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Terroranschlag auf Popkonzert : Polizei veröffentlicht Foto des Manchester-Attentäters

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Salman Abedi riss 22 Menschen mit in den Tod. Von der Veröffentlichung eines Fotos erhoffen sich die Ermittler neue Erkenntnisse.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2017 | 10:54 Uhr

Manchester | Fünf Tage nach dem Anschlag von Manchester hat die Polizei am Samstagabend Bilder des Attentäters Salman Abedi veröffentlicht, die den mutmaßlichen Islamisten kurz vor seinem Selbstmordattentat auf ein Popkonzert in der nordenglischen Stadt zeigen. Auf den zwei Fotos von Video-Überwachungskameras trägt der 22-Jährige Brite libyscher Abstammung einen Rucksack. Gekleidet ist er in eine schwarze Daunenweste, Jeans und Turnschuhe; zudem trägt er eine Baseballkappe, eine Brille und Bart.

Wer war Salman Abedi, der Attentäter von Manchester?

Je mehr Details zu dem Briten mit libyschen Wurzeln und seinen mutmaßlichen Helfern ans Tageslicht kommen, umso deutlich wird: Der 22-Jährige war wohl nur ein Rad in einem größeren Terror-Getriebe. „Es ist klar, dass es sich um ein Netzwerk handelt, dem wir nachgehen“, sagt der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins.

Mindestens 22 Menschen hat Abedi am Montagabend vor einer Konzerthalle in der nordenglischen Stadt mit in den Tod gerissen.

Der Attentäter war ein stiller Zeitgenosse, der unauffällig und zurückgezogen lebte. Ruhig, respektvoll, freundlich. So lauten Beschreibungen von Menschen, die ihn von früher kannten. Mit wem hat er zusammengelebt? Womit hat er überhaupt sein Geld verdient? Wer waren seine Freunde? Es gibt Fragen über Fragen.

Auf Spurensuche

  • Abedi kam 1994 in Großbritannien auf die Welt und wuchs in Manchester auf.
  • Als Jugendlicher besuchte er von 2009 bis 2011 das Burnage Media Arts College, wie die Schulleitung bestätigt. Die Schule liegt im Stadtteil Fallowfield südlich des Stadtzentrums.
  • Von 2014 bis 2016 studierte Abedi Betriebswirtschaft an der Universität Salford. Er habe sein Studium abgebrochen, hätte eigentlich dieses Jahr seinen Abschluss machen sollen, heißt es dort.
  • Wie war Abedi als Mensch? Dazu wolle man nichts sagen, sondern die Entwicklung abwarten, sagt ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.
  • Abedis Eltern waren Berichten zufolge vor dem Gaddafi-Regime aus Libyen geflohen und kamen so in das Vereinigte Königreich. Vor einiger Zeit sollen sie in ihre nordafrikanische Heimat zurückgezogen sein. Dort hat die Polizei den jüngeren Bruder Abedis festgenommen, auch der Vater wurde zwischenzeitlich festgesetzt. Der zweite Bruder soll unter den in Großbritannien festgehaltenen Verdächtigen sein. Abedi hat auch noch eine Schwester.
  • Der 22-Jährige war dem Geheimdienst bereits aufgefallen, wie Innenministerin Amber Rudd einräumte - ohne Details zu nennen. Ihr französischer Kollege Gérard Collomb plauderte dagegen mehr aus: Der Brite habe sich „plötzlich nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert und (...) entschieden, diesen Anschlag zu begehen“, sagte der Minister dem Sender BFMTV.
  • Salman Abedis Vater und einer seiner Brüder, Ismail, hatten sich stark in der Gemeindearbeit der Didsbury-Moschee engagiert. Das Islamische Zentrum in Manchester distanzierte sich von dem Attentäter. „Diese feige Tat hat keinen Platz in unserer Religion oder irgendeiner anderen Religion“, sagt Fawzi Haffar vom Moscheeverein. Mit einer Mischung aus Wut und Entschlossenheit betont er: Die Didsbury Moschee stehe allen Menschen offen.
  • Einer der Imame erinnert sich an Salmans Reaktion auf einen Vortrag von 2015, in der Terrororganisationen kritisiert worden seien. Mit einem „hasserfüllten Gesicht“ habe ihn Salman damals angeschaut, zitierte die Zeitung „The Telegraph“ den Geistlichen.
 

