Einsatzland der Bundeswehr : Präsidentenwahl in Mali: Staatschef Keïta gilt als Favorit

Sicherheitspersonal steht vor einem Wahllokal in Bamako. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat die Präsidentenwahl in Mali begonnen.
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Sicherheitspersonal steht vor einem Wahllokal in Bamako. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat die Präsidentenwahl in Mali begonnen.

Mali ist der zweitgrößte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Doch die Weiten der Sahelzone stellen ein ideales Rückzugsgebiet für islamistische Terrorgruppen dar. Die Präsidentenwahl soll dem Land für den Kampf gegen Armut und Terror neue Stabilität bringen.

shz.de von
29. Juli 2018, 19:49 Uhr

Die Bürger des westafrikanischen Krisenstaates Mali haben unter strengen Sicherheitsvorkehrungen einen neuen Präsidenten gewählt. Die Abstimmung verlief zunächst weitgehend friedlich. Es zeichnete sich jedoch eine geringe Wahlbeteiligung ab.

Beobachtern zufolge lag dies wohl auch an der Angst der Bürger vor Anschlägen islamistischer Terrorgruppen auf Wahllokale. Erste Wahlergebnisse sollen gegen Ende der Woche bekanntgegeben werden.

Die rund acht Millionen Wahlberechtigten konnten sich zwischen 24 Kandidaten entscheiden. Die größten Chancen wurden dem amtierenden Staatschef Ibrahim Boubacar Keïta (73) zugerechnet, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Er kann jedoch nur eine dürftige Bilanz vorweisen. Die Sicherheitslage hat sich in seiner Amtszeit seit 2013 verschlechtert, zudem wird ihm Korruption vorgeworfen. Der wichtigste Herausforderer, Oppositionsführer Soumaïla Cissé (68), könnte sich nach Meinung von Experten daher genügend Stimmen für eine Stichwahl sichern. Diese würde in zwei Wochen stattfinden.

Nach der Stimmabgabe in der Hauptstadt Bamako sagte Keïta, die friedliche Wahl sei ein «Sieg für die malische Bevölkerung» und ein Zeichen der «demokratischen Reife» des Landes. Die Chefin der Mission der EU-Wahlbeobachter, die italienische Abgeordnete Cécile Kyenge, erklärte, die Inspektoren hätten 44 Wahllokale besucht, in denen es keine nennenswerten Unregelmäßigkeiten gegeben habe.

Der Chef einer Organisation örtlicher Wahlbeobachter, Ibrahima Sangho, erklärte ebenfalls, es habe kaum größere Zwischenfälle gegeben. Es habe vereinzelte Angriffe auf Wahllokale im Zentrum des Landes gegeben, bei denen auch Wahlhelfer verletzt worden seien, sagte er. Die Organisation stützt sich auf ein Netz von rund 2000 Wahlbeobachtern. Wegen der instabilen Sicherheitslage im Norden und im Zentrum wurde jedoch mancherorts gar nicht erst abgestimmt - was nach Ansicht von Experten die Glaubwürdigkeit der Wahl untergräbt.

Der wüstenhafte Norden Malis ist das Rückzugsgebiet mehrerer mit Al-Kaida verbundener islamistischer Terrororganisationen. Diese gewinnen zunehmend auch im bevölkerungsreicheren Zentrum Malis Einfluss. Eine rund 14.000 Mann starke UN-Friedensmission, an der sich auch die Bundeswehr mit etwa 1000 Soldaten beteiligt, bemüht sich um eine Stabilisierung des Landes.

Stabilität in Mali zu erreichen, ist auch für Deutschland wichtig: Zum einen ist der Staat ein Transitland für Migranten, zum anderen wäre der Norden bei einem Staatszerfall das perfekte Rückzugsgebiet für radikale Islamisten aller Art - und das nur eine Landesgrenze vom Mittelmeer entfernt. Das ist nicht weit hergeholt: 2012 übernahmen mit Al-Kaida verbundene Islamisten in Folge eines Tuareg-Aufstands die Macht im Norden des Landes. Erst durch eine französische Militärintervention 2013 wurden die Islamisten zurückgedrängt.

Die deutschen Soldaten sind vor allem im nordöstlichen Gao stationiert. Für die Bundeswehr ist die UN-Mission knapp hinter Afghanistan der zweitgrößte Auslandseinsatz. Er kostet pro Jahr derzeit etwa 270 Millionen Euro. Für Entwicklungshilfe hingegen bekommt Mali von Deutschland seit 2013 im Schnitt jährlich nur rund 70 Millionen Euro.

Die Islamisten können indes nach Meinung vieler Experten jedoch nur nachhaltig besiegt werden, wenn der malische Staat gestärkt wird. Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Fast die Hälfte der Kinder im Grundschulalter - rund 1,2 Millionen - gehen laut UN-Kinderhilfswerk nicht zur Schule. Jedes neunte Kind stirbt demnach noch vor dem fünften Geburtstag (Deutschland: etwa jedes 250. Kind).

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