Erste Demo 2015 : „Pegida“ demonstriert in Dresden – „Tegida“ in Hamburg

Erstmals im neuen Jahr demonstrieren in Dresden erneut die Anhänger des islamkritischen Bündnisses. In Hamburg findet eine erste Gegendemo mit 4000 Teilnehmern statt, obwohl die „Pegida“ hier bislang nicht demonstrierte.

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05. Januar 2015, 10:54 Uhr

Dresden/Hamburg | Begleitet von Protesten will das islamkritische Pegida-Bündnis am Montagabend erstmals im neuen Jahr wieder durch Dresden ziehen. Vor Weihnachten waren rund 17.500 Menschen dem Aufruf der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ gefolgt - so viele wie nie zuvor. Ihr Protest richtet sich gegen die angebliche „Überfremdung“ Deutschlands.

Neben Berlin wollen Ableger der Bewegung auch in Köln auf die Straße gehen. Dort soll allerdings aus Protest gegen die „Pegida“-Demonstration die Außenbeleuchtung des Doms, das Wahrzeichen der Stadt, abgeschaltet werden. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hat zur Teilnahme an Gegenkundgebungen aufgerufen. Die Kölner sollten ein „deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung“ setzen, sagte Roters nach Mitteilung der Domstadt. Auch die Kölner CDU kündigte an, gegen die Pegida-Demo mit auf die Straße zu gehen und betonte: „Fremdenfeindliche Proteste dulden wir nicht in unserer Stadt.“

In Dresden, Berlin und Köln sowie in Stuttgart wird es Gegendemonstrationen geben. Diese wenden sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und machen sich für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland stark. In Dresden haben zwei Musikbands zu einem symbolischen „Neujahrsputz“ des Pegida-Kundgebungsortes aufgerufen.

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, warnt Christen vor einer Teilnahme an den islamfeindlichen Kundgebungen. „Wir können nicht das Abendland verteidigen, indem wir den Islam als Feind ausrufen“, sagte der im November aus dem Amt geschiedene Schneider der „Rheinischen Post“ (Montag). Christinnen und Christen hätten auf diesen Kundgebungen nichts zu suchen.

Schneider warnte die Politik davor, Forderungen der „Pegida“-Protestler aufzunehmen: „Hier müssen wir widersprechen und deutlich sagen, dass das Unsinn ist.“ Experten ordnen Teile der Organisatoren und Demonstranten von „Pegida“ dem rechtsextremen Spektrum zu. Genährt wird die Bewegung nach Ansicht von Sozialforschern von einer diffusen Angst vor sozialem Abstieg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in ihrer Neujahrsansprache dazu aufgerufen, sich nicht den Demonstrationen anzuschließen. Die Organisatoren hätten oft „Kälte, ja sogar Hass“ in ihren Herzen.

Nach der AfD und der CSU zeigt nun auch FDP-Vize Wolfgang Kubicki Verständnis für die Protestbewegung Pegida. „Es sollte jedenfalls nicht so sein, dass sich einerseits durch verstärkten Zuzug von Menschen aus islamischen Ländern die Gefährdungslage bei uns in Deutschland erhöht und zum selben Zeitpunkt der Leiter des Bundesamtes für den Verfassungsschutz erklärt, dass er nicht ausreichend Personal habe, um nach Deutschland zurückkehrende IS-Kämpfer zu überwachen“, sagte Kubicki in einem Interview der Zeitung „Die Welt“ (Montag). Es sei falsch, die Menschen, die sich in Dresden an den Demonstrationen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ beteiligen, als „ausländerfeindlich“ zu diskreditieren, fügte er hinzu. Kubicki sagte: „Wenn ich in einem Ort XY ein Flüchtlingsheim errichte, kann ich dort nicht gleichzeitig die Polizeistation schließen.“

Obwohl in Hamburg bisher keine „Pegida“-Demo stattgefunden hat, gibt es nun eine erste Gegen-Demo. Die Veranstalter nennen sich „Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes“, kurz Tegida. Innerhalb kurzer Zeit haben sich schon mehr als 4000 Menschen auf Facebook zu der Veranstaltung angemeldet.

Die Demo soll laut Veranstalter „friedlich aufzeigen, dass auch Hamburg etwas gegen den 'ganz normalen Alltagsrassismus' hat, den Pegida propagandiert“. Angelehnt ist die Aktion an die Protestkundgebung in München, wo kurz vor Weihnachten rund 12.000 Anti-Pegida-Demonstranten gegen 20 „Pegida“-Anhänger Farbe bekannten.

Die Demonstration begann um 18.30 Uhr am Glockengießerwall. Es sollte keine Reden geben und auch keine Lauf-Route. Angemeldet sei nur ein „Beisammenstehen mit Plakaten“, hieß es auf der Facebook-Seite.

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