Groko-Regierung : Offiziell bestätigt: Das sind alle neuen Minister der Großen Koalition

<p>Andrea Nahles (4.v.l), SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag und Olaf Scholz, kommissarischer SPD-Vorsitzender stellen die Ministerliste der SPD für die neue Große Koalition vor. Von links nach rechts: Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth, Hubertus Heil, Heiko Maas, Katarina Barley, Franziska Giffey, Svenja Schulze und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil.</p>
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Andrea Nahles (4.v.l), SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag und Olaf Scholz, kommissarischer SPD-Vorsitzender stellen die Ministerliste der SPD für die neue Große Koalition vor. Von links nach rechts: Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth, Hubertus Heil, Heiko Maas, Katarina Barley, Franziska Giffey, Svenja Schulze und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil.

Das neue Kabinett Merkel steht – als letzte der drei Koalitionsparteien hat die SPD ihre Personalien geklärt.

shz.de von
09. März 2018, 13:17 Uhr

Berlin | Nach heftigem internen Ringen hat die SPD-Spitze ihr Personaltableau für die neue Große Koalition beschlossen und offiziell bestätigt.

Das sind die weiteren GroKo-Minister:

Die SPD-Minister und ihre Posten im Überblick:

Franziska Giffey
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Die 39-Jährige war bisher Bürgermeisterin in Neukölln.

 

Franziska Giffey als Familienministerin

Giffey ist seit 2015 Bürgermeisterin im Problembezirk Neukölln. Zudem ist sie seit 2014 Kreisvorsitzende der SPD Neukölln. Somit gehören Themen wie Familien, Integration und soziale Strukturen zu ihrem täglichen Brot, was sie als Familienministerin laut Andrea Nahles besonders geeignet macht.

Ursprünglich wollte sie Lehrerin für die Fächer Englisch und Französisch werden. Doch ihre Stimme machte aufgrund einer Kehlkopfmuskelschwäche nicht mit und sie brach auf Anraten der Ärzte ihr Studium ab. Franziska Giffey ist seit 2008 verheiratet. Sie hat einen Sohn, der 2009 geboren wurde. Die Familie lebt in Berlin.

Svenja Schulze
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Svenja Schulze ist seit ihrem 20. Lebensjahr Mitglied der SPD.

 

Svenja Schulze als Umweltministerin

Die SPD-Politikerin aus Münster ist für viele noch eine Unbekannte und das, obwohl sie seit 2010 im Kabinett von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als Wirtschaftsministerin mitregierte. Zudem ist sie seit Juni 2017 Generalsekretärin der SPD Nordrhein-Westfalen. 

Mit 20 Jahren trat die heute 49-Jährige in die SPD ein. Nach ihrem Abitur 1988 studierte Schulze Germanistik und Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Über ihr Privatleben ist so gut wie nichts bekannt.

Schulze spielte eine bedeutende Rolle bei der Abschaffung der Studiengebühren in NRW. Für Aufsehen sorgte 2011 der Verdacht, dass im Forschungszentrum Jülich Atomkugeln verschwunden seien. Das fiel in ihre Zuständigkeit. Schulze musste sich in einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss verantworten, den sie weitgehend unbeschadet überstand.

<p>Die 49-Jährige hat eine beeindruckende juristische Karriere zurück gelegt. </p>
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Die 49-Jährige hat eine beeindruckende juristische Karriere zurück gelegt.

Katarina Barley als Justizministerin

Die 49-Jährige wird im Merkel-Kabinett die neue Justizministerin. Als Juristin bringt sie dafür die notwendigen Voraussetzungen mit, sagte Olaf Scholz während der Pressekonferenz, auf der die neuen SPD-Minister vorgestellt wurden.

Die Tochter eines Briten und Mutter zweier Söhne hat auch eine erfolgreiche juristische Karriere vorzuweisen - von der Anwältin in einer Hamburger Großkanzlei über die wissenschaftliche Mitarbeit am Bundesverfassungsgericht bis zur Richterin.

Nach dem Abitur 1987 begann Barley ein Studium der Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg. Mit 26 Jahren trat sie der SPD bei. 2013 zog sie erstmals in den Bundestag ein.

