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Petition gegen US-Präsidenten : Pomp und Politik - Ärger um Donald Trumps Staatsbesuch in Großbritannien

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Es steht noch kein Termin fest, aber der geplante Staatsbesuch Donald Trumps in London ruft breiten Protest hervor.

London | Die Queen fährt in einer prunkvollen Kutsche eine Prachtstraße in London entlang - und neben ihr sitzt winkend Donald Trump. Die Königin gibt ein pompöses Staatsbankett im Buckingham-Palast zu Ehren des US-Präsidenten - und etwa 150 weitere Gäste lauschen ihrer Lobrede über den Gast. So sieht es das Protokoll vor, wenn der Immobilienmilliardär zum Staatsbesuch in das Vereinigte Königreich kommt. Viele Briten sind darüber empört und fordern in einer Petition die Herabstufung seines Besuchs.

Donald Trump ist weltweit umstritten. Täglich sorgt er für Furore - wie am Dienstag mit seiner Behauptung, in Schweden habe es einen Terroranschlag gegeben. Das Ding ist: Es gab keinen.

Fast zwei Millionen Briten haben die Petition unterschrieben. Nun hat sich auch das Parlament mit der Frage beschäftigt. Während einer hitzigen Debatte am Montag warfen Oppositionsabgeordnete Premierministerin May vor, hinter der Einladung an Trump stecke der „verzweifelte“ Wunsch nach einem Handelsabkommen mit den USA. Vor dem Parlamentsgebäude demonstrierten währendessen Hunderte Menschen gegen den geplanten Staatsbesuch.

In der Petition heißt es: „Donald Trumps gut dokumentierte Frauenfeindlichkeit und seine Vulgarität disqualifizieren ihn, von Ihrer Majestät, der Queen, oder dem Prinzen von Wales (Prinz Charles) empfangen zu werden“. Er könne die 90 Jahre alte Königin in Verlegenheit bringen. Es gibt auch eine Gegenpetition, die mehr als 300.000 Unterstützer hat. Ab 100.000 befasst sich das Parlament mit einer solchen Eingabe.

Selbst Parlamentssprecher John Bercow schloss aus, den US-Präsidenten ins Unterhaus einzuladen und warf ihm Sexismus und Rassismus vor. Zehntausende Demonstranten in London kritisierten ein „schädliches Zusammenwirken“ von Premierministerin Theresa May und Trump.

May hatte bei ihrem Besuch in den USA dem Präsidenten die Einladung zum Staatsempfang mit voller zeremonieller Ehrung im Namen der Queen überbracht. Das bedeutet Glanz und Gloria: Begrüßung durch die Königin, die von zahlreichen berittenen Soldaten begleitete Kutschfahrt zum Palast, Salutschüsse, das Staatsbankett samt Ansprache der Queen und Treffen mit Mitgliedern der Regierung.

Wem ein solcher Staatsbesuch zusteht, entscheidet in erster Linie die Regierung. Diese Ehre wird nur wenigen zuteil - und in der Regel erst nach längerer Amtszeit. „Pro Jahr gibt es ein bis drei Staatsbesuche in Großbritannien“, sagte eine Sprecherin des Buckingham-Palastes der Deutschen Presse-Agentur. Darunter seien bislang zwei US-Präsidenten gewesen: George W. Bush (2003) und Barack Obama (2011). Obama reiste zwar zwei Monate nach seiner Wahl zum US-Präsidenten 2009 ins Königreich, aber es dauerte über zwei Jahre, bis ihn die Queen mit allem Pomp willkommen hieß. Bush musste noch etwas länger warten.

Warum nun also Trump und wieso so schnell? Zwischen Amtseintritt und Einladung lagen nur wenige Tage. Dahinter steckt politisches Kalkül: May sucht mit Blick auf den geplanten Ausstieg aus der Europäischen Union samt des europäischen Binnenmarktes einen starken Verbündeten und vor allem einen vielversprechenden Handelspartner.

Für die britische Presse tun sich Horrorszenarien auf: Trump könnte vielleicht bei seinem Staatsbesuch mit Prinz Charles, dessen Herz für den Umweltschutz schlägt, in Streit geraten. Trump hatte anfangs behauptet, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen. An die Spitze der US-Umweltbehörde EPA setzte er ausgerechnet einen engen Vertrauten aus der Kohle- und Ölindustrie.

Prinz Charles ist aber dafür bekannt, sich nicht verbiegen zu lassen - Staatsbesuch hin oder her. Als der chinesische Staatspräsident Xi Jinping 2015 nach London kam, blieb Charles dem Bankett im Palast einfach fern und zeigte so, dass er mit Pekings chronischer Missachtung der Menschenrechte unzufrieden ist.

Auch um Trumps Benehmen machen sich die Briten Sorgen. Angeblich wolle er auf Schloss Balmoral Golf spielen - mit der Queen als Zuschauerin. In Schottland gibt es viel Ärger um einen seiner Golfplätze mitten in einem Naturschutzgebiet. Die Briten erinnern sich auch noch gut an Trumps Kommentar zu Oben-Ohne-Fotos, die Paparazzi heimlich von Prinz Williams Frau aufnahmen. Er twitterte: „Wer würde nicht das Bild von Kate nehmen und damit viel Geld machen, wenn sie diese Sache mit dem Nacktbaden macht. Komm' schon, Kate!“

 

Ob wegen seiner politischen Ausrichtung oder seines Benehmens - viele Briten werden Trump nicht mit offenen Armen empfangen. Nach Ansicht von Lord Peter Ricketts, der lange Jahre im Außenministerium für Staatsbesuche zuständig war, kam die Einladung an Trump mit allem Pomp viel zu früh. „Er bringt die Queen in eine schwierige Lage“, sagte er in Interviews. Die Regierung hält aber daran fest und verkündete: „Wir freuen uns darauf, Präsident Trump willkommen zu heißen, sobald die Termine und Vorbereitungen stehen.“

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erstellt am 20.Feb.2017 | 20:18 Uhr

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