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Politik

19. August 2017 | 17:21 Uhr

Piano-Probleme

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Klaviere gelten als problematische Musikinstrumente. Zwar sind sie ähnlich berühmt wie die Geige, lassen sich aber wesentlich schlechter transportieren. Deshalb sind sie auch seltener in Kriminalfälle verwickelt. Wie mühsam es ist, ein Piano in den 3. Stock zu wuchten, wissen die Freunde von Loriots Sketchen (Ein Klavier, ein Klavier), und aus dem Leben des Detlev von Liliencron ist die Episode bekannt, wie der Dichter seiner Freundin ein Piano anlieferte. Da der Aufgang zu eng war, ließ er das teure Stück in das obere Stockwerk ziehen, wo es jedoch nicht ankam, da die Seile rissen. Totalverlust.

Eine andere betrübliche Geschichte spielt zurzeit in Nürnberg. Dort steht eine der letzten deutschen Klaviermanufakturen vor dem Ende. In der Musikwelt hat der Name Feurich seit mehr als 100 Jahren einen guten Klang, und nun ist das Traditionsunternehmen insolvent. China soll die Rettung bringen. Von dort kommt nicht nur der allgegenwärtige Star Lang Lang, sondern auch sein Handwerkszeug. Nur noch 10 000 Instrumente werden jährlich in Deutschland hergestellt, zwei Drittel gehen in den Export. Davon ein erheblicher Teil nach China.

Im Reich von Beethoven und Mozart gibt es nur noch wenig Menschen, die in einen Flügel ebenso viele Euro investieren wollen wie in ein PS-starkes Auto. Und wer sich einen Steinway oder Bechstein räumlich und finanziell leisten könnte, fürchtet die mit der Anschaffung verbundene Mühe. Denn der Weg bis zu wohlklingenden Tönen auf edlem Prunkstück ist beschwerlich und wird vom Nachwuchs, von Ausnahmen abgesehen, als Beeinträchtigung der Lebensqualität gesehen, wenn nicht gar als Misshandlung.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 12:03 Uhr

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