Pfiff, Nicht-Pfiff, Abpfiff

shz.de von
26. Juni 2014, 11:52 Uhr

Angeblich ist Barack Obama der mächtigste und zugleich einsamste Mann der Welt. Vier Wochen lang stimmt das nicht. In dieser Zeit heißen die Mächtigen und Einsamen Velasco, Pitana oder Rizzoli. Es sind die WM-Schiedsrichter. Pfiff oder Nicht-Pfiff ist bei ihnen die Frage. Und Millionen Experten schauen bei der Arbeit zu. Mit Hilfe der Zeitlupe entgeht ihnen nicht der kleinste Fehler. Man stelle sich vor, mit gleicher Aufmerksamkeit und gleichen Folgen müssten die Leitwölfe an der Spitze von Behörden, Unternehmen, Banken rechnen. Zwei falsche Entscheidungen und sie würden ratzfatz nach Hause geschickt wie der kolumbianische Linienrichter, der seine Fahne zum falschen Zeitpunkt hob, weil er ein Abseits sah, das keines war. Ganz oben in der Politik geht es ein wenig zu wie bei den Schiedsrichtern, aber dort gibt es ein Sicherheitsnetz, eng geflochten von den jeweiligen Parteien. Es reißt erst dann, wenn sich die Fehlentscheidungen häufen und die Fans, sprich Wähler und Medien, allzu empört reagieren. Doch selbst beim Platzverweis versinken die Versager selten so tief wie die Rodriguez’, Proencas und Veras nach dem Abpfiff.

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