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„Spielzeug von Hooligans“ : Polizei in SH genervt von Fußball-Einsätzen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

30 Prozent der Einsätze stehen in Verbindung mit Fußballspielen: Polizeibeamte fordern ein besseres Vorgehen gegen Hooligans in Stadien.

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Die Polizisten der 1. Einsatzhundertschaft in Eutin haben Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) aufgefordert, Lösungen für die Hooligan-Problematik zu finden. Gut 30 Prozent der Einsätze stünden in Verbindung mit Fußballspielen, beklagt Polizeioberrat Jan-Hendrik Lewering, Chef der Hundertschaft.

Bei einem Besuch des Regierungschefs während seiner Sommertour erklärten Lewering und seine 180 Kollegen, dass die Polizei nicht mehr an jedem Spieltag zum „Spielzeug von Hooligans“ gemacht werden dürfe: „Für uns geht fast jedes Wochenende drauf.“

Und nicht nur das. Regelmäßig werden die Polizisten mit „erlebnisorientierten“ Fans konfrontiert. So hatten zuletzt 80 vermummte St. Pauli-Anhänger in Lübeck die Einlasskontrolle durchbrochen, vier Ordner überrannt und waren in den Block gestürmt, ohne das Spiel in der Regionalliga Nord zu bezahlen. Es bedurfte 200 Polizisten, um die Chaoten zu isolieren und ihre Personalien aufzunehmen. Es gab 79 Anzeigen, unter anderem wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung.

„Am zweiten Augustwochenende wird es allein in Schleswig-Holstein fünf Begegnungen geben, weshalb über 300 Beamte an zwei Tagen im Einsatz sein werden“, sagt Lewering. Neben der 1. Einsatzhundertschaft sind es Männer und Frauen aus den regulären Dienststellen, die zu einer Hundertschaft zusammengezogen werden. Leidtragende seien Angehörige und Kollegen, die im Einzeldienst einspringen müssten. Zugführer Peter Thein: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Minderheit von etwa 200 Personen in Schleswig-Holstein einen solchen Aufwand provoziert.“

Albig machte keine Versprechungen. Er habe den Wunsch an die Politik registriert, das Problem stärker anzugehen, sagte er den Polizisten.

Die Bremer Bürgerschaft hat im Oktober 2014 ein Gebührengesetz verabschiedet, auf dessen Grundlage das Land bei Risikospielen Kostenbescheide an die Deutsche Fußball Liga (DFL) verschicken will. Der Vorstoß ist umstritten. „Das Problem wird dadurch auch nicht gelöst“, glaubt Manfred Börner, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Er sieht vielmehr die Veranstalter in der Pflicht: „Ich erwarte, dass sie konsequent gegen Hooligans vorgehen.“

Die Vereine müssten die Chaoten fern halten. Börner: „Das geht nur mit einem Stadionverbot. Auch wenn das bedeutet, dass gewaltbereite Fans registriert und auf einer Liste geführt werden müssen – und niemand mehr ohne Personalausweis ins Station kommt.“ Man sei mit der DFL im Gespräch, betont Börner und fügt hinzu. „Nur leider geht es nicht voran.“

Denkbar ist auch eine Steuerung des Publikums über den Preis, wie in England. Dort gibt es keine Stehplätze und exorbitant teure Tickets. „Und kaum noch Probleme“, wie Zugführer Thein anmerkt.

 

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