NSA sammelt Millionen Bilder für Gesichtserkennung

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Der Geheimdienst kann nicht nur Personen identifizieren, sondern auch die Orte, wo die Fotos entstanden

shz.de von
01. Juni 2014, 15:51 Uhr

In Filmen ist Software zur Gesichtserkennung ein wichtiges Werkzeug für Spione, im echten Leben soll die NSA bereits Millionen Bilder dafür aus dem Internet aufsaugen – täglich. Laut neuen Snowden-Enthüllungen kann sie sogar den Hintergrund mit Satelliten-Karten abgleichen. Der US-Geheimdienst hoffe, mit Hilfe der Technologie das Auffinden von Zielpersonen weltweit zu revolutionieren, so die „New York Times“.

Laut Unterlagen aus dem Jahr 2011 sammelt die NSA täglich Millionen Bilder, davon hätten rund 55 000 eine für Gesichtserkennung geeignete Qualität. Genauso jage der Dienst aber auch der Spur von Fingerabdrücken und anderen biometrischen Daten hinterher, hieß es unter Berufung auf Papiere aus dem Fundus des Informanten Edward Snowden. Die wichtigste Gesichtserkennungssoftware der NSA trage den Namen „Tundra Freeze“ und kann laut dem in einem Dokument genannten Beispiel eine Person auch erkennen, wenn sie sich die Haare abrasiert hat. Zugleich wird an anderer Stelle eingeräumt, dass Bärte das Programm verwirren können. Bilder aus Überwachungskameras, Fotodatenbanken im Internet, sozialen Netzwerken, von Visa- oder Führerscheinstellen und sogar Aufnahmen aus der Luft könnten dazu genutzt werden, Bewegungsprofile von Personen zu erstellen.


Fotos sorgen für perfekte Bewegungsprofile


Außerdem greife die NSA auf kommerziell verfügbare Software zurück, etwa das Programm der Firma PittPatt, die zu Google gehört. Die NSA sei sogar in der Lage, im freien aufgenommene Fotos mit Satelliten-Bildern abzugleichen, um den genauen Ort der Aufnahme festzustellen, hieß es. Ein Fallbeispiel in einem der Dokumente zeige Fotos mehrerer Männer, die wie Urlaubsbilder aussähen, aber tatsächlich laut Satelliten-Karte in einem Extremisten-Trainingslager in Pakistan aufgenommen worden seien.

Eine NSA-Sprecherin wollte sich auf Anfrage der Zeitung nicht dazu äußern, ob der Dienst Zugang zur Datenbank des US-Außenministeriums habe, in der Bilder zu Visa-Anträgen gespeichert werden – und ob er Fotos aus Online-Netzwerken abgreife. Es ist schon länger bekannt, dass Software zur Gesichtserkennung von Sicherheitsbehörden eingesetzt wird. Das Ausmaß, in dem die NSA laut den Snowden-Unterlagen Bilder dafür sammelt, ist jedoch neu. Programme zur Gesichtserkennung sind für Datenschützer schon lange ein rotes Tuch: Sie befürchten massenhafte Verletzungen der Privatsphäre, falls jeder jeden überall identifizieren könnte.

Technologie-Unternehmen halten sich mit der Verbreitung solcher Software zurück: So will Google sie nicht in seiner Computerbrille Google Glass zulassen. Verbraucher können damit aber bereits Bekannte in Bildbearbeitungsprogrammen erkennen lassen. Und Facebook hat in den USA eine Funktion, die automatisch Freunde in hochgeladenen Fotos markieren kann. In Europa wurde sie nach Kritik von Datenschützern zurückgezogen.

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