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Papst lässt Tebartz-van Elst warten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ewige Stadt lässt sich vom Bischof aus dem fernen Limburg nicht aus der Ruhe bringen. Papst Franziskus ging auch gestern zu früher Stunde in seine Morgenmesse im Vatikan-Gästehaus Santa Marta. Und auch im Laufe des Tages vertrieb sich das Oberhaupt der Weltkirche eher mit anderen Gesprächspartnern die Zeit als mit den Gästen aus Deutschland – dem stark unter Druck stehenden Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (Foto) und Robert Zollitsch, seinem ebenfalls angereisten Amtsbruder aus Freiburg und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Während sich der Vatikan nach außen eher gelassen gibt, hat am Tiber aber hinter den Kulissen längst das Tauziehen um Tebartz-van Elst begonnen. Der Papst hat die Qual der Wahl: Er könnte ihn versetzen auf ein anderes, weniger öffentliches Amt als den Limburger Bischofssitz – das wäre eine eher gesichtswahrende Lösung für den angeschlagenen deutschen Amtsträger. Oder wird Franziskus seinen ungebetenen Gast drängen, auf sein Amt zu verzichten, wie es im Bistum Limburg lautstark seit Wochen von allen Seiten gefordert wird? Der Papst, der eine „arme Kirche der Armen“ propagiert, könnte in den kommenden Tagen eine Beschluss fassen.

Derweil geht die hitzige Debatte in Deutschland weiter: Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich in die Debatte um Protz und Prunk ein. Sie hoffe, „dass es eine Lösung für die Gläubigen sein wird, für das Vertrauen der Menschen in ihre Kirche“. Amtsbrüder wie Triers Bischof Stephan Ackermann distanzieren sich von Tebartz-van Elst.

Für mehr Transparenz der kirchlichen Haushalte sprachen sich Politiker von SPD und Grünen aus. Barbara Hendricks, Bundesschatzmeisterin der SPD und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sagte, die Mitglieder der Kirche hätten einen Anspruch darauf, dass in den entsprechenden Gremien volle Transparenz über Einnahmen und Ausgaben hergestellt werde. Grünen-Politiker Josef Winkler sagte, die Kirche müsse ihre Finanzen offen legen.

Tebartz-van Elst wird vorgeworfen, die Baukosten für seine Bischofsresidenz in Limburg systematisch verschleiert und durch luxuriöse Sonderwünsche ständig erhöht zu haben. Ursprünglich sollte der Neubau 2,5 Millionen Euro kosten, inzwischen sind es mindestens 31 Millionen. Die Mehrkosten übernahm der Bischöfliche Stuhl, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, deren Vermögen nicht öffentlich bekannt ist und über das nur der Bischof und ein Vermögensverwaltungsrat verfügen. Die Ursprünge des bischöflichen Vermögens liegen im Mittelalter. Es stammt etwa aus Stiftungen oder Erträgen weltlicher Herrschaft vor der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Parallel dazu gibt es den öffentlichen Haushalt, der vor allem aus der Kirchensteuer gespeist wird.

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erstellt am 15.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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