Die Polizei bat die Bevölkerung um Hinweise zu einer Wohnung im Stadtzentrum, in der sich Abedi unmittelbar vor der Bluttat aufgehalten haben soll. Die Behörden gehen davon aus, dass er dort vermutlich die Bombe zusammengesetzt hat. Mit seiner Bombe hatte Abedi am Montag 22 Menschen mit in den Tod gerissen. Mehr als 100 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Großbritannien hatte zuvor seine höchste Terrorwarnstufe wieder aufgehoben. Experten senkten die Gefahreneinschätzung von „kritisch“ auf „ernst“, teilte Premierministerin Theresa May nach einer Krisensitzung der Regierung am Samstag mit. Dies bedeute aber, dass ein Anschlag immer noch sehr wahrscheinlich sei. „Das Land sollte wachsam bleiben, betonte May.

Zuvor waren am Morgen zwei weitere Verdächtige festgenommen worden, die in Verbindung mit dem Terror-Anschlag von Montagabend stehen sollen. Derzeit sind damit in Großbritannien elf Personen festgesetzt. Die Polizei geht davon aus, dass ein islamistisches Netzwerk hinter dem Attentat steckt. Auch Verwandte des britischen Attentäters mit libyschen Wurzeln sollen darunter sein.

Die Sicherheitslage in Großbritannien war wegen des langen Wochenendes noch stark angespannt. Der kommende Montag ist ein gesetzlicher Feiertag. Zahlreiche Großveranstaltungen im Land sind geplant. Mehr als 1000 bewaffnete Polizisten sollten für die Sicherheit sorgen. Sie werden nach Angaben von May bis Montagabend von Soldaten unterstützt.

Die Gesundheitsbehörde NHS (National Health Service) hatte Kliniken vorsichtshalber aufgefordert, sich ausreichend auf schwere Verletzungen in diesen Tagen einzustellen. Auch öffentliche Verkehrsmittel wurden verstärkt überwacht.

Die Terrorwarnstufe „ernst“ bedeute, dass ein Anschlag sehr wahrscheinlich sei, warnte May. Bei der höchsten Stufe „kritisch“ gehen Experten davon aus, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte. Dies Stufe war zuletzt vor etwa elf Jahren ausgerufen worden.

Der oberste britische Terror-Ermittler rechnet mit der Festnahme weiterer Personen. „Mehr Festnahmen und mehr Durchsuchungen“ seien wahrscheinlich, sagte Mark Rowley in London. Insgesamt habe es schon 17 Durchsuchungen seit dem Anschlag in Manchester gegeben. Auch im Laufe des Samstags durchsuchte die Polizei ein Areal in der Stadt.

Unterdessen gibt es neue Erkenntnisse aus dem Umfeld des Attentäters: Dessen jüngerer Bruder hat einer britischen Zeitung zufolge einen Terroranschlag auf den deutschen UN-Libyengesandten Martin Kobler geplant. Der für Anfang dieses Jahres vorgesehene Angriff auf einen Konvoi konnte rechtzeitig verhindert werden, wie der „Telegraph“ am Sonntag berichtete.

Die Zeitung beruft sich auf Diplomatenkreise. Der 20-jährige Hashim Abedi sei ein wichtiges Mitglied einer Dschihadistengruppe. Libysche Sicherheitskräfte hätten diese Gruppe über Monate beobachtet. Der 20-Jährige war am Dienstag - einen Tag nach dem Anschlag seines Bruders Salman Abedi in Manchester - in der libyschen Hauptstadt Tripolis festgenommen worden. Auch der Vater wurde festgesetzt.

Hashim Abedi soll bei Vernehmungen angegeben haben, dass er und sein Bruder Salman die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützten. Über die Anschlagspläne seines Bruders sei er informiert gewesen, schreibt die Zeitung. Im Dezember soll Hashim in Deutschland gewesen sein.

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