Washington : Neuer Kopf im US-Geheimdienst: Gina Haspel wird CIA-Direktorin

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Gina Haspel wird die Nachfolge von Mike Pompeos, der zum Außenminister berufen wurde.

Gina Haspel (60) spielte nach dem 11. September eine Schlüsselrolle bei den umstrittenen Verhörpraktiken des CIA.

shz.de von
13. März 2018, 19:10 Uhr

Washington | Der Präsident betonte, seine Wahl für die Nachfolge Mike Pompeos sei eine historische. Erstmals werde mit der bisherigen Stellvertreterin des CIA-Direktors eine Frau die Leitung des Auslandsgeheimdienstes der USA übernehmen. Bevor es dazu kommt, muss der US-Senat die Berufung Haspels bestätigen.   

Analysten erwarten eine kontroverse Anhörung, weil Trumps Wahl für den CIA unter George W. Bush eine umstrittene Rolle bei der Behandlung von US-Gefangenen im sogenannten „Krieg gegen den Terror“ spielte. Unter anderem leitete Haspel 2002 in dem globalen Netz an Geheimgefängnissen des CIA die berüchtigte „Black Site“ in Thailand.

Trump befürwortet Folter

Dort folterte die CIA unter anderem die beiden Al-Quada-Terroristen Abu Zubaydah und Abd al Rahim al-Nashiri. Freigegebene CIA-Kabel aus der Zeit belegen, dass Abu Zubaydah binnen eines Monats 83 Mal der „Waterboarding“ genannten Prozedur des simulierten Ertrinkens unterzogen und mit dem Kopf wiederholt vor die Wand geschlagen worden war.

Trump hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er an die Wirksamkeit von Folter glaube. Seinen Kritikern hielt er Gespräche mit „Leuten auf den höchsten Ebenen des Geheimdienstes“ entgegen, die „absolut“ von dem Wert harscher Verhörtechniken und Folter überzeugt seien. Es blieb unklar, ob er damit Haspel meinte.

Haspel soll Beweismaterial zerstört haben lassen

Laut Aussagen von Regierungs-Insidern gegenüber „Reuters“ und der „Associated Press“ spielte die designierte CIA-Direktorin später auch eine führende Rolle bei der Zerstörung von Beweismaterial, wie Videos von den Folter-Verhören. Eine Untersuchung des US-Kongresses endete ergebnislos.

Die Bürgerrechtsbewegung ACLU äußerte sich bereits bei ihrer Beförderung zu Pompeos Stellvertreterin im Frühjahr 2017 besorgt. „Wir haben äußerste Bedenken“, erklärte Christopher Anders für die Organisation.   

Der führende Demokrat in dem für die Bestätigung zuständigen Senatsausschuss, Mark Warner, verlangte ebenfalls Versicherungen, dass Haspel sich an das Gesetz halte. Dank einer Initiative des in Vietnam gefolterten US-Senators John McCains hat der Kongress „Waterboarding“ und andere als Folter geächtete Verhörmethoden nach den Vorgängen in Bushs „Krieg gegen den Terror“ explizit verboten. 

Weitere Stationen in Haspels Karriere über drei Jahrzehnte beim CIA waren Leitungsfunktionen in der Zentrale, wo sie unter anderem für „verdeckte Aktionen“ im Ausland zuständig war. Zudem leitete sie für eine Zeit die CIA-Station in London.  

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