Die 49-Jährige hat sich in Berlin den Ruf einer pragmatischen Alleskönnerin erarbeitet, als sie im September vergangenen Jahres die geschäftsführende Leitung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales von Andrea Nahles übernahm.

Heiko Maas
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Heiko Maas soll die Interessen Deutschlands in der EU vertreten.

 

Heiko Maas als Außenminister

Maas beerbt seinen Vorgänger Sigmar Gabriel, der im neuen Merkel-Kabinett keine Rolle spielen wird.

Als Saarländer weiß Maas, was das Thema Europa bedeutet und als Triathlonläufer bringt er die nötige Ausdauer mit, die es braucht, um die Interessen Deutschlands in der EU zu vertreten, sagte Andrea Nahles während der Pressekonferenz.

Maas lebt von seiner Ehefrau getrennt, mit der er zwei Kinder hat. Seit 2012 ist er in einer Beziehung mit der Schauspielerin Natalia Wörner.

Hubertus Heil
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Hubertus Heil saß als einer der Jüngsten im Bundestag.

Hubertus Heil als Arbeitsminister

Heil wurde 1972 in Hildesheim geboren. Bereits mit 16 Jahren, 1988, trat er der SPD bei und engagierte sich als Gymnasiast zunächst bei den Jusos. Zehn Jahre später saß er als einer der Jüngsten im Bundestag. Das Mandat als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Gifhorn/Peine verteidigte er bis heute.

Nach seinem Abitur studierte er Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Potsdam.

Von November 2005 an managte er vier Jahre lang die Parteizentrale, während die Sozialdemokraten Juniorpartner in der ersten Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) waren. Auch Kanzlerkandidat Martin Schulz unterstützte er ab Juni 2017 als Generalsekretär.

Als SPD-Fraktionsvize war Heil neben der Wirtschaftspolitik vor allem für Bildung/Forschung zuständig. Er schnürte dabei mit der Union ein Milliarden-Programm für die Wissenschaft.

Der 45-Jährige hat gemeinsam mit seiner Ehefrau Solveig Orlowski einen Sohn und eine Tochter.

Olaf Scholz
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Wer den Bürgermeisterposten von Olaf Scholz übernimmt, ist unklar.

 

Olaf Scholz als Finanzminister

Der Bürgermeister von Hamburg wird unter Merkel für die Finanzen verantwortlich sein. Wer die Leitung der Hansestadt übernehmen wird, ist noch unklar. Als Favorit wird SPD-Fraktionschef Andreas Dressel gehandelt.

Scholz hat seit Februar diesen Jahres den kommissarischen Parteivorsitz inne.

Geboren wurde Scholz in Osnabrück, er wuchs jedoch in Hamburg als ältester von drei Kindern auf. Nach dem Abitur 1977 studierte er an der Universität Hamburg Rechtswissenschaft. 1975 trat er in die SPD ein. Er ist seit 1985 Rechtsanwalt für Arbeitsrecht und Partner einer Hamburger Kanzlei.

Scholz hat die Berliner Politik jahrelang mitgeprägt. Er wurde 1998 erstmals in den Bundestag gewählt, wurde er vier Jahre später Generalsekretär der SPD. 2007 folgte dann der Wechsel in die Bundesregierung als Arbeitsminister unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der er künftig wieder an einem Kabinettstisch sitzen wird.

Der 59-Jährige hat keine Kinder und ist mit der SPD-Politikerin Britta Ernst verheiratet. Sie war bis Juni 2017 Ministerin für Schule und berufliche Bildung in Schleswig-Holstein. Die beiden leben in Hamburg Altona.

Die CDU-Minister und ihre Posten im Überblick:

Ursula_von_der_Leyen
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Im Amt der Verteidigungsministerin gibt es mit Ursula von der Leyen keine Neubesetzung.

 

Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin

Beim Karriereweg von Ursula Gertrud von der Leyen gab es bisher immer nur eine Richtung: Es ging nach oben. Nun aber verharrt die 58-Jährige etwas länger als sonst in einem Ressort. Die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht wird nach dem Wunsch von CDU-Chefin Merkel weiter das Verteidigungsministerium führen, das sie 2013 übernahm. 

