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Bertelsmann Studie : Populismus eng verknüpft mit Bildung und Einkommen

vom
Aus der Onlineredaktion

Populistische Ansichten sind in Deutschland zwar verbreitet. Doch Radikalität ist eine Randerscheinung, sagt eine Studie.

Gütersloh | Über 30 Prozent der wahlberechtigten Deutschen vertreten laut einer Studie populistische Ansichten. Diese fallen aber eher moderat und nicht radikal aus, wie es in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung heißt. „Sie lehnen die Institutionen der Demokratie oder der EU nicht grundsätzlich ab, sondern kritisieren ihr Funktionieren“, schreiben die Autoren in ihrem Fazit. Außerdem seien populistische Positionen für die große Mehrheit aller Wahlberechtigten nicht wahlentscheidend.

Zuletzt konnten Parteien und Personen vom linken und rechten Rand in vielen Ländern Europas mit populistischen Parolen große Erfolge einfahren. Vor der Bundestagswahl im September zeigt sich in Deutschland ein vergleichsweise geringer Nährboden für Populismus.

„Von einer 'Stunde der Populisten' ist das politische Klima vor der Bundestagswahl weit entfernt“, sagt Robert Vehrkamp, Demokratieexperte der Bertelsmann Stiftung. Er hat die Studie zusammen mit Christopher Wratil von der Universität Köln geschrieben. Die Mehrheit der Deutschen lehnt populistische Positionen ab.

Die waren die acht Fragen der Studie
  1. „Die Bürger sind sich oft einig, aber die Politiker verfolgen ganz andere Ziele“.
  2. „Mir wäre es lieber, von einem einfachen Bürger politisch vertreten zu werden als von einem Politiker.“
  3. „Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht.“
  4. „Die politischen Differenzen zwischen den Bürgern und Politikern sind größer als die Differenzen der Bürger untereinander.“
  5. „Wichtige Fragen sollten nicht von Parlamenten, sondern in Volksabstimmungen entschieden werden.“
  6. „Die Politiker im Bundestag sollten immer dem Willen der Bürger folgen.“
  7. „Die Bürger in Deutschland sind sich im Prinzip einig darüber, was politisch passieren muss.“
  8. „Was man in der Politik 'Kompromiss' nennt, ist in Wirklichkeit nichts Anderes als ein Verrat der eigenen Prinzipien.“
 

Die Befragten sollten bei acht Aussagen angeben, inwieweit sie diesen zustimmten. Dabei ging es unter anderem um die Annahme eines allgemeinen Volkswillens und um Kritik am politischen Establishment. Mit weniger als 20 Prozent sind unter den CDU-Anhängern der Studie zufolge die wenigsten Populisten. Die Wählerschaft der AfD dagegen ist demnach eindeutig rechtspopulistisch, die SPD in beiden Lagern etwa gleich stark vertreten.

Nach den Erkenntnissen der Stiftung gibt es beim Thema Populismus eine soziale Spaltung. Je geringer die Bildung und je niedriger das Einkommen ist, desto weiter verbreitet sind populistische Ansichten. Am stärksten trifft das auf die Gruppe mit Hauptschulabschluss und einem Monatseinkommen unterhalb von 1500 Euro zu.

„Populisten in Deutschland sind häufig enttäuschte Demokraten, aber keine radikalen Feinde der Demokratie. Im Vergleich zu den USA und Frankreich zeigt sich vor allem, dass in Deutschland die Kritik am politischen Establishment deutlich schwächer ausgeprägt ist“, sagt Studienautor Vehrkamp.

Radikale Positionen zögen beim Wähler nicht. Mehr als zwei Drittel der Wähler mit populistischen Einstellungen sind der Studie zufolge für die Mitgliedschaft in der EU, sogar 85 Prozent sind Demokratie-Unterstützer. Aber: Knapp 80 Prozent geht die Erweiterung der EU zu weit und etwas mehr als die Hälfte gibt an, die Demokratie funktioniere in Deutschland „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“.

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erstellt am 25.Jul.2017 | 09:33 Uhr

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