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Gedenkstätte „Einschnitt“ in München : Olympia-Attentat 1972: Israels Präsident und Steinmeier eröffnen Denkmal

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Damals starben elf israelische Sportler, ein Polizist und fünf Geiselnehmer bei einer missglückten Befreiungsaktion.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 12:37 Uhr

München | Mit einer emotionalen Feier haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Israels Staatspräsident Reuven Revlin eine Gedenkstätten für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 eröffnet. „Viel zu lange fehlte dieser Ort, viel zu lange sind die Opfer in der öffentlichen Wahrnehmung hinter den Tätern verblasst“, sagte Steinmeier bei dem Festakt am Mittwoch in München. An der Eröffnungszeremonie im Olympiapark nahmen auch Hinterbliebene der Opfer und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) teil. Dieser rief zum Kampf gegen Antisemitismus auf.

Rivlin bezeichnete die Errichtung des Gedenkortes als längst überfällig. „Fast ein halbes Jahrhundert haben die Familien der Opfer und der Staat Israel auf diesen Moment gewartet“, sagte er. Einige der Überlebenden des Angriffs seien mittlerweile gestorben. In der Gedenkstätte sind die zwölf Opfer nun mit Namen und Fotos verewigt. Angehörige enthüllten die Gedenktafeln. Für viele ging damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung.

Ankie Spitzer, Witwe des Fechttrainers Andrei Spitzer, erhob jedoch schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Die Beamten seien arrogant und inkompetent gewesen und nur daran interessiert gewesen, die als heiter angekündigten Olympischen Spiele weiterzuführen. Außerdem hätten sie versucht, ihre unglaublichen Fehler zu verdecken. „Sie haben uns sogar gesagt, wir hätten den Terror auf deutschen Boden getragen.“ Für 2,35 Millionen Euro war der Entwurf „Einschnitt“ der Architekten Brückner & Brückner aus dem bayerischen Tirschenreuth und Würzburg nun realisiert worden. Er ist jederzeit zugänglich und liegt in der Nähe des Olympischen Dorfes.

Attentäter der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ hatten die Unterkunft der Israelis am 5. September 1972 gestürmt und Geiseln genommen. Später verlagerte sich das Geschehen auf den Flugplatz Fürstenfeldbruck bei München. Die Attentäter wollten von dort nach Kairo in Ägypten ausfliegen. Der Versuch, die Geiseln zu befreien, endete in einer Katastrophe. Am Ende waren elf Sportler, ein bayerischer Polizist und fünf Terroristen tot.

Ein palästinensischer Geiselnehmer auf dem Balkon eines Appartments im olympischen Dorf.
Ein palästinensischer Geiselnehmer auf dem Balkon eines Appartments im olympischen Dorf. Foto: Imago/Sven Simon

Israels Staatspräsident Rivlin sagte, dass es bis heute Leute gebe, die in diesem Massaker von München einen heroischen Akt sehen. Das dürfe nicht sein. „Wir dürfen dem Terror gegenüber nicht nachgeben. Terror muss angeprangert werden, an jedem Ort und unter jeder Bedingung“, erklärte Rivlin.

Auch Bundespräsident Steinmeier warf einen Blick in die Gegenwart und betonte, dass es immer noch Menschen gebe, die die freiheitliche Lebensform mit terroristischer Gewalt treffen und zerstören wollten.

Rivlin erneuerte eine weitere Forderung, die Angehörigen schon seit Jahrzehnten am Herzen liegt: Noch warteten die Angehörigen, dass das Unrecht korrigiert werde und zu Beginn der Olympischen Spiele eine Schweigeminute stattfinden werde, sagte er. Schon 2012 zum 40-jährigen Jahrestag des Attentats war heftig darüber debattiert worden.

„Einschnitt“ heißt der Erinnerungsort. Er hat 2,35 Millionen Euro gekostet und wurde unter anderem vom Freistaat, dem Bund, der Stadt München und dem Internationalen Olympischen Komitee finanziert.

Das Denkmal ist eröffnet.
Das Denkmal ist eröffnet. Foto: dpa
Der Gedenkort am westlichen Lindenhügel soll an die Opfer des Attentats bei den olympischen Sommerspielen 1972 in der Landeshauptstadt erinnern. Architekt des Denkmals ist Peter Brückner
Der Gedenkort am westlichen Lindenhügel soll an die Opfer des Attentats bei den olympischen Sommerspielen 1972 in der Landeshauptstadt erinnern. Architekt des Denkmals ist Peter Brückner Foto: dpa
Ein Videoloop zeigt den Ablauf der Geiselnahme bis zur Befreiung.
Ein Videoloop zeigt den Ablauf der Geiselnahme bis zur Befreiung. Foto: dpa
 
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