Zuletzt hat sich von der Leyen dort gegen schwere Vorwürfe verteidigen müssen. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, fordert eine Kurskorrektur bei der Ausstattung der Truppe. Für das Material der Bundeswehr müsse deutlich mehr Geld ausgegeben werden. Die Verteidigungsministerin habe völlig falsche Akzente gesetzt. Ähnlich äußerte sich der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels. 

Die in Brüssel geborene Ärztin und Mutter von sieben Kindern war vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff 2003 als Sozialministerin in die Landespolitik geholt worden. Von 2005 bis 2009 war von der Leyen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dann von 2009 bis 2013 Bundesministerin für Arbeit und Soziales.

Peter Altmaier
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Der Saarländer wird Wirtschaftsminister.

 

Peter Altmaier als Wirtschaftsminister

Peter Altmaier folgt der Kanzlerin durch dick und dünn. Der Saarländer ist Kanzleramtsminister und führt seit dem 24. Oktober 2017 zusätzlich die Geschäfte des Bundesministeriums der Finanzen. Zuvor war der Volljurist Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Er gehört dem Deutschen Bundestag seit 1994 an.

Unter Kanzler Helmut Kohl wäre der heute 58-Jährige nichts geworden. Als junger Abgeordneter kämpfte er zum Verdruss der Partei-Rechten für die Liberalisierung des Staatsbürgerrechts, für die Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren und für die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe.

Er gehörte mit Ronald Pofalla, Norbert Röttgen und Hermann Gröhe zur „Pizza Connection“, die sich Mitte der Neunzigerjahre regelmäßig mit jungen Grünen traf. Im Keller eines Bonner Nobelitalieners schmiedeten die Schwarzen mit den Grünen Cem Özdemir, Volker Beck, Rezzo Schlauch und Steffi Lemke gemeinsame Pläne. Es war Angela Merkel, die 2002 den weitgehend unbekannten Hinterbänkler entdeckte. „Meine Karriere begann“, sagt Altmaier heute, „nachdem sie eigentlich schon zu Ende war.“ Er wurde Justiziar der Unionsfraktion und 2005 parlamentarischer Staatssekretär in dem von Wolfgang Schäuble geführten Innenministerium.

2009 beerbte er dann seinen langjährigen Weggefährten Norbert Röttgen als Fraktionsgeschäftsführer, 2012 auch als Umweltminister. 2013 machte Merkel Altmaier zum Kanzleramtsminister, 2015 zusätzlich zum Flüchtlingskoordinator. Mitte 2017 ließ sie ihn außerdem das CDU-Wahlprogramm schreiben. Und als Wolfgang Schäuble Bundestagspräsident wurde, übernahm Altmaier auch dessen Posten als Chef des Finanzressorts.

Altmaier ist hochgebildet. Er spricht fließend Englisch, Französisch und Niederländisch. Als Saarländer ist er offen – auch für die gute Lebensart. Altmaier hat manches schwierige Problem gelöst – bei einem von ihm zubereiteten Essen in seiner Berliner Altbauwohnung.

Jens Spahn war sechs Jahre lang gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion.
dpa

Jens Spahn war sechs Jahre lang gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

 

Jens Spahn als Gesundheitsminister

CDU-Chefin Angela Merkel will ihren Finanzstaatssekretär und Kontrahenten Jens Spahn (CDU) zum neuen Gesundheitsminister machen. Jens Spahn bekommt nach sechs Jahren als gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und zweieinhalb Jahren als parlamentarischer Finanzstaatssekretär damit einen Posten im Kabinett. Ihm wurde nachgesagt, im Hintergrund an einem baldigen Ende von Merkels Kanzlerschaft sowie an einer konservativen Wende der CDU zu arbeiten. 

