91 Jahre alt : Paul Bocuse ist tot - die Kochwelt trauert

Paul Bocuse ist mit 91 Jahren gestorben. /Archiv
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Paul Bocuse ist mit 91 Jahren gestorben. /Archiv

Paul Bocuse war die Inkarnation der französischen Küche und auch weltweit der berühmteste Vertreter seiner Zunft. Nun ist er mit 91 Jahren in seinem Heimatort bei Lyon gestorben.

shz.de von
20. Januar 2018, 21:41 Uhr

Der weltberühmte Koch Paul Bocuse ist tot. Er starb am Samstag in seinem Restaurant «L’Auberge du Pont de Collonges» in seinem Heimatort Collonges-au-Mont-d'Or in der Nähe von Lyon, in dem er auch 1926 zur Welt gekommen war, wie französische Medien übereinstimmend berichteten.

«Paul Bocuse ist tot», twitterte der französische Innenminister und frühere Bürgermeister von Lyon, Gérard Collomb. «Die Gastronomie trauert. Monsieur Paul war Frankreich. Einfachheit und Großzügigkeit. Vorzüglichkeit und die Kunst zu leben. Der Papst der Gastronomen hat uns verlassen.» Bocuse - Markenzeichen: Trikolore-Kragen und hohe Kochmütze - hatte zwischen 1958 und 1965 drei Michelin-Sterne für seine Künste verliehen bekommen. Er verlor sie nie.

Präsident Emmanuel Macron würdigte Bocuse als «die Inkarnation der französischen Küche». «Sein Name steht in der französischen Küche für Großzügigkeit, für Respekt der Traditionen und auch für seinen Einfallsreichtum.» Die französische Gastronomie verliere «eine mythische Figur, die sie in großer Form geprägt hat», teilte Macron mit. Alle Köche weinten um ihn, «im Elysée und in ganz Frankreich. Aber sie werden seine Arbeit fortsetzen.»

Spitzenkoch Harald Wohlfahrt würdigte Bocuse als «einen ganz Großen, wenn nicht den Größten» seiner Zunft. «Bocuse hat ganze Generationen von Köchen geprägt», sagte Wohlfahrt am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. «Er hat die Köche hinter dem Herd herausgeholt und sie in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt.» Er sei froh, seine Gastfreundschaft kennengelernt zu haben.

Tief betrübt zeigte sich Starkoch Eckart Witzigmann. «Es tut mir das Herz weh», sagte der Gastronom der dpa in Kitzbühel am Rande des Hahnenkamm-Skirennens. «Es ist ein riesiger Verlust für die Gastronomie.» Bocuse habe vorgezeigt, wie man als Koch Gäste vorbildlich betreut, von der persönlichen Begrüßung bis zur Verabschiedung. «Paul war ein Gastgeber, wie er sein soll», sagte der Österreicher Witzigmann (76). In den späten 60er Jahren durfte Witzigmann eine Zeit lang in Bocuses Küchenteam arbeiten. Er sei damit wohl einer der ersten nicht französisch sprechenden Köche in der Brigade des Meisters gewesen, sagte Witzigmann.

«Paul Bocuse ist in den letzten 50 Jahren sicherlich in der Welt das Aushängeschild für Küchenkultur, für Hochküche und für Kulturprägung in der Küche», sagte einmal der deutsche Sterne-Koch Frank Rosin («Rosins Restaurants» auf Kabel eins). Der deutsche TV-Koch Tim Mälzer twitterte nach Bocuses Tod: «91 lange Jahre. Eine Legende ist tot. Ruhe in Frieden Paul Bocuse.»

Bocuse galt als der «Papst der französischen Küche», der Gastronomieführer «Gault&Millau» nannte ihn «Koch des Jahrhunderts». Sein Drei-Sterne-Tempel «L’Auberge du Pont de Collonges» galt als Pilgerort für Gourmets aus aller Welt: Paul Bocuse schlug in der französischen Spitzengastronomie so ziemlich alle Rekorde.

Der Spitzenkoch wurde weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus zur Ikone der verfeinerten Lebensart mit exquisiten Speisen und Getränken. Bocuse gehörte zu den Vertretern der «Nouvelle Cuisine», eine Bewegung damals junger Köche, die die französische Küche entstauben wollten. Einfache Zubereitung, frische Zutaten, Regionalität - das waren die Grundlinien.

Bocuse gründete mindestens 20 Restaurants, einige auch in Japan. Der Herd und sein Geschäftssinn machten ihn reich: Sein geschätztes Vermögen betrug 50 Millionen Euro. Die französische Nachrichtenagentur AFP nannte ihn am Samstag einen «Epikur mit überbordender Energie, einen unermüdlicher Globetrotter, der sein Leben der Gastronomie gewidmet hat.»

In seinem Buch «Paul Bocuse, le Feu sacré», das 2005 erschien, bezeichnete sich «Monsieur Paul» als ein Anhänger der traditionellen Küche, der «Butter liebt, Sahne und Wein» und nicht etwa «kleine Erbsen durch vier geteilt». Seine Arbeit war sein Leben: «Ich arbeite so, als würde ich 100 Jahre leben und ich genieße das Leben, als wäre jeder Tag der letzte.»

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