Demos am Montag : Pegida wächst, aber Widerstand wird noch stärker

30.000 Menschen gingen in Leipzig gegen eine Demonstration des Pegida-Ablegers auf die Straße.
30.000 Menschen gingen in Leipzig gegen eine Demonstration des Pegida-Ablegers auf die Straße.

Die Anti-Islam-Bewegung kann nur in Dresden viele Anhänger mobilisieren. Heute gehen die Menschen wieder auf die Straße.

shz.de von
13. Januar 2015, 11:01 Uhr

Dresden/Hannover | Neue Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida und Gegenproteste sind weitgehend ruhig verlaufen. Als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris demonstrierten in vielen deutschen Städten Zehntausende Menschen für ein friedliches Zusammenleben der Religionen und gegen Pegida.

Bei einer Demonstration der Pegida und Gegenprotesten in Hannover wurden acht Menschen vorläufig festgenommen, teilte die Polizei mit. Vier Teilnehmer der Pegida-Gruppe Hagida aus Hannover wurden am Montagabend wegen Sachbeschädigung, Widerstandes, versuchter Gefangenenbefreiung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen abgeführt. Unter den rund 200 Teilnehmern seien auch 60 aus dem gewaltbereiten rechten Spektrum gewesen, teilte die Polizei mit.

In den Reihen der rund 2500 Menschen, die den Aufzug verhindern wollten, seien etwa 300 gewaltbereite Demonstranten linker Gruppierungen gewesen. Während und nach dem Abschluss der Pegida-Demonstration sei es zu massiven Übergriffen einiger Teilnehmer der Gegenproteste gegen die Polizei gekommen. Dabei seien vier Personen vorläufig festgenommen worden. Bei der zentralen Gegenversammlung demonstrierten rund 17.000 Menschen friedlich.

Bundesweit nahmen nach Schätzungen insgesamt etwa 100.000 Menschen an den Kundgebungen teil. Trotz wachsender Kritik und Spott von Karikaturisten hat das Pegida-Bündnis an seinem Entstehungsort weiter Zulauf.

Teilnehmer einer Kundgebung der Anti-Islam-Bewegung Pegida beim Marsch durch Dresden.
Arno Burgi/dpa
Teilnehmer einer Kundgebung der Anti-Islam-Bewegung Pegida beim Marsch durch Dresden.
 

Nach Angaben der Polizei beteiligten sich am Montag in Dresden über 25.000 Menschen am zwölften sogenannten Abendspaziergang, um gegen eine angebliche Überfremdung zu demonstrieren - 7000 mehr als zuletzt und so viele wie noch nie.

Ein ganz anderes Bild bot Leipzig, wo rund 30.000 Menschen gegen eine erste Demonstration eines Pegida-Ablegers auf die Straße gingen. Dem Legida-Aufruf folgten laut Polizei 4800 Islam-Kritiker. Dabei kam es vereinzelt zu Rangeleien.

Brennende Müllcontainer in Leipzig: Am Rand einer Demo gegen die islamkritische Legida-Bewegung ist es zu kleineren Ausschreitungen gekommen.
Sebastian Willnow/dpa
Brennende Müllcontainer in Leipzig: Am Rand einer Demo gegen die islamkritische Legida-Bewegung ist es zu kleineren Ausschreitungen gekommen.
 

In München nahmen rund 20.000 Menschen an einer Demonstration unter dem Motto „München ist bunt“ teil. In Saarbrücken versammelten sich 9000 Menschen zur Protestdemonstration unter dem Motto „Bunt statt braun“.

Auch am Dienstag gehen die Menschen wieder auf die Straße: In Berlin werden am Dienstag (18.00 Uhr) Tausende Menschen zur gemeinsamen Kundgebung der Spitzen von Staat und Gesellschaft mit den Verbänden der Muslime erwartet. Die Veranstaltung unter dem Motto „Zusammenstehen - Gesicht zeigen“ richtet sich gegen islamistischen Terror. Zugleich soll für ein friedliches Zusammenleben der Religionen geworben werden. Der Zentralrat der Muslime und die Türkische Gemeinde haben die Kundgebung vor dem Brandenburger Tor organisiert. Unter anderem ist eine Rede von Bundespräsident Joachim Gauck geplant.

In Berlin wollen neben Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) zahlreiche Minister und Oppositionspolitiker an der Veranstaltung am Brandenburger Tor teilnehmen. Auch Vertreter von Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft haben ihre Teilnahme angekündigt. Merkel hatte am Montag betont, auch der Islam gehöre zu Deutschland. Die Türkische Gemeinde in Deutschland hofft auf eine Signalwirkung durch die gemeinsame Kundgebung in Berlin. „Ich hoffe, dass da ein Wir-Gefühl entsteht. Wir sind Deutschland“, sagte der Bundesvorsitzende Gökay Sofuoglu der „Passauer Neuen Presse“. Sofuoglu reagierte zurückhaltend auf Merkels Bekenntnis zum Islam in Deutschland. „Im jetzigen Klima ist es schön, das zu sagen. Aber es muss genau definiert werden, was man damit gemeint ist.“ Nach den Terroranschlägen von Paris in der Vorwoche nimmt Frankreich am Dienstag (11.00 Uhr) Abschied von den erschossenen Polizisten. Zu der Veranstaltung in der Präfektur der Polizei in Paris wird auch Präsident François Hollande erwartet. Beim Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ waren ein Polizist und ein als Personenschützer für einen der Zeichner abgestellter Beamter getötet worden. Im Süden der Stadt wurde zudem am Donnerstag eine Polizistin mutmaßlich von einem der Islamisten erschossen.

Für die insgesamt 17 Opfer der Anschläge und Geiselnahmen ist in dieser Woche eine zentrale Trauerfeier im Invalidendom von Paris vorgesehen. Dafür gibt es noch keinen Termin.

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