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Gefahr für die Umwelt : Offshore-Windräder: Rostschutz für Pfeiler vergiftet das Meer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umstrittene Windkraftanlagen: Experten drängen auf schärfere Regeln gegen Aluminium-Eintrag.

Mit den Offshore-Windkraftanlagen hat eine neue Schadstoffquelle Einzug in Nord- und Ostsee gehalten: Die unter der Wasseroberfläche liegenden Teile der Öko-Kraftwerke geben teilweise giftiges Aluminium ans Meer ab. Vor dieser Gefahr warnt die Bundesanstalt für Wasserbau (WBA). Sie drängt beim weiteren Ausbau der Windkraft vor der Küste auf schärfere Vorschriften gegen den Metall-Eintrag in die See.

Stein des Anstoßes sind kleine Elemente aus Aluminium, die auf die Außenhaut der Träger von Windkraftanlagen aufgebracht werden. Das soll verhindern, dass der Stahl der Pfeiler durch den Kontakt mit dem Wasser rostet. Dabei machen sich die Ingenieure einen physikalischen Trick zunutze: Die Aluminiumteile sind ein unedleres Metall als Stahl – und unterbinden deshalb durch eine Zufuhr von Elektroden ein Rosten des Stahls. Das Problem: Stück für Stück löst sich das Aluminium bei diesem Prozess auf. Über 25 Jahre – so hat die WBA aus Karlsruhe jetzt berechnet – gibt eine Offshore-Windkraftanlage allein für den inneren Rostschutz ihres Unterbaus bis zu zehn Tonnen Aluminium ans Meer ab. Legt man zu Grunde, dass Deutschland bis zum Jahr 2020 Meereswindparks für 6500 Megawatt bauen will, könnte das gemäß der WBA-Zahlen einen zusätzlichen Aluminium-Eintrag von etwa 13.000 Tonnen bedeuten.

„Es besteht auf jeden Fall Verbesserungsbedarf für den Korrosionsschutz bei der Offshore-Windkraft“, sagt WBA-Materialexperte Günter Binder. Er hat die Berechnungen im Auftrag des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg angestellt. Von dessen Genehmigung hängt jeder Meereswindpark ab. Der bisher kaum beachtete Aluminium-Eintrag „ist ein wichtiges Thema, weil offshore ja noch so viel weitere Windkraftleistung installiert werden soll“, sagt der Chef der BSH-Genehmigungsabteilung, Nico Nolte. „Deshalb muss die Wirtschaft beim Korrosionsschutz jetzt nachziehen.“

Der Meeresschutz-Experte des Naturschutzbunds (Nabu), Kim Detloff, nennt das Aluminium-Problem „einen Kollateralschaden beim Ausbau der Offshore-Windenergie“. Er spricht von „Fahrlässigkeit“. Aluminium steht im Verdacht, Krebs und Alzheimer zu fördern. Zudem sorgt sich Detloff, dass Korrosionsanstriche von Offshore-Bauteilen ins Wasser gelangen könnten. „Diese Frage ist ebenfalls viel zu wenig untersucht.“

WBA-Mann Binder würde es begrüßen, wenn das BSH bereits zum Sommer ein technisches Regelwerk mit höheren Umweltauflagen für den Korrosionsschutz der maritimen Windparks in Kraft setzt: „So wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben.“ Binder empfiehlt, eine Beschichtung aller Unterwasser-Teile der Offshore-Mühlen zur Pflicht zu machen. Dafür böten sich Stoffe an, wie sie etwa für Brücken oder Wasserleitungen angewendet würden.

Eine solche Ummantelung mache den Stahl grundsätzlich widerstandsfähiger gegen Rost. Verwende man dann in Kombination mit dieser Beschichtung als zusätzlichen Schutz Aluminium-Teile, reduziere sich der Eintrag des Metalls ins Meer auf ein Fünfzigstel. Noch sicherer für die Umwelt – aber auch teurer – wäre ein System, das mit so genanntem Fremdstrom arbeitet.

Sebastian Sahm, Sprecher der Stiftung Offshore-Windenergie, hält die Berechnungen der WBA für „vereinfacht“. Etwa gingen sie davon aus, dass die Windmühlen stets auf Dreier-Pfeilern stünden. Im Vormarsch seien jedoch Gründungen auf einem einzigen Pfeiler – mit entsprechend geringeren Einträgen. Zudem gebe es bei einem Teil der bestehenden Offshore-Windparks bereits einen Mix aus Korrosionsschutz per Aluminium und Beschichtungen, stellenweise auch per Fremdstrom. Wieviele Offshore-Parks mit einem Mix und wieviele mit einem Rostschutz allein per Aluminium-Verfahren arbeiten, wissen jedoch weder die Stiftung noch die Behörden.

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erstellt am 22.Mär.2015 | 20:18 Uhr

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