Partygate-Affäre in Großbritannien : Nun auch Feiern in Boris Johnsons eigener Wohnung im Fokus

Author: Dan Kitwood
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, hält bei einem Besuch in der Fourpure-Brauerei ein Bier in der Hand.

Feierte der Premierminister Partys während sein Volk im Lockdown zu Hause saß? Die Affäre rund um Boris Johnson geht in die nächste Runde.

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23. Januar 2022, 14:17 Uhr

In der Aufklärung der sogenannten Partygate-Affäre um Feiern während des Lockdowns in der Downing Street sollen auch Versammlungen in Boris Johnsons eigener Wohnung untersucht werden. Die Untersuchung der Regierungsbeamtin Sue Gray, die in London mit Spannung erwartet wird, werde auch angebliche Partys in der Wohnung des Premiers in der Downing Street Nummer 11 umfassen, berichtete die „Times“ am Sonntag unter Berufung auf Insider-Quellen. So sollen enge Freunde von Johnsons Frau Carrie häufiger in Lockdown-Zeiten zu Gast gewesen sein - offiziell aus Arbeitsgründen.

An dieser Darstellung gibt es dem Bericht zufolge jedoch deshalb Zweifel, weil die genannten Freunde gar nicht direkt für die Downing Street arbeiteten, sondern für das angegliederte Cabinet Office. Johnsons Ex-Berater Dominic Cummings, der heute zu dessen schärfsten Kritikern zählt, hatte schon früher den Vorwurf erhoben, auch in Johnsons eigener Wohnung - nicht nur in den Büroräumen - hätten unerlaubte Partys stattgefunden.

Wie lange hält sich Johnson noch im Amt?

Nachdem der Druck auf Boris Johnson in den vergangenen Wochen durch etliche Enthüllungen immer weiter gestiegen ist, droht ihm ein Misstrauensvotum. Einige konservative Abgeordnete haben bereits öffentlich den Rücktritt des Premiers gefordert. Andere wollen die Ergebnisse der offiziellen Untersuchung abwarten.

Doch nun wird bereits der allgemeine Einfluss des Alkohols diskutiert. „Der Premierminister hat kein Alkoholproblem, aber „Number 10“ hat eins“, stellte die frühere Top-Beamtin Sonia Khan in der Zeitung „Guardian“ fest. Trinken nach Terminkalender, ein Weinschrank im Büro und flaschenweise Nachschub mit dem Rollkoffer: Die Berichte über Alkoholkonsum in der Downing Street sorgen landesweit für Spott und Empörung. Etwa 50 Mitarbeiter sollen regelmäßig Erinnerungen an „Wine-time Fridays“ (Wein-Freitage) als Termin in ihren elektronischen Kalendern gehabt haben, ein anderes Team lud zum „Prosecco-Dienstag“.

Im Dezember 2020 wurde gar ein 200 Pfund teurer Weinkühlschrank angeliefert. Mitarbeiter füllten den 34 Flaschen fassenden Behälter regelmäßig beim nahe gelegenen Supermarkt auf - die Getränke schleppten sie mit einem Rollkoffer ins Gebäude. Wiederholt sei bis tief in die Nacht gezecht worden, zitierte die Zeitung „The Times“ einen Downing-Street-Insider. „Manche Leute haben ihren Kater im Gebäude auf Sofas ausgeschlafen, und morgens mussten die Reinigungskräfte leere Flaschen von den Schreibtischen klauben“, hieß es weiter. Die „Booze Culture“, so betonte die „Times“, sei von ganz oben unterstützt worden. Johnson selbst habe wiederholt die Trinkenden ermutigt, „Dampf abzulassen“, schrieb der „Mirror“.

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