Hilfsorganisationen schlugen Alarm : Polizei räumt großes Migranten-Zeltlager in Paris

Ein Bewohner des Pariser Zeltlagers räumt seine Sachen.

Ein Bewohner des Pariser Zeltlagers räumt seine Sachen.

Etwa 2000 Migranten lebten in dem provisorischen Camp. Sie werden umgesiedelt.

shz.de von
30. Mai 2018, 08:58 Uhr

Paris | Nach wochenlangem Streit räumt die französische Polizei das größte illegale Migranten-Zeltlager in Paris. Dort leben etwa 1500 bis 2000 Menschen, berichtete der Radionachrichtensender Franceinfo am Mittwoch. Von Zwischenfällen bei der Räumung war in den Berichten keine Rede. Etwa 1000 Menschen wurden in feste Unterkünfte in der Hauptstadt oder der Umgebung gebracht, berichteten französische Medien unter Berufung auf den Präfekten der Hauptstadtregion, Michel Cadot.

Migranten stehen vor dem Zeltlager, das von der Polizei geräumt wird.
dpa

Migranten stehen vor dem Zeltlager, das von der Polizei geräumt wird.

Die Bewohner des Camps im Nordosten von Paris werden in rund 20 Unterkünfte in der Hauptstadtregion gebracht, kündigte Innenminister Gérard Collomb an. Der Ressortchef hatte den Schritt bereits in der vergangenen Woche angekündigt.

Laut Collomb sollen die Migranten in den Unterkünften überprüft werden. Die französische Nationalversammlung hatte erst im April der Verschärfung des Asyl- und Einwanderungsrechts zugestimmt.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte die Regierung seit Wochen aufgefordert, die Zeltlager zu räumen. "Man hätte nicht vier Monate warten müssen, um diese Menschen in Unterkünfte zu bringen", sagte die Sozialistin dem Fernseh-Nachrichtensender BFMTV. Regierungssprecher Benjamin Griveaux teilte via Twitter mit, der Staat übernehme seine Verantwortung. 

Seit Monaten siedeln sich immer mehr Migranten an den Ufern zweier Kanäle im Nordosten der Kapitale an. Hilfsorganisationen schlugen wegen der Lebensbedingungen dort mehrfach Alarm. Anfang Mai ertrank ein Bewohner eines Zeltlagers, der laut Medienberichten betrunken ins Wasser gegangen war. Die Behörden wollen nun bald zwei weitere Lager im Nordosten der Hauptstadt räumen, in denen zusammen bis zu 800 Menschen leben. 

Seit 2015 gab es in Paris bereits zahlreiche Räumungen. Pierre Henry, Chef der Hilfsorganisation France terre d'asile, sagte: "Frankreich hat sich nicht auf diese Situation vorbereitet." Das Land stelle viel zu wenige Unterkünfte zur Verfügung – auch aus Kalkül.

Die Zustände in den Zeltlagern sollen seiner Ansicht nach weitere Migranten davon abhalten, nach Frankreich zu kommen. "Das wird aber nicht funktionieren", sagte Henry. Deutschland habe viel mehr Flüchtlinge aufgenommen als Frankreich. "Trotzdem schläft dort niemand auf der Straße", sagte der Experte.

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