Nato-Treffen wurde Moskaus Haltung attackiert: „Wir verdammen in schärfster Weise, dass Russland fortgesetzt seine internationalen Verpflichtungen missachtet“, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. Offen reagierte er auf die Ankündigung des ukrainischen Regierungschefs Arseni Jazenjuk, wonach die Ukraine wieder auf Nato-Kurs gehe. US-Präsident Barack Obama machte Moskau für die Gewalt verantwortlich, schloss ein militärisches Eingreifen aber aus. Es gebe Wege, die verhängten Sanktionen zu erweitern.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte, es müsse einen Dialog zwischen der Ukraine und Russland geben. Die beobachteten Grenzverletzungen „lassen befürchten, dass die Lage zunehmend außer Kontrolle gerät“, sagte Steinmeier.

Seit Mitte Juli hat sich die Zahl der Toten in der Ukraine auf fast 2600 verdoppelt. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte warf den Separatisten eine Terrorherrschaft in den von ihnen kontrollierten Städten vor. Sie hätten auf fliehende Zivilisten geschossen. Es sei zu Morden, Folterungen und Verschleppungen gekommen. Der ukrainischen Armee warfen die UN-Menschenrechtsexperten den Beschuss ziviler Ziele vor.

Die Bundeswehr wird nächste Woche bis zu 20 bei Kämpfen verletzte ukrainische Soldaten zur medizinischen Behandlung nach Deutschland ausfliegen. Sie werden dann in Bundeswehr-Krankenhäusern in Hamburg, Berlin, und Koblenz behandelt.

zur Startseite

von
erstellt am 29.Aug.2014 | 12:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert