„Nicht im Dienst“

shz.de von
05. August 2014, 11:50 Uhr

Ärzte sind besonders gefährdet. Aber auch Rechtsanwälte und Autoren. „Ich hätte da mal eine Frage“, beginnt die Kontaktaufnahme, die mit Vorliebe auf der Gartenparty erfolgt. Die gefährdeten Personen könnten sich einen Sticker „Nicht im Dienst“ ans Revers heften. Doch das würde ebenso als Affront aufgefasst werden wie der gute Rat, sich doch bitte einen Termin für einen Praxisbesuch geben zu lassen. Vertreter der schreibenden Zunft haben meist nichts dagegen, wenn sie auf ihre berufliche Tätigkeit angesprochen werden: Wunderbar, dieser letzte Artikel und noch genialer das jüngste Buch. Ein derart geschickt begonnenes Gespräch mündet anschließend nicht selten in das Geständnis, man schreibe selber auch ein wenig. Gedichte vor allem. Ob da nicht eine sachkundige Besprechung möglich wäre? Manchmal passt das Werk des Hobby-Poeten sogar in die Handtasche, sodass vor Ort – zwischen Putenbrust und Kartoffelsalat – eine Übergabe erfolgen kann. Beobachten Angehörige des medizinischen und juristischen Gewerbes diese verschämte Transaktion, glaubt man in ihren Mienen Schadenfreude zu erkennen.

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