Im November 2015 legte Spahn ein Buch mit dem Titel „Ins Offene“ vor, in dem unter anderen Boris Palmer, Julia Klöckner, Klaus von Dohnanyi, Paul Ziemiak und Markus Söder ihre Sicht der Dinge zur Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 darlegten. Spahn spricht in dem Buch von einer „Disruption des Staates“ und kritisierte in diesem Zusammenhang die Flüchtlingspolitik von Merkel. Der 37-Jährige verwies unter anderem auf die Übergriffe von Migranten am Kölner Hauptbahnhof, auf islamische Mädchen, die nicht am Schwimmunterricht teilnehmen dürfen, und auf Politiker, die sagen: „Wenn du in deiner Straße nur noch Arabisch hörst, dann musst du eben Arabisch lernen.“ Immer wieder, zuletzt beim Besuch des Wiener Opernballs, suchte Spahn die Nähe zu Österreichs jungkonservativem Kanzler Sebastian Kurz, der für einen harten Flüchtlingskurs steht und scharf gegen die deutsche Kanzlerin Stellung bezog. 

Spahn ist schwul. Wenige Tage vor Weihnachten heiratete er seinen Lebenspartner, den Journalisten Daniel Funke. Verwurzelt ist Spahn im Dorf Ottenstein bei Ahaus im Münsterland, wo er mit zwei Geschwistern aufwuchs, Abitur machte und Bankkaufmann wurde. Spahn trat 1995 in die Junge Union und 1997 in die CDU ein, engagierte sich in Stadtrat und Kreistag. 2003 bis 2017 studierte Spahn neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen und erwarb die akademischen Grade Bachelor of Arts (2008) und Master of Arts (2017). 2012 wurde er unter die „40 under 40 – European Young Leaders“ gewählt.

Julia Klöckner
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Die ehemalige Weinkönigin kümmert sich um die Landwirtschaft.

 

Julia Klöckner als Landwirtschaftsministerin

Ein Wort kann Julia Klöckner nicht mehr hören: „Weinkönigin“. Das sei inzwischen ja schon über 20 Jahre her, sagt sie genervt. Tatsächlich hat sich die CDU-Vizechefin inzwischen bundesweit als Politikerin profiliert.

Von 2009 bis 2011 war die Tochter einer Winzerfamilie parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium. Eine gute Empfehlung für die 45-Jährige, die dort nun den Chefsessel bekommt und den bisherigen CSU-Minister Christian Schmidt ablöst.

In einem Interview hat sich Klöckner bereits ausführlich zur Agrarpolitik geäußert und unter anderem eine Lockerung der Pflanzenschutzvorgaben für den Ökolandbau vorgeschlagen. Außerdem hatte sie mehr Forschung für den Pflanzenschutz und das Tierwohl gefordert.

Klöckner gilt seit Jahren als „Darling“ der Christdemokraten: 2012 war sie mit 92,9 Prozent der Stimmen zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt worden. 2014 wurde sie mit 98,9 Prozent Chefin der CDU Rheinland-Pfalz.

Anja Karliczek
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Anja Karliczek ist die neue Bildungsministerin.

 

Anja Karliczek als Bildungsministerin

Und die Überraschungskandidatin heißt: Anja Karliczek! Eine Diplom-Kauffrau und Betriebswirtin aus Tecklenburg ist die große Unbekannte auf dem CDU-Personalkarussell. Die am 29. April 1971 in Ibbenbüren geborene Mutter dreier Kinder soll auf Wunsch der Kanzlerin das Ministerium für Bildung und Forschung leiten. Erst 2013 zog die Westfälin in den Bundestag ein. Schon 2017 wurde sie parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion. Die Politikerin arbeitete im Finanzausschuss des Parlaments, zuletzt vor allem an der betrieblichen Altersvorsorge und am Lebensversicherungsreformgesetz. Nun wird sie sich neue Politikfelder erschließen müssen. Als Mutter zum Teil schon studierender Kinder ist sie am Thema Bildung ganz nah dran. 

