Kommentar : Polizistin erschießt Messerstecher: Auf dem Teppich bleiben

Der schwerverletzte Fahrgast wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.
Der Bahnhof in Flensburg wurde am Mittwochabend zum Schauplatz einer Bluttat.

Berechtigte Bedenken sind kein Argument, Geflüchtete vorzuverurteilen, meint Redakteurin Anette Schnoor.

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01. Juni 2018, 08:13 Uhr

Wieder ein Verbrechen, und der Täter: Ein Asylbewerber. Die Emotionen kochen hoch. Besorgte Menschen kommentieren das Geschehen. Viele Flüchtlinge seien unter „Armut, Hunger, Aggressivität groß geworden. Womöglich haben sie schon als Kind einer Hinrichtung beigewohnt“, schreibt etwa ein Leser auf shz.de. „Nun lässt man sie durch ein reiches Land spazieren, das ist ohne jegliche Verantwortung!“ Der Mann hat recht –  einerseits. Denn wer vor Gewalt flieht, trägt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Traumata davon. Und ja, gewalttätiges, auch kriminelles Verhalten kann eine Folge sein.

Andererseits: Berechtigte Bedenken sind kein Argument, Geflüchtete vorzuverurteilen. Zugegeben ist eine rosarote Willkommenspolitik ohne Blick auf die Risiken verantwortungslos. Genauso verantwortungslos aber ist eine reflexhaft-aufgeregte Sicherheitsdebatte, in der Äußerungen auf Vorurteilen, Sensationslust oder Angst basieren statt auf Tatsachen.

In diesem Zusammenhang: Die Kriminalstatistik 2017 weist für Schleswig-Holstein eine sinkende Zahl ausländischer Straftäter aus. Vor diesem Hintergrund schreibt ein anderer Leser auf shz.de: „Auch vor 2015 gab es Gewalttaten. Das hier ist auch kein Glaubenskrieg, sondern offenkundig ein Streit gewesen. Also mal auf dem Teppich bleiben.“

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