Psycho-Taxis

shz.de von
31. Oktober 2014, 14:09 Uhr

Selbst erfahrene Journalisten erliegen zuweilen der Versuchung und bereichern ihre Reportagen mit dem Zitat des Taxifahrers. Beim Besuch einer fremden Stadt ist er oft die erste Bezugsperson und gilt als Volkes Stimme. Was allerdings in jüngster Zeit nur noch bedingt zutrifft, weil immer häufiger ein auf Einstellung wartender Kunsthistoriker oder Medienwissenschaftler am Lenkrad sitzt. Deren Ansichten über den Lauf der Welt sind dann meistens für den geplanten Artikel über das örtliche Großbauprojekt nicht zu gebrauchen. In Stockholm ist der Taxi-Kunde nun nicht länger auf den Gesprächspartner am Volant angewiesen. Dank eines ungewöhnlichen Services. Da es überall Zugaben gibt, ob einen Zipfel Wurst beim Schlachter oder ein Frostschutzmittel an der Tanke, bietet die Taxi-Innung der schwedischen Hauptstadt dem Fahrgast jetzt kostenlose psychologische Beratung. Nimmt er auf dem Rücksitz Platz, sitzt neben ihm eine Dame. Und zwar eine grundsolide, nämlich eine Psychologin. Ihr kann der Reisende seine Seele freilegen. Manch einer, der nach dem Taxi ruft, könnte in Wirklichkeit einen Psychiater benötigen.

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