Begonnen hat die 46-Jährige ihre Karriere auf kommunaler Ebene. 1998 trat Karliczek in die CDU ein, wurde Chefin des Stadtverbands Tecklenburg. Von 2004 bis 2014 war sie Mitglied im Rat der Stadt Tecklenburg, zuletzt als Fraktionsvorsitzende. „Wir hatten immer familiäre Unterstützung. Sonst könnte ich meine Arbeit nicht machen“, sagte sie unserer Redaktion vor der Bundestagswahl im letzten Jahr. Ihr Mann arbeitet als Pilot und ist oft unterwegs. „Wir haben immer versucht, einen guten Ausgleich zu schaffen. Die Familie steht bei uns immer an erster Stelle“, betont Anja Karliczek. Deswegen setzt sie sich nach eigenen Worten dafür ein, dass auch andere Kinder und Eltern besonders unterstützt und gefördert werden.

Helge Braun
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Helge Braun ist der Nachfolger von Peter Altmaier.

 

Helge Braun als Kanzleramtsminister

Sie wolle jenen Chancen geben, die „ihre politische Zukunft noch vor sich haben oder mitten dadrin sind“, sagte Angela Merkel jüngst im ZDF. Einer dieser „Mittendrin“-Kandidaten ist Helge Braun, der Kanzleramtsminister wird. Der 45-jährige Nachfolger von Peter Altmaier ist Narkosearzt. Nach der Bundestagswahl 2013 zog der Christdemokrat, der schon als Jugendlicher politisch engagiert war, als Staatsminister ins Kanzleramt ein. In seinem Büro im fünften Stock sorgt er dafür, dass es bei der Kooperation zwischen Bund und Ländern keine Komplikationen gibt.

Braun gehört also bereits zu Merkels Machtzirkel. Als Kanzleramtsminister soll er nun dafür sorgen, dass der Regierungsapparat reibungslos läuft. Von der Regierungschefin weiß man, dass sie schon länger auf den stets gut gelaunten Wissenschaftler setzt. Die Frage ist: Was haben Narkoseärzte und Kanzleramtsminister gemeinsam? Beide agieren eher unauffällig, beide müssen den Ruhm anderen überlassen. Und doch läuft ohne sie nichts – weder in der Klinik noch in der Politik.

Horst Seehofer
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Horst Seehofer hört doch nicht auf und wird Innenminister.

 

Horst Seehofer als Innenminister

Hinter Horst Seehofer liegt ein turbulentes Jahr: Im Frühjahr 2017 dachte er noch ans Aufhören. Dann wurde er zum Weitermachen überredet - auch wenn es dazu vielleicht gar keines allzu großen Aufwands bedurfte. Nach dem Bundestagswahl-Fiasko aber wuchs quasi täglich der Druck auf ihn, eines seiner Spitzenämter - Ministerpräsident oder CSU-Chef - zu räumen. Das Ende ist bekannt: Seehofer stimmte einer Ämtertrennung mit seinem ärgsten Rivalen Markus Söder zu, der in Kürze bayerischer Regierungschef werden soll - und holte sich so die Zustimmung für zwei weitere Jahre CSU-Vorsitz.

Und jetzt, jetzt geht Seehofer den nächsten Schritt, von dem er zuletzt immer gesagt hatte, der sei nicht Teil seiner Lebensplanung: Er wechselt noch einmal an den Berliner Kabinettstisch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): als Minister für Innen, Bau und Heimat. 

Tatsächlich hat sich Seehofer damit ein Ministerium der besonderen Art zurechtgezimmert: zuständig für alles von der Inneren Sicherheit bis hin zum ländlichen Raum. Dabei kann der auch so schon auf eine beeindruckende Karriere verweisen: In seinen mehr als 45 Jahren in der Politik hat er viele Schlachten geschlagen. Oft war er es, der seine Gegner in die Ecke trieb und Positionen durchboxte. 28 Jahre im Bundestag, zwölf Jahre als Staatssekretär und Bundesminister, seit 2008 als Partei- und Regierungschef. Auch für die CSU eine ungewöhnliche Ämterfülle. 

Dafür zahlte Seehofer einen hohen Preis: «Ich gehe ständig an die Grenze dessen, was man sich körperlich zumuten kann», sagte er einmal. 2002 erlitt er eine Herzmuskelentzündung, die ihn fast das Leben kostete. Privat habe er kaum Zeit für Freunde, Familie oder Hobbys.

