Nach Ausstieg bei Pegida : Oertel plant „Bewegung für direkte Demokratie in Europa“

Kathrin Oertel war die Sprecherin von Pegida. Jetzt will sie ein neues Bündnis gründen. Die erste Kundgebung ist im Februar geplant.

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29. Januar 2015, 16:26 Uhr

Dresden | Nach dem Streit bei Pegida und dem Ausstieg von Sprecherin Kathrin Oertel (37) sowie vier weiteren Mitgliedern aus der Führungsspitze der Pegida, plant Oertel offenbar, ein eigenes Bündnis ins Leben zu rufen. Laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung vom Donnerstag hat die 37-Jährige eine „Bewegung für direkte Demokratie in Europa“ im Sinn. „Wir positionieren uns gerade neu“, sagte Bernd-Volker Lincke am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit arbeite er gemeinsam mit Oertel an der Ausrichtung und Inhalten. Die Asylpolitik solle künftig nicht mehr im Vordergrund stehen. Man wolle sich politisch näher in Richtung der CDU orientieren, hieß es weiter. Bereits am 9. Februar soll es eine eigene Kundgebung geben, schreibt das Blatt.

„Wir wollen uns nicht totspazieren“, sagte der bisherige Vereinsvize René Jahn am Donnerstag vor Journalisten in Dresden. Man suche den Dialog mit der Politik und den Medien und wolle als Sprachrohr die Sorgen und Nöte der Menschen aufgreifen. Das Interesse an dem neuen Verein sei bereits groß: „Bei uns wollen gefühlt 500 Leute mitmachen.“ Den neuen Namen verriet Jahn noch nicht, die Endung „gida“ sei aber nicht vorgesehen. Auch das neue Bündnis will jeweils am Montag in Dresden auf die Straße gehen. Demnächst werde man ein neues Positionspapier vorstellen: „Wir wollen die bürgerliche Mitte in Dresden erreichen.“

Der Rest des Organisationsteams kündigte im Internet an, seiner Linie treu bleiben zu wollen und auch weiterzumachen. Sie warfen den Abtrünnigen am Donnerstag indirekt vor, sich von der Politik „kaufen zu lassen“: „Wir stehen nach wie vor für unser 19 Punkte Programm. Wir lassen uns nicht kaufen und werden weiter laufen!“, hieß es in einem Eintrag auf der Facebook-Seite von Pegida.

Bei einer Sitzung am Dienstagabend hatten Oertel und vier weitere Mitglieder des Orga-Teams ihr Amt aufgegeben. Bei der Sitzung sei es um die Rolle von Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann gegangen. Nach Worten von Vereinsvize René Jahn geht es vor allem darum, dass Bachmann im Team verbleiben wolle. Der „Bild“-Zeitung sagte Jahn, deswegen sei er mit Oertel, Achim Exner, Bernd-Volker Lincke, Thomas Tallacker zurückgetreten. „Mit diesem Nazi-Zeug und den rechten Äußerungen möchte ich nichts zu tun haben.“

Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann sagte der „Süddeutschen Zeitung“, Oertel sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei. Weder Oertel noch er stünden künftig für Vorstandsposten zur Verfügung. Bachmann, bis dato das Gesicht der Bewegung, war über ein Foto mit „Hitler-Bärtchen“ und Facebook-Posts mit menschenverachtenden Beleidigungen von Ausländern gestolpert. Am Mittwoch vergangener Woche hatte er sein Amt als Vereinsvorsitzender niedergelegt.

Der bisherige Vereinsvize widersprach den Äußerungen Bachmanns, Oertel sei wegen einer Bedrohung ihrer Person zurückgetreten. Oertel sei eine starke Frau, die könne so etwas wegstecken, betonte Jahn. Außerdem habe man sie abgesichert.

Die Demonstration der Bewegung in Dresden am kommenden Montag wurde aufgrund der internen Querelen abgesagt. Die Stadt habe bestätigt, dass die Organisation die Veranstaltung abgesagt habe. Trotz des Streits bei der Dresdner Pegida planen die meisten lokalen Ableger der islamkritischen Bewegung keine Absagen ihrer Demonstrationen. Am Freitag will das Bündnis Legida, das Verfassungsschützer als rechtsradikaler einstufen, in Leipzig auf die Straße gehen. In den nächsten Tagen sind zudem Demonstrationen in Frankfurt, Hannover, Braunschweig, Würzburg, Stralsund und Suhl geplant. Der rechtsgerichtete Ableger Kögida zieht sich dagegen aus Köln zurück. Stattdessen wolle man sich auf Düsseldorf konzentrieren, hieß es.

Auf Twitter werden die Pläne der Ex-Sprecherin bereits belustigt zur Kenntnis genommen.

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