Spitzenpolitiker der FPÖ in Bedrängnis : Österreich: Skandal um Nazi-Liedtexte bei einer Burschenschaft

In der Schusslinie: FPÖ-Politiker Udo Landbauer.

In der Schusslinie: FPÖ-Politiker Udo Landbauer.

Die rechte FPÖ hat vor der Landtagswahl in Niederösterreich ein Problem: Spitzenpolitiker Udo Landbauer war Mitglied der Burschenschaft Germania.

shz.de von
25. Januar 2018, 13:55 Uhr

Wien | In Österreich schlägt ein Skandal um Nazi-Liedtexte bei einer Burschenschaft, der auch der FPÖ-Spitzenpolitiker Udo Landbauer angehörte, hohe Wellen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen erklärte am Donnerstag im „Ö1 Morgenjournal“, er sei fassungslos gewesen, als er von dem Text erfahren habe. Der Vorfall müsse nun mit aller Entschiedenheit verfolgt werden. In dem Liederbuch der Burschenschaft Germania heißt es: „Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: 'Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'“. Die Nazis hatten sechs Millionen Juden ermordet.

Landbauer, FPÖ-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niederösterreich am Sonntag, erklärte, den Text weder gekannt noch je gesungen zu haben. Die Passage verstoße „gegen alle meine Grundprinzipien“, sagte der 31-jährige in der Nachrichtensendung „ZiB2“. Er habe seine Mitgliedschaft nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort niedergelegt. Bei dem nun aufgetauchten 200-seitigen Liederbuch müsse es sich um eine alte Version handeln, die er nicht gekannt habe. Landbauer war 17 Jahre Mitglied der Burschenschaft und zeitweise stellvertretender Vereinschef. SPÖ, Grüne und die liberalen Neos forderten den Rücktritt Landbauers.

 

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Verbreitung von NS-Gedankengut. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erklärte, es handle sich um ein „wirklich widerliches und antisemitisches Lied“. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der eine Koalition mit der FPÖ anführt, meinte dazu jüngst, „die publik gewordenen Liedtexte der Germania sind rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig“. Er forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die FPÖ-Spitze hatte sich in den vergangenen Jahren stark bemüht, die Partei als eindeutig nicht-antisemitisch zu positionieren.

Die Polizei beschlagnahmte am Mittwochabend während einer Hausdurchsuchung bei der Burschenschaft 19 „Liederbücher“ und zwei Ordner mit Unterlagen. Ein Burschenschaftler, der für die Neuauflage des Buches 1997 verantwortlich sein soll, werde demnächst vernommen, hieß es am Donnerstag.

Der Skandal, vom Magazin „Falter“ ins Rollen gebracht, ist damit wenige Tage vor der wichtigen Landtagswahl in Niederösterreich aufgedeckt worden. Die FPÖ konnte laut Umfragen bisher darauf hoffen, dort ihren Stimmenanteil auf rund 16 Prozent zu verdoppeln. Ob die Debatte den Rechtspopulisten schadet, ist ungewiss. Landbauer, dessen Mutter aus dem Iran stammt, geht mit dem Motto „Jetzt erst recht!“ in die Schlussphase des Wahlkampfs.

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