Parteifreunde werfen Seehofer einen bisweilen autokratischen Regierungsstil vor. Für die CSU scheint er aber auch genau deshalb derzeit nicht verzichtbar: Seine bundespolitische Wirkungskraft wird gerne mit der von Franz Josef Strauß verglichen. Diesen Trumpf soll er nun am Kabinettstisch Merkels möglichst oft ausspielen - zumal er ja noch in Personalunion CSU-Vorsitzender bleibt. Ein Jurist ist er übrigens nicht - er nennt sich lieber „Erfahrungsjurist“.

Andreas Scheuer
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Andreas Scheuer kümmert sich um den Verkehr.

 

Andreas Scheuer als Verkehrsminister

Der Passauer, der seit 2002 im Bundestag sitzt, gilt als einer der wenigen verbliebenen Vertrauten von Seehofer. Als Generalsekretär hat Scheuer nicht nur an der Seite Seehofers den am Ende erfolglosen Bundestagswahlkampf mitverantwortet. Auch während der längsten Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik war Scheuer immer mit von der Partie. Für seine Loyalität wird er nun mit dem Posten des Verkehrsministers belohnt.

Scheuer kennt das Haus bereits, von 2009 bis 2013 war er dort Parlamentarischer Staatssekretär unter Peter Ramsauer (CSU). Der Niederbayer tritt nun die Nachfolge seines Parteifreundes Alexander Dobrindt an, der inzwischen CSU-Landesgruppenchef ist.

Scheuer, Vater einer Tochter, gibt mit seinem Wechsel ins Kabinett seinen Posten als CSU-Generalsekretär ab, den er seit 2013 innehatte. In diesem Amt provozierte er mitunter durch so markige Sprüche, dass sogar die Kirchen den Katholiken kritisierten.

Gerd Müller
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Gerd Müller hat sich im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auch außerhalb Deutschlands einen Namen gemacht.

 

Gerd Müller als Minister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Bei der Kabinettsbildung 2013 war seine Berufung zum Entwicklungsminister für viele eine Überraschung, immerhin hatte der Schwabe zuvor als Staatssekretär im Bundesagrarministerium bei Landwirtschaftsthemen auf sich aufmerksam gemacht. In der vergangenen Legislaturperiode aber hat sich Müller, der auch von Parteifreunden gerne wegen seiner bisweilen unbeherrschten Art kritisiert wird, im Bereich wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auch außerhalb der CSU und Deutschlands einen Namen gemacht.

Von 1989 bis 1994 gehörte Müller dem Europaparlament an, er war in dieser Zeit Parlamentarischer Geschäftsführer der konservativen EVP-Fraktion. Seit 1994 ist er Mitglied des Bundestages. In der Zeit war er unter anderem außen- und europapolitischer Sprecher sowie Vizechef der CSU-Landesgruppe. Der verheiratete Vater von zwei Kindern darf seinen Ministerposten nun behalten.

Wie geht es in Hamburg weiter?

Der Landesvorstand der Hamburger SPD kommt am Nachmittag zusammen, um über die Auswirkungen der Kabinettsbildung im Bund auf die Hansestadt zu beraten. Dabei dürfte es um einen Nachfolger für Scholz als Ersten Bürgermeister gehen. Als Favorit für die Senatsspitze gilt der bisherige Fraktionsvorsitzende Andreas Dressel.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bedauerte, dass es im künftigen Kabinett so wenige Politiker aus Ostdeutschland geben wird. „Es gibt viele Persönlichkeiten im Osten, die das Format dazu hätten“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Freitag). CDU-Chefin Merkel bleibt dort voraussichtlich die einzige Ostdeutsche der Union, Giffey die einzige auf SPD-Seite.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hält die Kritik an dem geringen Anteil von Ostdeutschen im Bundeskabinett für abwegig. „Inzwischen mischen sich die Biografien, da wäre eine erneute formelle Trennung in Ost und West eher kontraproduktiv“, sagte er der Zeitung.

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