Ukraine-Krise : Ostukraine: Separatisten kündigen Großoffensive an

Versuche einer Waffenruhe wird es nicht mehr geben. Zumindest nicht nach dem Willen des ostukrainischen Separatistenführers.

shz.de von
23. Januar 2015, 12:25 Uhr

Donezk | Nach dem Blutbad an einer Bushaltestelle im Konfliktgebiet Donezk haben die prorussischen Aufständischen eine neue Großoffensive angekündigt. Es solle die gesamte Krisenregion erobert werden - „notfalls“ auch über die Gebietsgrenze von Donezk hinaus, sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko am Freitag in Donezk. „Falls ich eine Gefährdung für die Donezker Erde von irgendeiner Siedlung sehe, werde ich diese Gefahr auch dort beseitigen“, drohte er. Versuche einer Waffenruhe werde es vonseiten der Aufständischen nicht mehr geben. Bewaffnete Kräfte der „Volksrepubliken“ würden derzeit auf mehrere Orte vorstoßen.

Die Auseinandersetzungen in der Ostukraine weiteten sich im vergangenen Jahr zu einem bewaffneten Konflikt aus. Die Übergangsregierung beschuldigte Russland seit der Absetzung vom ukrainischen Präsidenten Janukowytsch, die Unruhen zu schüren.

Der Einschlag einer Granate an der Bushaltestelle mit mindestens 13 Toten hatte bereits am Donnerstag Hoffnungen auf eine Entspannung einen Dämpfer verpasst. Nur Stunden zuvor hatten die Außenminister der Ukraine und Russlands unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs in der Nacht in Berlin den Abzug schwerer Waffen aus einer Pufferzone vereinbart. Danach sprach Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier von „wahrnehmbaren Fortschritten“. Es komme nun darauf an, wie die Vereinbarung umgesetzt werde. Die prorussischen Aufständischen und die ukrainische Regierung waren jedoch zunächst damit beschäftigt, sich gegenseitig die Schuld für den Tod der 13 Zivilisten zu geben.

Die Regierungstruppen und die prorussischen Separatisten berichteten von einem Andauern der Kämpfe im Gebiet Donezk, darunter auch am Flughafen der Großstadt. Nach Darstellung der Aufständischen starben in der Nacht zum Freitag mindestens 16 Zivilisten. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Der Separatistensprecher Eduard Bassurin sprach zudem von erheblichen Verlusten in den eigenen Reihen. 24 Aufständische seien getötet, weitere 30 verletzt worden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen