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US-Journalist James Foley : Online-Dienste bremsen Verbreitung des Islamisten-Videos

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Grausame Aufnahmen der angeblichen Ermordung des US-Journalisten James Foley kursieren im Internet. Die Online-Netzwerke Twitter und YouTube versuchen nun, die Propaganda der IS-Terrormiliz einzudämmen.

Berlin | Viele deutsche Medien wollen keine Aufnahmen aus einem angeblichen Enthauptungs-Video der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zeigen. Das Video soll die Ermordung des amerikanischen Fotoreporters James Foley durch die radikalen IS-Kämpfer zeigen. Das Online-Netzwerk Twitter will ebenfalls aktiv gegen die Verbreitung des Materials vorgehen, sollten Nutzer die Aufnahmen hochladen.

Die Videoplattform YouTube betonte, Gewaltdarstellungen seien nicht erlaubt. Allerdings würden nicht alle Videos, die Gewalt zeigten, gelöscht: Journalistische Berichte etwa seien erlaubt. Auf den Online-Netzwerken werden die Inhalte von Nutzern hochgeladen. Daher können auch gelöschte Videos dort immer wieder auftauchen.

Die Mehrheit der deutschen Medien verzichtet auf die Aufnahmen. „Die Bilder zu zeigen, wäre reine Propaganda für den IS“, sagte der Geschäftsführende Redakteur von Spiegel Online, Rüdiger Ditz, der Nachrichtenagentur dpa. Heribert Prantl, Leiter des Politikressorts der „Süddeutschen Zeitung“, befand ebenfalls: „Man darf sich nicht zum nützlichen Idioten von terroristischen Verbrechern machen.“ Es reiche aus, die Tat in Worten zu beschreiben.

Die Terrormiliz führe einen „Propagandakrieg“, sagte der stellvertretende Chefredakteur von Zeit Online, Markus Horeld. Für die Milizen sei es sehr wichtig, „Bilder, Videos, Ansichten, Drohungen, Einschüchterung zu verbreiten“. Daran wolle man sich nicht beteiligen.Auch die Fernsehsender ARD, ZDF und RTL wollen keine Ausschnitte aus dem Video zeigen, das die Miliz „Islamischer Staat“ verbreitet habe.

Die TV-Sender wollen allein Standbilder einblenden, die auch nicht die Ermordung selbst zeigen. Andere Medien verwendeten Ausschnitte aus dem Video.Das Material verbreitet sich auch über Online-Netzwerke. Twitter will dagegen vorgehen. „Wir haben bereits aktiv Nutzerkonten gesperrt und werden dies weiter tun, wenn die Nutzer uns im Zusammenhang mit diesen drastischen Aufnahmen auffallen“, teilte Twitter-Chef Dick Costolo am Mittwoch über das Online-Netzwerk mit.

Twitter könne solche Aufnahmen aus Respekt für die Angehörigen von Verstorbenen entfernen, erklärte das Unternehmen. Die „Washington Post“ berichtete, dass die Außen- und Verteidigungsministerien der USA sich an die Betreiber der Online-Dienste gewandt hätten und um einen angemessenen Umgang mit den Aufnahmen gebeten hätten.

Schon zuvor waren mindestens ein Twitter-Profil und ein YouTube-Video, die in Medienberichten der IS-Miliz zugeordnet wurden, von den Anbietern gesperrt worden. YouTube wollte sich zu dem konkreten Fall nicht äußern. Doch die Richtlinien der Plattform sind deutlich. „Gewaltdarstellung ist ganz klar verboten“, sagte eine YouTube-Sprecher der dpa. „Wenn jemand mehrmals gegen die Richtlinien verstößt, wird er auf jeden Fall gesperrt.“  Allerdings sei der Kontext eines Videos entscheidend: „Wir wollen natürlich die Meinungsfreiheit auf YouTube gewährleisten.“ Daher finde keine automatisierte Löschung statt. Melden Nutzer ein Video, werde es von Mitarbeitern geprüft und gegebenenfalls entfernt.

Mehrere Twitternutzer riefen am Mittwoch dazu auf, die Aufnahmen nicht zu verbreiten. Eine junge Frau forderte unter dem Hashtag „#ISISMediaBlackout“ eine Mediensperre für die Miliz, die sich „Islamischer Staat“ nennt. „Ab sofort werde ich kein Foto oder Video mehr teilen, das Gewalt zeigt, die gezielt von ISIS für ihre Propaganda aufgenommen und veröffentlicht wird“, versprach die Frau.

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erstellt am 20.Aug.2014 | 17:11 Uhr

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