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US-Vorwahlen : New York: Schicksalswahl für Demokraten Bernie Sanders

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Der Polit-Opa Bernie Sanders ist die Hoffnung der jungen Linken in Amerika. Bei den Vorwahlen in New York steht sein politisches Schicksal auf dem Spiel.   

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 09:56 Uhr

New York | Wenn man es dort schafft, schafft man es überall, heißt es über New York. Und tatsächlich könnte die Metropole ausschlaggebend sein für die Demokraten. Am Dienstag sind dort deren Vorwahlen zur Kandidatenkür - und die Frage, ob der New Yorker Bernie Sanders noch eine Chance hat gegen Hillary Clinton, könnte geklärt werden.

Bei den US-Vorwahlen zeigen sich viele Bürger als Skeptiker des Establishments. Bei den Republikanern trumpft Trump daher auf, der den gemäßigten Marco Rubio bereits aus dem Rennen geworfen hat. Genauso konnte der „sozialistische Demokrat“ Sanders Erfolge gegen die Favoritin Clinton verbuchen.

Die Bilder vom Washington Square im Herzen Manhattans erinnern an 2008. Tausende Menschen stehen dicht gedrängt in den Straßen oder pressen ihre Nasen neugierig an die Fenster der umliegenden Gebäude. Eine Menge mit vielen jungen Gesichtern, die hoffnungsvoll der Vision des Redners für ein bunteres und gerechteres Amerika zuhören. 

Damals hieß der Kandidat Barack Obama, der rund 20.000 Menschen auf die Beine brachte. Diesmal ist es der 74-jährige Bernie Sanders, der das Publikum am „Big Apple“ elektrisiert. Der Hinterbänkler aus dem US-Senat mit dem zerzausten grauen Haar und Kassengestell zieht sogar noch mehr Menschen an. Die Schätzungen reichen bis zu 30.000. Rund 28.000 Menschen kamen in Portland, 15.000 in Seattle und 11.000 in Arizona zu den Kundgebungen. Zahlen, von denen die Spitzenreiterin im Rennen der Demokraten um die Nominierung, Hillary Clinton, nur träumen kann. 

Auch sie hat emotionale Anhänger. Frauen, die in ihr die Chance sehen, die erste Präsidentin ins Weiße Haus zu schicken. Schwarze und Latinos, die seit der Präsidentschaft ihres Mannes Bill eine enge Verbindung zu den Clintons spüren. Doch vor allem bei den jüngeren Amerikanern, Unabhängigen und weniger Betuchten hält sich die Begeisterung in Grenzen. Hillary, so das verbreitete Gefühl, hat für alles ein Fünf-Punkte-Programm, fehlt aber die große Vision.

Bei Sanders verhält es sich fast umgekehrt. „Lasst euch nicht einreden, der Status quo lasse sich nicht verändern“, ruft er der Menge auf dem Washington Square zu. Die Reichen müssten endlich ihren fairen Anteil an Steuern zahlen. Den freien Zugang zu Universitäten und eine bezahlbare Krankenversicherung will Sanders zum Grundrecht für alle machen.

Eine Übersicht über die bisherigen Wahlergebnisse der Demokraten:

Trotz der Enthusiasmus-Lücke liegt Clinton im Rennen um die Delegierten mit 1305 zu 1086 Stimmen vorn und dominiert das Feld der ungebundenen Super-Delegierten mit 460 zu 31. Wenn der in Brooklyn zur Welt gekommene Sanders, die „Beute“-New-Yorkerin Clinton in dem Delegierten-reichen Bundesstaat am kommenden Dienstag nicht schlagen kann, schwinden seine Aussichten vollends, sie noch einholen zu können.

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