„Vi är folket!“ : Pegida-Ableger in Skandinavien rufen zu Demos auf

Mit norwegischen Nationalflaggen ausgerüstet demonstrieren rund 200 Pegida-Anhänger in Oslo.
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Mit norwegischen Nationalflaggen ausgerüstet demonstrieren rund 200 Pegida-Anhänger in Oslo.

Dänemark, Schweden, Norwegen und sogar Island: Die Nordländer haben ihre eigenen Pegida-Ableger. In drei skandinavischen Städten soll am Montag demonstriert werden.

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16. Januar 2015, 15:22 Uhr

Pegida ist nicht nur Dresden. Inzwischen hat sich die antiislamische Bewegung von vielen unbemerkt weit über die Landesgrenzen hinweg ausgebreitet. Neben Spanien, Italien, Österreich, der Schweiz und Frankreich haben sich auch bei unseren nördlichen Nachbarn vor allem über Facebook entsprechende Gruppen formiert. Im norwegischen Oslo, in Kopenhagen und Aarhus soll am kommenden Montag demonstriert werden – ganz nach deutschem Vorbild.

Norwegen

„Wir sind das Volk!“ rufen die rund 190 Menschen in Olso, die am vergangenen Montag erstmals mit norwegischen Landesfahnen bestückt auf die Straße gehen. Die entsprechende Facebook-Gruppe mit nunmehr rund 3500 Unterstützern wurde am 27. Dezember 2014 gegründet, auch hier werden kurioserweise viele deutsche Formulierungen der Ursprungsbewegung übernommen.

Hinter dem norwegischen Ableger der Bewegung stehen laut dem norwegischen Journalisten und Rechtsextremismusexperten Øyvind Strømmen viele Organisationen mit eindeutig rechtsradikalem Hintergrund, wie etwa die „Norwegian Defence League“ oder die antiislamische Initiative „Stop the Islamisation of Norway“. Das Pikante: Pegida-Norge-Sprecher Max Hermansen ist derzeit als Lehrer an zwei Gymnasien beschäftigt. Dort unterrichtet er auch muslimische Schüler. Laut Rektor Kjell Ove Hauge soll die Sache nun schulintern diskutiert werden, berichtet die norwegische Zeitung Aftenposten.

Auf die Frage nach den Beweggründen der norwegischen Demonstranten bekam am Montag zumindest Kadafi Zaman, Reporter des norwegischen Senders TV2 eine unmissverständliche Antwort. Nachdem ein Demonstrant dem Journalisten mit pakistanischen Wurzeln Zigarettenrauch ins Gesicht blies und Affengeräusche machte, teilte er ihm mit: „Wir demonstrieren gegen Muslimteufel und scheiß Einwanderer wie dich.“ Sprecher Hermansen zeigte sich über diese in den norwegischen Nachrichten ausgestrahlte Szene nicht erfreut. In einem Facebook-Post beteuert er am Dienstag: „Wir sind keine Rassisten und wir sind nicht gegen Einzelpersonen.“

Nach dem gesteigerten medialen Interesse in Norwegen ist es laut Strømmen denkbar, dass der kommende Protestmarsch noch mehr Zulauf bekommt. Er bezweifle aber, dass die Pegida-Bewegung in Norwegen nach den fragwürdigen öffentlichen Äußerungen einiger Unterstützer auf großes Interesse außerhalb der äußeren Rechten stoßen wird.

Schweden

Noch größer ist die Angängerschaft der schwedischen Pegida-Gruppierung auf Facebook. Die am 25. Dezember 2014 gegründete Seite Pegida Sverige zählt inzwischen fast 8000 Likes. Protestmärsche wurden auf schwedischer Seite jedoch noch keine angemeldet. Initiator der schwedischen Bewegung ist einem Bericht des deutsch-schwedischen Radiosenders SverigesRadio zufolge der ehemalige Galerist Henrik Rönnequist. 2014 soll er nach einer Ausstellung volksverhetzender Darstellungen bereits verurteilt worden sein. Zu seinen Beweggründen sagt Rönnequist gegenüber SverigesRadio: „Schwedische Traditionen, unsere gemeinsamen Werte, unsere Kultur wird verdrängt“.

Island

Erstaunlich hoch sind auch die Unterstützerzahlen der Pegida Iceland, deren Facebook-Seite erst am vergangenen Sonntag online ging. Inzwischen konnte der isländische Ableger rund 1200 Likes sammeln. Wer hinter dem Facebook-Auftritt steht, ist noch unklar. Auf der Seite wurde unter anderem der Aufruf geteilt, sich dem Bau einer Moschee in Reykjavík zu widersetzen. Die hitzige Debatte um den Bau der ersten Moschee in Island keimt seit Jahren immer wieder auf.

Foto: Screenshot Pegida Iceland

Dänemark

Mit 620 Facebook-Unterstützern ist die Anhängerschaft auf dänischer Seite vergleichsweise klein. Dennoch wurden hier für den kommenden Montag gleich zwei Kundgebungen angemeldet. Im Gespräch mit dem dänischen Nachrichtenportal „The Local dk“ gibt sich Veranstalter Nicolai Sennels gemäßigt. „Wir wollen verhindern, von Idioten oder Rassisten eingenommen zu werden. Es wäre schade, denn es gibt eine Menge normaler dänischer Bürger – Lehrer, meine Mutter, etc. – die nicht für die rechten Parteien stimmen und trotzdem ihre Aversion gegen die gewalttätigen Gruppierungen innerhalb des Islam kundtun wollen.“ Offizielle Verbindungen zur deutschen Pegida-Bewegung gibt es laut Sennels nicht.

In Kopenhagen wollen laut Facebook 280 Personen an der Demonstration teilnehmen. Eine von der Organisation „Revolutionære Antifascister“ ins Leben gerufene Gegenveranstaltung zählt am Freitag 490 Teilnehmer und auch in Norwegen regt sich Widerstand. Rund 500 Menschen, darunter Organisationen wie Amnesty International und das Antirasistsische Zentrum demonstrierten am vergangenen Montag parallel zu den Pegida-Anhängern in Oslo. Auch Øyvind Strømmen glaubt nicht daran, dass sich die Pegida-Ableger in Skandinavien langfristig durchsetzen werden.

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